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Christoph Dohr

aktualisiert
Montag, 26.04.2021 19:39

Instrumente von Maendler-Schramm in der Sammlung Dohr

Einführung

Karl Maendler (geb. 22. März 1872 in München; gest. 2. August 1958 ebd.) war ein deutscher Instrumentenbauer. Von Beruf Kaufmann [Maendler war zunächst als Musikalienhändler tätig], schloss Maendler 1897 die Ausbildung zum Klavierbauer ab und heiratete die Tochter des Münchner Klavierfabrikanten M. J. Schramm. Dadurch kam es zur Firmierung unter dem Doppel-Namen "Maendler-Schramm". 1907 baute er für die Pianistin Elfriede Schunck sein erstes Cembalo und befasste sich seit 1912 mit der Entwicklung eines Bach-Klaviers (1923), das eine Reihe von patentierten Vorrichtungen zur Klangmodulation besaß. Maendler erfand 1924 eine Liedharfe und baute 1925 Trog-Xylophone für Carl Orff. Bis zur kriegsbedingten Schließung der Firma Maendler-Schramm 1944 wurden rund 600 Cembali, Spinette, Klavichorde und Hammerflügel hergestellt. 1951 kehrte Maendler nach München zurück, begann mit dem Wiederaufbau des Unternehmens, musste jedoch 1956 nach dem Verlust seines Augenlichts die Firmenleitung abgeben.

Cembali der Marke "Maendler-Schramm" wurden mit leichten Modifikationen von etwa 1907 bzw. 1912 (zwei Prototypen, die sich lt. Focht [siehe Literatur] lange Zeit nicht verkaufen ließen), dann verstärkt von den frühen 1920er-Jahren fast bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (Totalschaden im Bombenkrieg), dann schließlich nochmals in kleinerem Umfang in der unmittelbaren Nachkriegszeit (vielleicht bis ca. 1956) gebaut; sie stellen keine Kopien von historischen, barocken Instrumenten dar, sondern verkörpern eine die Erfahrungen des Klavierbaus einbeziehende Adaption des "Cembalo-Typs"; konkret kopieren diese Cembali das von der Pianistin und Cembalistin Wanda Landowsky in Zusammenarbeit mit Pleyel/Paris entworfene Instrument: Wunsch von Interpreten wie Instrumentenbauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die "Modernisierung" des "alten" Cembalos. Eine besondere Form von "Nostalgie" spielte ebenfalls eine Rolle.

Insbesondere die Cembali von Maendler-Schramm schienen Ende der 1920er-Jahre und zu Anfang der 1930er-Jahre einen alle anderen deutschen Hersteller überragenden Ruf zu haben. Karl Maendler wurde sogar außergewöhnlich schnell in die Neuauflagen der führenden Musiklexika (Riemann [Zitat s.u.], Frank/Altmann) aufgenommen. Carl Orff schreibt in seinem "Schulwerk" im Jahre 1976 (zitiert nach Focht S. 174, siehe Literatur: "Ich wandte mich [1928] mit meinem Anliegen an meinen Freund Karl Maendler, den einfallsreichen Wiederbeleber des Cembalobaues und genialen Neukonstrukteur großer Konzertcembali, die damaliger Aufführungspraxis in großer Besetzung und großen Sälen entsprachen. Neben Pleyel und Erard ist sein Name aus der Geschichte des Cembalobaues nicht wegzudenken."

Das Fundament gebende 16-Fuß-Register, die Rastenkonstruktion, Lederbekielung, große Klaviermanualmensuren, große Wirbel, umsponnene Basssaiten, die flügelmäßige, nach unten offene Rastenbauweise, eine dem englischen Tafelklavierbau entlehnte Gliederdämpfung für die oben liegenden 8'- und 16'-Register und eine dem Orgelbau entlehnte Pedalschaltung für die Register sind einige besondere Merkmale dieses wuchtigen, in Eiche gearbeiteten Instrumentes. "Modern" wirkt(e) etwa die Kombination [neudeutsch: "Material-Mix"] von schwarzem Plastik (Bakelit?) auf den Untertasten mit Elfenbein als Obertastenbelag.

Ein Patent (DRP Nr. 39 39 67) besaß Karl Maendler für ein kompliziertes System von drei Federn an jedem Holzspringer, die den Ton besonders wandlungs- und modulationsfähig machen sollten. Ein weiteres Patent (DRP Nr. 39 49 89) besaß er für die "Schränkung" des 4'-Bezugs auf dem Resonanzboden, wodurch er den Anhang vom Resonanzboden weg an die Korpus-Wand verlegen konnte.

"Maendler, Karl, Klavierbauer und Inhaber des Pianohauses M. J. Schramm in München, * 22. März 1872 in München. Seit 1907 baut er Cembali und Clavichords; er ist Erfinder des sog. Bachklavieres, d. h. eines Cembalos mit durch Anschlag modulationsfähigem Ton, das 1923 zum ersten Male öffentlich vorgeführt wurde. Die verschiedenen Anschlagsstärken werden in der Weise erzielt, daß bei schwachem Anschlag der Reißer die Saite nur mit der Spitze faßt, während bei stärkerem Anschlag die Docke entsprechend der Anschlagskraft näher an die Saite geworfen wird, wodurch die vom Reißer mehr oder weniger zum Anriß untergriffen wird. In der Disposition hält sich auch das Bachklavier an die gebräuchlichsten alten Typen mit 4 Saiten für jede Taste, und zwar ein 4', zwei 8', ein 16'; zwei Manuale durch Koppel verbindbar, Lautenzug, Pianozug für das Obermanual und abhebbare Dämpfung (modern). Die Register werden durch acht Pedalzüge ausgelöst." (Eintrag im Riemann-Lexikon 11. Auflage Bd. 2, Berlin: Hesse 1929)

Wegen der zahlreichen instrumentenbaulichen Besonderheiten haben mehrere bedeutende Musikinstrumentenmuseen trotz der "relativen Jugend" dieser Instrumente Cembali von Maendler-Schramm in ihren Beständen. Das Instrument der Sammlung Dohr gehört dabei mit 245 cm Länge zum Typ des großen Konzert-Cembalos. Ein fast identisches Instrument (Unterschied: achteckige Beine) mit #274, datiert März 1932, befindet sich in der Instrumentensammlung des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz Berlin.

Nach der Auswertung von Prospekten der Fa. Maendler-Schramm durch Focht (siehe Literatur) bot Maendler mindestens dreizehn verschiedene Cembalo-Modelle an (als Modell-Bezeichnung diente dabei - einzige Ausnahme bildete das hier beschriebene >Bach-Klavier< - stets die Länge des Instrumentes), ca. sechs Modelle ohne Pedalschaltung [150, 170, 175, 200, 218, 220 cm], ca. drei Modelle mit Pedalschaltung für den Hausgebrauch [175, 190, 200 cm], zudem ca. vier Konzertcembali [240/241, 246, 254, 263 cm]. Fochts Angaben sind leider sehr pauschal und dadurch ungenau, differenziert er doch nicht nach Angebots- bzw. Entstehungsjahr. So ist bekannt, dass Maendler-Schramm ca. 1934 den gusseisernen Rahmen

Die Sammlung Dohr besitzt derzeit mit einem sehr frühen (dem ersten?) einmanualigen Cembalo, zwei Tischspinetten, einem Koffer-Kleinspinett mit Beinen, einem Clavichord und zwei Konzertcembali die derzeit umfassendste bekannte Sammlung historischer Tasteninstrumente aus der Werkstatt von Maendler-Schramm. Dieser besondere Schwerpunkt trägt der Einschätzung Rechnung, dass das Schaffen von Karl Maendler in Museen und in der Literatur bislang nicht ausreichend gewürdigt wird (vgl. z.B. Focht).

Maendler gab seinen Instrumenten Seriennummern. Der Instrumentenkundler Lothar Bemmann (www.clavichord.info) ließ am 16. Mai 2008 der Sammlung Dohr eine zwischenzeitlich von Bemmann und Dohr kontinuierlich ergänzte, aber durchaus noch erweiterbare Liste (Ergänzungen werden gerne entgegengenommen!) zukommen, die von einer fortlaufenden und damit chronologischen Seriennummernvergabe ausgeht, die entsprechend interpolierende Datierungen zulässt:

Maendler-Schramm: Seriennummern bekannter Instrumente

Jahr

Ser. Nr.

Tast. Nr.

Tastatur Hersteller

Instrument

1907

1

 

 

"erstes Cembalo" (siehe Literatur)
einmanualiges Cembalo 8', 16'
(Slg. Dohr)

1912

[2]

 

 

zweites Cembalo

1925

138

154340

 

Cembalo (Deutsches Museum München)

19xx

201

1?81020" 

Wilh. Schäuffele / 181020 /Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Schramm-Clavichord (USA [Boston?], privat)

1925

 

 

 

Verkauf 2013 bei www.harpsichord.com

1930

239

 

 

Clavichord (Lee Graham, U.S.A.)

1930

241

183548

Wilh. Schäuffele / 183548 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Clavichord (Salzburg, privat)

1931

 

 

 

Cembalo (ESA ex)

1931

251

 

 

Cembalo 2 Man., 16', 8'; 8', 4', Laute, Koppel (Slg. Dohr)

1931

?

195264

Wilh. Schäuffele / 195264 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Cembalo (Slg. Beurmann)

1932

274

 

 

Cembalo (B)

1932

280

198190

Wilh. Schäuffele / 198190 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Clavichord (Frankfurt/Main, privat)

1932

281

198192

Wilh. Schäuffele / 198192 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Clavichord Modell 145 (Slg. Dohr)

1932

309

63160

Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür.

Spinettino (Slg. Dohr)

1932

310

[63xxx]

[Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür.]

Tischspinett (2019 im belgischen Instrumentenhandel angeboten)

1932 

318

63281

Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür.

Spinettino (Slg. Dohr)

1935

337 

 

 

Clavichord (M_SM)

1936

367 

 

 

Cembalo (ROM)

1936

369 

   

Clavichord

1936

370

   

Clavichord F1-f3 (Peter Sykes, formerly Erwin Bodky)

1938

432

 

Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür.

Spinettino mit Untergestell (Slg. Dohr)

1938

456

209158

Wilh. Schäuffele / 209158 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Cembalo 2 Man., 16', 8'; 8', 4', Laute, Koppel (privat, Vallendar; ab Mai 2021 Slg. Dohr)

1939

485

65484

Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür.

Koffer-Kleinspinett "Modell 90" (Nachlass Prof. Detel HH, nun Slg. Dohr)

1939

501

 

 

Cembalo (HAL)

1939

506 

213186

Wilh. Schäuffele / 213186 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5

Clavichord (B_priv)

1940

508 

 

 

Clavichord (BRNO)

1940

512

 

 

Cembalo 2 Man., 6 Ped., Schlitten-Basswand (Verkauf über ebay.com NY/NY, Juli 2015)

1940 [?]

526

[6]8087

Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür.

Koffer-Kleinspinett (Slg. Dohr)

1941

562 

 

 

Cembalo 2 Man. (Herbert Collum)

1941 

 

 

Pedal-Cembalo (Herbert Collum)

1951/56

563

 

 

Cembalo 2 Man., 16', 8', 8', 4', Laute, Koppel

1951/56

?

?

?

Konzertcembalo 5 Reg., 2 Man., ohne Ped. (ex Conservatorium Tilburg/NL, nun Slg. Dohr)

1955 [?]

610

775

?

Spinett (Virginal) Modell 135 mit Jalousiedeckel (Slg. Dohr)

Stand: 26.04.2021 fett = gesicherte Datierungen

Literatur

  • H. Nüssle, Karl Maendlers Bach-Klavier, in: Die Musik 15, 1923, S. 794 f.
  • Eintrag "Maendler, Karl", in: Alfred Einstein (Bearb.): Hugo Riemanns Musik-Lexikon, 11. Auflage, Bd. 2, Berlin: Hesse 1929.
  • [ganzseitige Anzeige mit 4 Abbildungen in:] Fritz Müller: Das stilechte Spiel auf dem Cembalo und auf andere Kielinstrumenten. Celle: Hermann Moeck Verlag 1933.
  • Eintrag "Maendler, Karl", in: Frank/Altmann (Hg.), Kurzgefasstes Tonkünstler-Lexikon für Musiker und Freunde der Musik,14. Auflage 1936, Bd. 1, S. xx.
  • [Anzeige in:] Hesses Musikkalender 61. Jahrgang 1939, 2. Band, S. 170;
  • Neue Bachgesellschaft (Hg.), Verzeichnis der Sammlung alter Musikinstrumente im Bachhause zu Eisenach, 3. erw. Aufl. Leipzig 1939, S. 37 (Nr. 70; von der Beschreibung her baugleich mit dem Instrument im Deutschen Museum München);
  • Joseph Wörsching, Die historischen Saitenklaviere und der moderne Clavichord- und Cembalo-Bau, Mainz 1946;
  • Hanns Neupert, Art. 'Maendler, Karl', in: MGG 1. Auflage Bd. 8 (1960), Sp. 1458;
  • K. Sasse, Katalog zu den Sammlungen des Händel-Hauses in Halle: Musikinstrumentensammlung: besaitete Tasteninstrumente, Halle 1966;
  • W. J. Zuckermann, The Modern Harpsichord, London 1969;
  • Hubert Henkel: Das moderne Cembalo - Tendenzen und Probleme. in: Eitelfried Thom und Renate Bormann (Hg.): Cembalo, Clavichord, Orgel. Konferenzbericht Blankenburg/Harz 1977. (= Studien zur Aufführungspraxis und Interpretation von Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts. Heft 6, Teil 1. ), S. 32-38;
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 189;
  • Margret Cranmer: Art. "Maendler-Schramm", in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 11, S. 485;
  • John Henry van der Meer, Ein Überblick über den deutschen Cembalobau, in: Hermann Moeck (Hg.), Fünf Jahrhunderte deutscher Musikinstrumentenbau, Celle 1987, S. 235-262, hier S. 248;
  • Martin Elste, Nostalgische Musikmaschinen, in: Staatliches Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (Hg.): Kielklaviere, Berlin 1991, S. 239-277, hier S. 263 u. 266f.;
  • Horst Rase, Renaissance des Cembalos. Beschreibung der Instrumente, in: Staatliches Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (Hg.): Kielklaviere, Berlin 1991, S. 278-334, hier S. 325-329;
  • Hubert Henkel, Besaitete Tasteninstrumente (Kat. Slg. d. Deutschen Museums München), Frankfurt 1994, S. 95-97 (älteres Modell, aber identische Patente);
  • Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 193 u. S. 266;
  • Hubert Henkel, Art. "Schramm, Max Joseph", in: ders., Lexikon deutscher Klavierbauer, 1. Aufl. Frankfurt/Main 2000, S. 577f.;
  • Ralf Ketterer: Der Instrumentenbauer Karl Maendler und die Weiterentwicklung des "Bachklaviers". in: G. Ulrich Großmann, Germanisches Nationalmuseum (Hg.): Monatsanzeiger Nr. 263 (Februar 2003), S. 6f.
  • Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Blomington & Indianapolis: Indiana University Press 2003, S. 415 und S. 417. [Kottick unterliegt einem Irrtum, wenn er auf S. 417 in der Bildlegende schreibt: "Like a few other builders, Maendler worked in association with a piano factory - in this case, M. J. Schramm." Die Klavierbaufirma von Max Joseph Schramm (1838-1916) wurde 1864 in Augsburg gegründet, übersiedelte vier Jahre später nach München und stellte bereits 1886 die Produktion ein.]
  • Art. "Maendler, Karl", in: MGG 2. Auflage, Personenteil, Bd. xx (Kassel: Bärenreiter 2003), Sp. xx.
  • Peter Watchorn: Isolde Ahlgrimm, Vienna and the Early Music Revival Ashgate 2007 (drei Abschnitte über Ahlgrimms Spiel auf Maendler-Schramm-Cembali).
  • Josef Focht: Die Firma Maendler-Schramm und die Renaissance des Cembalos in München. in: Christian Ahrens und Gregor Klinke (Hg.): Cembalo, Clavecin, Harpsichord. Regionale Traditionen des Cembalobaus. Kongressbericht Herne 2010, München: Katzbichler 2011, S. 156-184. [Der Artikel enthält einige summarische, kursorische Angaben zum Schaffen von Karl Maendler, die größtenteils zu konkretisieren sein werden!]

Linktipps

DohrCompactDiscs, eingespielt
auf Instrumenten des Pianomuseums