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Die Tafelklaviere der Sammlung Dohr, Köln

beschrieben von Christoph Dohr (siehe auch den Aufsatz hierzu)

  1. 1770 (ca.) Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe, Schmahl (?), Ulm
  2. 1771 Tafelklavier Zumpe & Buntebart, London
  3. 1780 (ca.) Tafelklavier Johannes Pohlman[n], London
  4. 1786 Tafelklavier Sébastien Erard, Paris
  5. 1790 (ca.) Tafelklavier Christopher Ganer, London
  6. 1800 (ca.) Tafelklavier anonym, England
  7. 1809 Tafelklavier Knowles & Allen, Aberdeen/Scotland
  8. 1817 Tafelklavier J. Broadwood and Sons, London
  9. 1820 (ca.) Tafelklavier Walter & Sohn, Wien
  10. 1825 (ca.) Tafelklavier J. P. Moos, Nürnberg
  11. 1827 Tafelklavier J. Broadwood and Sons, London
  12. 1835 Tafelklavier # 2961 Jean Henri Pape, Paris
  13. 1835 Tafelklavier # 2xxx Jean Henri Pape, Paris
  14. 1850 (?) Tafelklavier anonym, Spinett-Bauweise
  15. 1860 (?) Tafelklavier Dörner, Stuttgart
  16. 1875 Tafelklavier # 9645 Schiedmayer & Soehne, Stuttgart
  17. 1875 Tafelklavier # 9633 Schiedmayer & Soehne, Stuttgart
  18. 1875 Tafelklavier # 9731 Schiedmayer & Soehne, Stuttgart

grundlegende Literatur:

  • Donatella Degiampietro und Giuliana Montanari: Art. Square Piano. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 369-371.

Beschreibung der Instrumente


1. Tafelklavier Johann Matthäus Schmahl, Ulm um 1770

Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe; keine Signatur, keine Nummer, aufgrund der Bauform traditionelle Zuschreibung an Johann Matthäus Schmal in Ulm (1734-1793), Mitglied einer regional äußerst bedeutenden und erfolgreichen Instrumentenbauerfamilie

  • Breite: 1274 mm
  • Tiefe an linker Seitenwand: 340 mm; größte Tiefe: 495 mm
  • Korpushöhe inkl. Deckel: 220 mm
  • Gesamthöhe inkl. Untergestell: 845 mm
  • Untertasten 122 mm sichtbare Länge, Belag: Ebenholz (im hinteren Bereich, also zwischen den Obertasten, aus ökonomischen Gründen im Vergleich zur Stärke des Vorderbelags aufgedoppelt). Tastenfronten gewaffeltes geprägtes Papier, weiß lackiert.
  • Obertasten 80 mm sichtbare Länge, Belag: Bein auf schwarz gebeiztem Weichholz.
  • Stichmaß 487 mm.
  • Umfang: G1 – g3 = fünf Oktaven, 61 Tasten.
  • geteiltes Vorsatzbrett/Vorstecker: Oberer Teil (ca 2/3 der Höhe mit vier Schiebern) fest montiert; unterer Teil (ca. 1/3 der Höhe mit Dämpfungsanhebung) Teil der Mechanikschublade und entnehmbar aufgesteckt.

Kurzcharakteristik:

Die Tafelklaviere in Form einer liegenden Harfe stellen eine eigenständige, singuläre und (beinahe) "ohne Folgen" gebliebene Frühform in der Baugeschichte des Tafelklaviers dar. Diese Bauform adaptierte - wohl willentlich - nicht die tradierte "square (piano)" Form des seit Jahrhunderten etablierten Clavichords, sondern schuf für den Sektor "Hammerclavierchen" eine eigenständige neue Form. Die in eigentlich allen Punkten aufwändige, ja veschwenderisch luxuriöse Bauweise (auffallend sind insbesondere Verzierungen sogar an unsichtbaren Bauteilen wie der Mechanik-Schublade, die erst bei Demontage des Instruments, d.h. Entnahme der Mechanik, sichtbar werden) machte das Instrument zu einer Besonderheit, die nicht auf die Kombination von einfacher Konstruktion und niedrigem Verkaufspreis abzielte, sondern die Wertigkeit des Einzelstückes in den Mittelpunkt stellte.

Trotz fehlender Signierungen und/oder Datierungen sind diese Tafelklaviere gesuchte, begehrte Raritäten. Zudem scheint es sich bereits zur Entstehungszeit um eher kleine gerfertigte Stückzahlen gehandelt zu haben, wobei sich die bekannten Instrumente nochmals auf (mindestens) drei Varietäten aufteilen: So ist dieses Schmahlsche Tafelklavier der Sammlung Dohr aufgrund seines Ambitus eine Besonderheit unter den "liegenden Harfen", weist es doch den bei diesem Typus seltenen Klaviaturumfang G1 – g3 auf (Clinkscale [siehe Literatur, s.u.] weist nur ein weiteres Schmahl zugeschriebenes Instrument mit diesem Ambitus nach). Die sonst nachgewiesenen Schmahlschen Tafelklaviere weisen einen viereinhalboktavigen (C – f3) bzw. einen um eine Sekunde größeren (F1 – g3) Ambitus auf.

Auffällig - und für Jahrzehnte einzigartig - ist die große Anzahl von "Veränderungen", die der Erbauer auf das Kunstfertigste auf kleinstem Raum in seine Instrumente einzufügen wusste. Eine chronologische "Ordnung" dieser Instrumente aufgrund ihres Ambitus ist bei derzeitigem Forschungsstand hypothetisch, ja sogar höchst unwahrscheinlich: Schmal als angenommener Erbauer hat für verschiedene Kundenkreise und Ansprüche zeitgleich verschiedene Formen und Größen seiner "liegenden Harfen" angeboten.

Nach einigen Überlegungen bestätigt sich die These, dass das Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe zur Gruppe der Pantalons, d.h. im Prinzip dämpfungsfreien Hammerclaviere, zu rechnen ist. Entscheidend hierbei ist die Klärung der Frage, ob der "Normalzustand" des Instruments derjenige mit anliegenden oder mit nicht anliegenden Dämpfern ist. Legt man eine "Logik" bzw. "Analogie" der Schaltrichtungen der fünf Veränderungen zugrunde, ist stets "Position Schalthebel links = aus" und "Position Schalthebel rechts = ein". Demnach handelt es sich beim Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe nicht um eine "Dämpfungsaushebung" (wie es beim modernen Klavier und Flügel korrekterweise zu bezeichnen ist und von Fachleuten auch bezeichnet wird), sondern um eine Dämpfung: Durch die Schaltung des entsprechenden Hebels auf "ein" wird aus dem Pantaleon mit ungedämpft schwingenden Saiten ein gedämpftes Instrument mit Einzeldämpfungsaushebung. Ein weiteres Indiz für die Zuordnung zur Gruppe der Pantalons ergibt sich aus der - historisch verbürgten, da in den Verkaufsanzeigen benutzten Instrumentenbezeichnung als "liegende Harfe" - schließlich ist eine Harfe selbst auch ein dämpferfreies Saiteninstrument.

Forschungslage:

Michael Cole widmet in seinem Standardwerk "The Pianoforte in the Classical Era" ein 33-seitiges Kapitel dem Thema "Pianoforte or 'Pantalon'? The Origins of German 'Tafelklaviere'" [siehe Literatur]. Immerhin eine halbe Seite lang ist seine Diskussion der Schmahl zugeschriebenen "Tafelklaviere in Form einer liegenden Harfe":

"In museum catalogues any harp-shaped keyboard instruments of this kind are almost invariably attributed to Johann Matthäus Schmal of Ulm 'circa 1770'. [...] if anyone closely examines a good sample of these instruments, it becomes quite apparent from differences in the shape [...], and many other features that several workshops must have been making them over a period of decades. [...] much more research is needed."

Michael Cole kommt zu dem Ergebnis, dass die große Variabilität in den Maßen und in den Tastaturumfängen der "liegenden Harfen" (es gibt wohl tatsächlich keine zwei gänzlich identischen Instrumente unter den bekannten erhaltenen) auf eine größere Zahl von "workshops" schließen lässt (die - so meine Ergänzung - dann wohl im Auftrage von Schmahl im Verlagssystem Instrumente nach Schmahlschen Vorgaben fertigten; will sagen: Dass diese Instrumente die Handschrift eines einzigen "Urhebers" [im Gebrauchsmuster-Sinne!] entstammen, wird von niemandem angezweifelt. Schmahl ist zudem des weiteren "mindestens" der Distributor dieser "liegenden Harfen" gewesen, wie seine zahlreichen Anzeigenschaltungen belegen). Coles ausführliche Stellungnahme zu Schmahls Rolle bei den "liegenden Harfen" fußt ausdrücklich auf der Sichtung von Bestandskatalogen. Derzeit forscht Michael Günther an den Instrumenten selbst und bereitet die Publikation einer Studie vor (pers. Mitteilung vom 11. September 2014). Als wichtig[st]es Gegenargument ist anzuführen, dass diese[r] Erbauer der liegenden Harfen zwar eine große Variabilität produzierte[n], dass dies aber auch der "Spleen" eines Einzelbauers sein konnte. Auch wird missachtet, dass im Süddeutschland des späten 18. Jahrhunderts andere Fertigungsmethoden herrschten als etwa im Londoner Raum, der zu dieser Zeit schwer von der Industriellen Revolution, der Einführung arbeitsteiliger Manufakturfertigung und damit der Standardisierung von sich wiederholenden Arbeits- und Fertigungsprozessen heimgesucht wurde. Als sicher kann mittlerweile gelten, dass die Schmahl zugeschriebenen "Liegenden Harfen" über einen Zeitraum von vielleicht 20 Jahren - oder mehr - entstanden. Gleichwohl gibt es zudem "nonverbale Signaturen" z.B. in Form von Verzierungen (s.u.), die all diese erhaltenen und bekannt gewordenen Instrumente einer singulären "Handschrift" zuordnen.

Mechanik:

Frühe deutsche Stoßmechanik (fünf bewegte Teile: Taste; Stößer; Hammerstiel mit Hammerkopf; Hebelglied/-wippe für Dämpfung; Dämpfer); unbelederte, hölzerne, auffallend kleine und damit massearme Hammerköpfe mit kleinen Anschlagsflächen; Art der Dämpfung: rund-punktförmige Unterdämpfung, Einzelglieder; Mechanik-Schublade wird auf der Rückseite des Instrumentes entnommen bzw. eingeschoben (!). Gemeinsame Achsung aller 61 Hämmer durch ein mittels eines Wirbels gespanntes Hanfseil (beim beschriebenen Instrument im Rahmen der Reparatur durch eine mittels sechs Keilen in ihrer Position fixierte Metallachse ersetzt).

Zuweisung und Datierung:

Das Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe weist zahlreiche bautechnische Besonderheiten auf, die sich an den übrigen Johann Matthäus Schmahl zugeschriebenen Instrumenten wiederfinden; ein Vergleich mit den drei "liegenden Harfen" der Sammlung Michael Günther brachte zahlreiche bautechnische Kongruenzen ans Licht; Konstruktive bzw. materielle Abweichungen fanden sich lediglich durch die Eingriffe im Zuge der auf die 1920er-Jahre datierte "Reparatur" des Instrumentes (Saiten, Wirbel, Nachbau der "Harfe", fehlende Rosette, eiserne Hammerachse).

Johann Matthäus Schmahl hat die von ihm angebotenen (und mit einer fast 100%igen Wahrscheinlichkeit auch hergestellten) Instrumente in Zeitungsanzeigen beworben (, zudem nach dem Kenntnisstand von Michael Günther auch durch "Agenten" vertrieben). Die frühesten "liegenden Harfen" werden derzeit auf ca. 1760 daiert. In mindestens einer der erwähnten Zeitungsannonce wird auch ein Instrument mit dem Ambitus G1 – g3 angeboten. Durch diese Anzeige lässt sich das hier behandelte Instrument mit einiger Sicherheit auf die Zeit 1770 bis 1780 datieren.

Veränderungen:

keine Pedale, keine Kniehebel; fünf Handschieber im Vorsteckerbrett, je in horizontalen Schlitzen geführt, Schaltweg von links [aus] nach rechts [ein], angeordnet in drei Gruppen [zwei Hebel links im oberen Vorsatzbrett; der dritte Hebel mittig im unteren Vorsatzbrett und sehr dicht über den Obertasten; die Hebel vier und fünf symmetrisch zu den ersten beiden Hebeln auf der rechten Seite im oberen Vorsatzbrett], die ersten beiden "Veränderungen" zudem je in zwei definierten Intensitäten:
(1) Seiden-Moderator [Clinkscale: "silk"] mit Raste nach 2/3 Weg der Verschiebung;
(2) Filz-Moderator [Clinkscale: "felt"] mit Raste nach 2/3 Weg der Verschiebung;
(3) Dämpfung [Unterdämpfung]; nach Auskunft von Michael Günther hieß/heißt diese "Veränderung" im Sprachgebrauch bei den "Schmahlschen liegenden Harfe" "Spinett", da der Klang ähnlich wie beim Kielinstrument durch die die zurückfallende Docke abrupt gedämpft wird. Trotz ihrer geringen Kontaktfläche mit der jeweiligen Saite ist die Unterdämpfung sehr effizient und schnellwirkend.
(4) Harfenzug [kurz vor dem Klangsteg wird eine mit einer feinen Bürste bestückte Leiste auf den Bezug abgesenkt; der Harfenzug reduziert beim Pantalon-mäßigen Spiel zugleich das allzustarke Ineinanderklingen der angeschlagenen Saiten.];
(5) "Hoboe" [der Resonanzboden wird von seiner Unterseite "blockiert" und dadurch zu schwingen gehindert].
(--) Keine (!) Transpositionsvorrichtung um 1/2 Ton [Es sind jedoch vorgebohrte Löcher zur Montage derselben links und rechts an den Seitenwänden des Klaviaturraums vorhanden, was - zusätzlich zu entsprechenden Formulierungen in der Schmahlschen Anzeigenwerbung - weiteres Indiz für eine Instrumentenfertigung in Kleinserien ist].

[Die "Benennung" der Veränderungen orientiert sich an Clinkscale 1993 (s. Literatur) und an Michael Günther (persönlicher Besuch am 11. September 2014).]

Weitere Merkmale:

[1] Das Instrument hat keine Beine; es gibt auch keine Spuren von entsprechenden Klötzen an der Unterseite des Korpus. Das Instrument besitzt links und rechts je einen historischen Tragegriff aus Messing (je mit manuell gefertigtem Schraubgewinde!), der durch eine je applizierte Messing-Platte in das Gehäuse eingeschraubt ist. Das Fehlen von korpusseitig zu befestigenden Beinen und die Existenz von Tragegriffen lässt auf eine bauzeitliche Verwendung als Tischinstrument schließen. Das Instrument steht auf einem vielleicht zeitgenössischen, vielleicht auch wenige Jahrzehnte jüngeren Untergestell mit vier Beinen quadratischen Grundrisses. Das Untergestell ist von geringerer tischlerischer Qualität als das Instrument selbst und wurde im 20. Jahrhundert durch Aufdoppelung in den Eckverbindungen stabilisiert.
[2] Recht geräumiges, tiefes "Werkzeug- und Utensilienfach" vorne rechts neben dem Klaviaturraum. Nettomaße 68 mm in Tastenrichtung, 344 mm breit, mit eigenem Deckel.
[3] Im Unterschied zu "square pianos" z.B. aus zeitgleicher englischer Fertigung verläuft der Bassaitenbezug nicht diagonal von hinten links nach vorne rechts; der Bezug liegt vielmehr parallel zum Vorstecker/Vorsatzbrett.
[4] dreiteiliger Deckel: Vorderdeckel als Klaviaturraumabdeckung, mit drei dekorativen Messingscharnieren am Hauptdeckel befestigt, dieser mit Kassettierung und mit wiederum drei dekorativen Messingscharnieren am hinteren, fest mit dem Korpus verbundenen Deckelteil verbunden.
[5] Notenhalteleiste auf der Innenseite des Klaviaturraumdeckels, so dass zusammen mit dessen Vordersegment ein Notenpult entsteht, wenn der Hauptdeckel geschlossen bleibt; kein Notenpult für das Spiel bei vollständig geöffnetem Deckel.
[6] der vollständig geöffnete Deckel wird durch eine Kordel gehalten (beide Ösen vorhanden; die eigentliche Kordel fehlt derzeit; eine kleine Deckelstütze von ca. 12 cm Länge entstammt wohl dem frühen 20. Jahrhundert.
[7] "Schallloch" im Resonanzboden - ohne Zierrosette [fehlt, derzeit durch Papptellerchen teilverschlossen].

Bezug:

Durchgängig einchörig, rechtsstimmig; derzeitiger Bezug nicht original (nach Vermutung des Voreigentümers wohl ca. 1920er-Jahre), daher keine Angaben zum originalen Saitenmaterial oder/und zur Verteilung von umsponnenen und Blanksaiten möglich; derzeitige Wirbel nicht original, sondern kleine, sog. "Zitherwirbel", wohl ebenfalls frühes 20. Jahrhundert. Auffällig ist die Konstruktion des Anhangs: Die Saiten werden eine Viertelkreisprofilleiste, die zugleich den Anhangsteg bildet, entlanggeführt, so dass die Führung bzw. der Kontakt der Saiten am Anhangstegstift sehr präzise = straff erfolgt. Durch diese Saitenführung hat diese Viertelkreisprofilleiste eine [im Vergleich zum Mainstream des Klavierbaus des 18. bis 21. Jahrhunderts unorthodoxe] Doppelaufgabe: Sie ist zweireihig, also doppelt bestifteter Anhangsteg und hat zugleich als Anhangleiste die Summe der Saitenzugkräfte zu halten.

Der Bezug ist so angeordnet, dass alle Saiten denselben Abstand untereinander haben und genau parallel zur Tastenfront angeordnet sind. Dadurch wurde es dem Instrumentenbauer möglich, eine Transpositionsvorrichtung um einen Halbton (aufwärts) zu konstruieren, indem die Mechanik genau um einen Saitenspatium ins Instrument hineingeschoben und wieder arretiert wurde (das Instrument der Sammlung Dohr weist keine Transposition auf, trägt aber die Spuren für die [unterbliebene] Montage derselben, s.o.).

Mensur:

  • G1 = 1025 mm
  • C = xxx mm
  • G = xxx mm
  • c = xxx mm
  • g = xxx mm
  • c1 = xxx mm
  • g1 = xxx mm
  • c2  = xxx mm
  • g2 = xxx mm
  • c3  = xxx mm
  • g3  = 62 mm

Zustand:

Durch den zu starken Bezug im Rahmen der "Modernisierung" des Instrumentes hat sich die Anhangleiste im Instrument - wohl im Laufe von Jahrzehnten - in einem allmählichen Prozess gelöst, hat der Summe der Saitenspannkräfte nachgegeben, ist nach rechts hinten "gewandert" und hat das entsprechende Segment der Korpusaußenwand verformt. Der zu stark gewählte Bezug hat zudem den Klangsteg in den Resonanzboden gedrückt.

Datierung:

(a) Die meisten Tafelklaviere dieser Bauform sind weder datiert noch signiert, doch werden sie sämtliche dem Ulmer Klavierbauer Johann Matthäus Schmal zugeschrieben. Von den ca. 20 bekannten Tafelklavieren dieses Bautyps gibt es fast keine datierten oder datierbaren. Aufgrund der geringen Zahl von erhaltenen (und wohl auch gebauten) Instrumenten ist davon auszugehen, dass Schmahl sehr "kundennah" fertigte. [Ambitus] Es kann durchaus sein, dass sich hinter den mindestens drei verschiedenen Klaviaturumfängen keine "Evolution" von klein nach groß verbirgt, sondern dass auch hier Kundenwünsche zum Tragen kamen. So ist bisher für den Beginn des 19. Jahrhunderts nachgewiesen, dass Instrumente mit verschiedenem Ambitus und mit verschiedenen "Veränderungen" und Mechaniktypen zeitgleich angeboten wurden. [Klangfarbe] Für ein frühes Entstehen des Tafelklaviers der Sammlung Dohr spricht die Nicht-Belederung der Hammerköpfe. Durch den Anschlag des unbelederten Holzhammerköpfchens auf die Saiten entsteht zumindest ein "archaischer" Klangcharakter. Auf der anderen Seite lässt sich dieses "nackte" Holzhammerköpfchen wunderbar durch die verschiedensten "Veränderungen" modulieren - der Klang eines bereits befilzten Hammerkopfes ist in diesem Sinne nicht derart wandlungsfähig. Trotz dieses "Vorteils" muss jedoch konstatiert werden, dass die Entwicklung hin zum belederten und damit "weich anschlagenden" Hammerkopf stetig verlief.

(b) Clinkscale 1993 (siehe Literatur) führt auf S. 250 ein einziges weiteres Schmahl zugeschriebenes Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe an, die sich zunächst in der Heyerschen Sammlung (Kataloge siehe Literatur) befand und von dort in das Musikinstrumentenmuseum Leipzig gelangte. Das Instrument wird auf 1770 datiert. Außer dem Ambitus ist das Untergestell ähnlich (etwas kleiner als das Instrument selbst, vier leicht konische Beine mit quadratischem Grundriss); auch die Abmessungen ähneln sich. Das Heyersche Instrument verfügt aber lt. Clinkscale über lediglich drei Veränderungen: zwei Moderatoren und Transposition (also kein "Forte"-Zug). Vielleicht konnte sich der jeweilige Besteller den Ambitus des Instrumentes und die Anzahl und Art der Veränderungen jeweils wünschen?

Provenienz: Privatbesitz München; davor Privatbesitz Augsburg. Der Erwerb für die Sammlung Dohr im August 2014 wurde ermöglicht durch eine großzügige Spende von Frau Gertrud Ständer in Kooperation mit MusicArts Köln e.V.

Literatur (Auswahl):

  • Georg Kinsky: Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln. Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstrumente. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1913. S. 25 (Nr. 102-105).
  • Heinrich Hermann, Die Regensburger Klavierbauer Späth und Schmahl und ihr Tangentenflügel. Dissertation Erlangen 1928.
  • Oscar Paul, Geschichte des Claviers, Leipzig 1868, S. xxx.
  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. xxx.
  • Alfred Dolge, Pianos and their makers, 1911, Reprint New York 1972, S. xxx.
  • Oscar Bie, Das Klavier, Berlin 1921, S. xxx.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. xxx.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 246-252.
  • Martha Novak Clinkscale: Art. "Schmahl Family". in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 344.
  • Michael Cole: Pianoforte or 'Pantalon'? The Origins of German 'Tafelklaviere'. in: ders.: The Pianoforte in the Classical Era, S. 144-177 [zu den "Liegenden Harfen" insbes. S. 167].
  • Wolf-Dieter Neupert: Was gilt es zu beachten bei der Untersuchung eines historischen Tasteninstruments? Referat, gehalten auf der Fortbildungsveranstaltung des Bundes Deutscher Klavierbauer e.V. für Sachverständige und Mitglieder der Meisterprüfungsausschüsse im Klavier- und Cembalobau am 3. März 2007 in Marktheidenfeld. pdf.
  • persönliche Informationen von und Gedankenaustausch mit Michael Günther im Rahmen einer ganztägigen "Inspektion" des Instrumentes und einem Vergleich mit den drei Schmahlschen "Liegenden Harfen" seiner Sammlung in Schloss Homburg, Triefenstein am Main, am 11. September 2014.

2. Tafelklavier Zumpe & Buntebart, London 1771

Signatur auf Vorstecker: „Johannes Zumpe et Buntebart Londini fecerunt 1771 Princes Street Hanover Square”

  • Länge: 1465 mm
  • Breite: 505 mm
  • Korpushöhe inkl. Deckel: 185 mm (rechts vorne durch Lösung vom Unterboden 190 mm)
  • Gesamthöhe: 785 mm

Instrument steht auf zeitgenössischem Untergestell

  • Untertasten 120 mm sichtbare Länge, Belag: Elfenbein
  • Obertasten 73 mm Länge, Belag: Ebenholz
  • Stichmaß  486 mm
  • Umfang: F1G1 – f3 = fünf Oktaven ohne Fis1

Mensur

  • F1 = 1237 mm
  • C = 1102 mm
  • F = 977 mm
  • c = 806 mm
  • f = 708 mm
  • c1 = 556 mm
  • f1 = 441 mm
  • c2  = 307 mm
  • f2 = 230 mm
  • c3  = 146 mm
  • f3  = 103 mm

Mechanik: sehr einfache frühe englische Stoßmechanik ohne Auslösung („english single action“); kleine halbrunde Hammerköpfe mit einfacher Leder-Garnierung, zum Teil neu gedoppelt; Art der Dämpfung: Oberdämpfung, Einzelglieder

Veränderungen: drei Handzüge (links im Instrument, Beschreibung von vorne nach hinten): (1) Moderator (Pianozug; bei manchen Autoren auch „Lute“ oder „Harfenzug“ genannt; ein oberton- und dynamikdämpfender Filzstreifen wird in der Nähe des Stimmstockanhanges von unten an den Bezug gedrückt); (2) Dämpferaufhebung Diskant; (3) Dämpferaufhebung Bass (keine nachträgliche Modernisierung der Handzüge durch Umwandlung in Kniehebel oder Pedale); Teilungspunkt der Dämpfung: h – c1

Bezug: durchgängig zweichörig, Messing umsponnen F1 bis H1, Messing blank B1 bis es, danach Stahl; alte Flachwirbel in Zweierreihen, rechtsstimmig, daneben dt. Tonbuchstaben.

Zustand: Instrument leicht verzogen (rechts vorne hatte sich Korpus von Unterboden gelöst); Resonanzboden nicht original; Name/Signierung auf abgesperrtem Teil mit Bleistift: Mlle. Miggott; originales Schloss fehlt; Garnierung des Moderators fehlt; Tastenhebel gereinigt, vielleicht seitdem ohne Nummerierung; Hammerleiste gereinigt (geschliffen) oder im 20. Jahrhundert ersetzt.

Kurzcharakteristik: Johannes Zumpe arbeitete von 1768 bis 1778 mit Gabriel Buntebart zusammen. Frühes fünfoktaviges Instrument (ohne Fis1) mit Handzügen, ohne Kniehebel und Pedale –  aus der Vorphase der Klavierbauindustrialisierung aus dem Zentrum des Klavierbaus, London. Korpus Tabasco-Mahagoni mit Ebenholz-Adern.

Mit Blick auf die historisierende Aufführungspraxis besonders beachtenswert ist die Tatsache, dass – wie bei vielen weiteren Instrumenten dieser frühen Zeit – die Dämpferaufhebung mittels Handzügen geschieht und damit keinesfalls taktweise, geschweige denn harmoniewechselweise zu betätigen gewesen ist (erst recht, wenn man berücksichtigt, dass aufgrund der Bass-/Diskantteilung jeweils zwei der drei Handzüge, zudem ergonomisch ungünstig extrem links im Instrument angeordnet, zu betätigen sind). Eine Spielanweisung wie diejenige zu Beginn des ersten Satzes von Beethovens Mondscheinsonate[1] ist unter diesem Aspekt neu zu bewerten. Dasselbe gilt für den Pianozug.

Provenienz: Erwerb 200x aus der Sammlung Neupert II (Wolf-Dieter Neupert), Bamberg.

Literatur (Auswahl):

  • Oscar Paul, Geschichte des Claviers, Leipzig 1868, S. 119.
  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. 119f. u. S. 162.
  • Alfred Dolge, Pianos and their makers, 1911, Reprint New York 1972, S. 46-48 u. 172.
  • Oscar Bie, Das Klavier, Berlin 1921, S. 132;
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 53 u. S. 336.
  • Margaret Cranmer, Art. Zumpe, Johannes, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 20, S. 715f.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 329-334.
  • David Crombie: Piano. Entwicklung, Design, Musiker. London : Balafon Books 1995, S. 18f.
  • Arthur W. J. G. Ord-Hume: Art. Zumpe, Johann Christoph. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 451f.
  • Anthony Baines, Art. Tafelklavier, in: ders., Lexikon der Musikinstrumente, Stuttgart und Kassel: Metzler und Bärenreiter 1996, S. 316f.
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

3. Tafelklavier Johannes Pohlman[n], London ca. 1780

Keine Nummerierung, keine Datierung (Datierung nach Angaben von Voreigentümer Alexander March im Juni 2004 und Beurmann 2000, S. 70 [s.u.])

Foto-Dokumentation Tafelklavier Pohlmann 1780

Signatur mit Tinte auf Vorstecker: „Johannes Pohlman Londini Fecit / Great Russel Street Bloomsbury“; weitere schriftliche Angaben am Instrument: (1) hsl. frz. Notiz auf der Korpusunterseite: „Je suis À Madame la Vicomtesse Ivaz [?] B [?]“ [kurzer Name, unleserlich, danach noch verschnörkelter Buchstabe]; (2) aufgeklebter gedruckter Zettel auf der Mitte der Instrumentenrückseite (111mm x 198mm): AU MAGASIN DE MUSIQUE/ Rue Traversière Saint-Honoré, à Paris./ LEDUC, tient Magasin de Musique Ancienne & Moderne, Pianos-Forté,/ Clavecins, Violons, Altos, Basses, Guitares, Mandolines, Serinettes, Instru-/ mens à vent, Archets, Cordes d’Italie, Sourdine, Diapason, Colophane, / Boîtes de Harpes à compartiment, Etuis pour tous les Instrumens, Papier réglé,/ Papier pour l’impression, & généralement tout ce qui concerne la MUSIQUE, / la Lutherie & la Papeterie. // On s’Abonne chez lui, en tout tems, pour les Journaux de Harpe & de Cla- / vecin; prix, 15 livres par année, port franc. Il envoye en Province toute espece / de Musique, par la poste, en payant le prix marqué sur l’Exemplaire. /

  • Länge: 1505 mm
  • Breite: 544 mm
  • Korpushöhe (mit/ohne Deckel): 199 mm/189 mm
  • Gesamthöhe (mit vorgefundenen vier Beinen [Beine evtl. original; Fletcher bildet auf seiner website ein weiteres Tafelklavier von Pohlmann mit offensichtlich identisch geformten Beinen ab] Durchschnittswert): 753 mm

  • Korpus: hinten links, untere Ecke: Inschrift No 4; hinten rechts, untere Ecke: Inschrift No 1
  • 4 Beine, Länge je ca. 550 mm; vorn rechts: neues Bein; vorn links: ?; hinten links: No 1; hinten rechts: No 2
  • Leiste zwischen Beinen und Korpus (jeweils eine links/rechts für zwei Beine): 16/17 mm  
  • Untertasten: 128 mm sichtbare Länge, Belag: Elfenbein, Vordertastenplätten nach englischem Geschmack der Zeit getreppt.
  • Obertasten: 84 mm Länge, Belag: Ebenholz (Belag zum Teil fehlend)
  • Stichmaß: 482 mm
  • Umfang: : F1 – f3 = 5 Oktaven

Mensur (immer längere Saite der Doppelbesaitung gemessen):

  • F1 = 1318 mm
  • C = 1121 mm
  • F =  998 mm
  • c = 841 mm
  • f = 725 mm
  • c1 = 564 mm
  • f1 = 455 mm
  • c2 = 306 mm
  • f2 = 232 mm
  • c3 = 156 mm
  • f3 = 109 mm

Mechanik: sehr einfache frühe englische Stoßmechanik ohne Auslösung („english single action“); ein- bis mehrfach belederte halbrunde Hämmerchen; Art der Dämpfung: Einzelgliederoberdämpfung ohne Dämpferrechen, Dämpferglieder werden durch Messingfedern abwärts gedrückt; rechtsstimmig; originale Flach-Wirbel in Viererreihen mit Ausnahme von zwei Dreierreihen im tiefsten Bass, daneben Tonbuchstaben auf Resonanzboden mit Tusche geschrieben.

Veränderungen: drei Handzüge (keine Kniehebel, kein Pedal): (1) Dämpferaufhebung Diskant (2) Dämpferaufhebung Bass (3) Moderator (auch „Lautenzug“ oder  „Harfenzug“ genannt)

Bezug: durchgängig zweichörig, wohl originale Besaitung, weit umsponnen F1 bis C (16 Saiten / 8 Töne).

Besonderheiten: Schloss erhalten; zwei originale Notenpulte erhalten; Klangbodenabdeckung erhalten; originale Besaitung (unvollständig)

Zustand: unrestauriert / derzeit nicht spielbar [2-3 Hämmer fehlen, einige weitere abgerissen; ein Dämpfer fehlt; wurmstichige Teile; quadratische Inspektionsöffnung im Instrumentenboden, mit dünnerem, jüngerem verschraubtem Brett geschlossen; Resonanzboden und Resonanzbodenabdeckung stark durch Wasserschaden verformt und gerissen, einige Saiten gerissen, Garnierung des Moderators fehlt]

Kurzcharakteristik: Johannes Pohlmann (geboren wohl 1717) ist in London von 1767 bis 1793 nachweisbar. Er war einer der ersten der sog. „Zwölf Apostel“, die nach dem Siebenjährigen Krieg von Deutschland (Sachsen) nach England (London) emigrierten. Pohlmann war wahrscheinlich nach Zumpe der zweite Klavierbauer in London; er übernahm jene Aufträge, die Zumpe aufgrund der hohen Nachfrage nicht befriedigen konnte. Das vorliegende Instrument aus französischem Adelsbesitz weist daher auch in seiner Bauweise deutliche Parallelen zum Instrument von Zumpe und Buntebart 1771 auf. Pohlmann baute meist fünfoktavige Tafelklaviere, wobei er zunächst in Compton Street, Soho, und später in der Great Russel Street, Bloomsbury, angesiedelt war. Wie das Instrument der Sammlung Dohr, weisen seine Instrumente in der Regel eine mittels Handzügen zu schaltende, in Bass und Diskant geteilte Dämpferaufhebung, dazu gelegentlich einen mittels eines dritten Handzugs zu betätigende Moderator (buff stopp; „Lautenzug“) zur Klangveränderung auf.

Provenienz: Erwerb Juni 2004 aus der Sammlung von Alexander March, Frankreich

Literatur:

  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. 120.
  • Franz Josef Hirt, Meisterwerke des Klavierbaus, Olfen 1955, S. 451.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 219f.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 234.
  • Margaret Cranmer, Art. Pohlmann, Johannes, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 15, S. 21f.
  • David Crombie, Piano. Entwicklung, Design, Musiker. London: Balafon Books 1995, S. 18f.
  • http://www.johnsykesfletcher.com (ausführliche Dokumentation über Pohlmann; Stand 1995)
  • Arthur W. J. G. Ord-Hume: Art. Pohlmann, Johannes. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 297f.
  • Andreas E. Beurmann, Klingende Kostbarkeiten. Tasteninstrumente der Sammlung Beurmann. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Lübeck: Verlag Dräger-Druck o.J. [2000], S. 64f. u. S. 70 [das Tafelklavier Inv. Nr. 121 der Sammlung Beurmann ähnelt in der Art der Signierung und den Korpusmaßen demjenigen der Sammlung Dohr]; [keine Einträge in Dolge, MGG1, Mendel/Reissmann]
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

4. Tafelklavier Sébastien Erard[5], Paris 1786

Signatur auf Vorstecker: Sebastianus Erard Parisiis 1786 Rue du Maille Nr. 37; Signatur rechts auf dem Stimmstock: Sebastien Erard à Paris 1786; auf den Resonanzboden am Stimmstock heute nicht mehr leserliche Instrumenten-Nummer geschrieben

Foto-Dokumentation Tafelklavier Erard 1786
  • Länge: 1555 mm
  • Breite:  550 mm
  • Korpushöhe:  210 mm
  • Gesamthöhe 815 mm
  • Untertasten 131 mm sichtbare Länge, Belag Elfenbein
  • Obertasten 88 mm Länge, Ebenholz
  • Stichmaß: 488 mm
  • Umfang: F1 – f3 = 5 Oktaven

 Mensur

  • F1 = 1356 mm
  • C = 1144 mm
  • F = 1000 mm
  • c = 833 mm
  • f  = 708 mm
  • c1 = 536 mm
  • f1 = 421 mm
  • c2 = 303 mm
  • f2 = 231 mm
  • c3 = 155 mm
  • f3  =  114 mm

Mechanik: einfache Stoßmechanik ohne Auslösung (nach Muster engl. Tafelklaviere der Zeit) mit rechteckigem Hammerstilquerschnitt und Hammerführung mittels im Hammerstiel verlaufenden Stiften; Hammerköpfe mehrschichtig beledert; Tastenhebel im Waagebalken mit Kasimir (nicht original) garniert, ohne Bäckchen, Vordertastenführung mit Ledergarnierung.

Korpus massiv Mahagoni, Rückwand massiv Eiche, helle Einlegeadern an Zarge (außer Rückwand) und Außendeckel; Klaviaturraum Ahorn furniert mit Zieradern; auf der Innenseite der Deckelklappe befestigtes Notenpult; vier originale Beine im Stil Louis XVI

Dämpfung: Hebeldämpfung mit Oberfedern, Püscheldämpfung

Veränderungen: zwei Kniehebel (rechts Dämpferaufhebung, links Laute)

Bezug: durchgängig zweichörig, von F1 bis Es Messing elf Chöre mit weiter Umspinnung, von E bis es zwölf Chöre Messing Blankbezug, sonst Stahl; rechtsstimmig, Wirbel von F1 bis G1 in Dreierreihen, dann in Viererreihen; Wirbelform: rechteckiger Querschnitt

Zustand: Restaurierung durch J.C. Neupert Bamberg 2006. Spuren einer vorhergehenden Restaurierung erkennbar, in deren Rahmen u.a. folgende Arbeiten durchgeführt worden: Abschleifen des Resonanzbodens; Ausspänen mehrere Resonanzbodenrisse; Erneuerung des Saitenbezuges; Garnierung der Waagbalkenführung; Neugarnierung der Dämpfer; alte Halterungen für Klangboden noch vorhanden; wohl neue Untertasten-Beläge kein Werkzeugfach vorne links

Kurzcharakteristik: Es handelt sich um ein sehr frühes (derzeit das zweitälteste bekannte[6]) Tafelklavier von Sébastién Erard (Strasbourg 1752 bis Passy/Paris 1831). Nur vier Tafelklaviere sind bis heute erhalten.[7] Dieses Instrument zeigt in Konstruktion und Aussehen deutliche Anlehnung an die typischen englischen Tafelklaviere der Zeit; so basiert es noch ganz auf der einfachen englischen Stoßmechanik, die Erard seit 1776 in Paris nachbaute. Es ist damit noch nicht Beleg für seine Innovationskraft, sondern für seine Wurzeln. Ungewöhnlich ist der sehr eigenwillig gewählte Verlauf der Jahresringe des Resonanzbodens: Die Jahre des Resonanzbodenholzes (Fichte) verlaufen sternförmig zentriert auf die rechte vordere Gehäuseecke zu. Das Instrument besaß ursprünglich einen heute nicht mehr vorhandenen, sich über den Bereich des Resonanzbodens erstreckenden, einlegbaren Klangboden.

Provenienz: erworben im Sommer 2000 über den vermittelnden Handel (J. C. Neupert, Bamberg) aus der Instrumenten-Sammlung der Kölner Pianistin und Musikwissenschaftlerin Dr. Grete Wehmeyer (5. Oktober 1924 - 18. Oktober 2011).

Literatur:

  • Art. Erard, in: Schilling (Hg.), Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Dritter Band. Stuttgart: Franz Heinrich Köhler 1836, S. 613f.
  • Oscar Paul, Geschichte des Claviers, Leipzig 1868, S. 128ff.
  • Art. Pianoforte, in: Mendel/Reissmann, Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 8 (1877), S. 85-91, hier S. 91.
  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. 123 u. S. 132.
  • Alfred Dolge, Pianos and their makers, 1911, Reprint New York 1972, S. 48.
  • Blüthner/Gretschel, Der Pianofortebau, 4. Aufl. Leipzig 1921, S. 31.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 95
  • Margaret Cranmer et al., Art. Erard, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 6, S. 219f.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 96-101.
  • Edmund Michael Frederick: Art. Erard, Sébastien (et frères). in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 125-127 [beschäftigt sich nicht mit Tafelklavieren!].
  • Hubert Henkel, Besaitete Tasteninstrumente (Kat. Slg. d. Deutschen Museums München), Frankfurt 1994, S. 224-226 [beschreibt ein vier Jahre jüngeres Instrument].
  • Le pianoforte en France et ses descendants jusqu’aux  années trente, Paris: Agence Culturelle 1995 [enthält mehrere Artikel über Erard].
  • Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 98.
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

5. Tafelklavier Christopher Ganer, London ca. 1790

Signatur mit Tinte auf Vorstecker, umgeben von floralem Oval: "C. Ganer / Grand and Small Forte Piano Manufacturer / Broad Street Golden Square / London" (lt. Kenneth Mobbs [siehe Literatur] war diese Signierung "around 1790" in Gebrauch).

keine Nummerierung, keine Datierung[2]

Foto-Dokumentation Tafelklavier Chr. Ganer 1790
  • Länge: 1580 mm
  • Breite: 545 mm
  • Korpushöhe: 215 mm
  • Gesamthöhe 780 mm

Instrument steht auf zeitgenössischem Untergestell mit angebauter Pedal-Mechanik

  • Untertasten  128 mm sichtbare Länge, Belag: Elfenbein (?)
  • Obertasten  80 mm Länge, Belag: Ebenholz
  • Stichmaß: 483 mm
  • Umfang: F1 – f3 = 5 Oktaven

Mensur

  • F1 = 1382 mm
  • C = 1170 mm
  • F = 1027 mm
  • c = 841 mm
  • f = 711 mm
  • c1 = 533 mm
  • f1 = 423 mm
  • c2 = 302 mm
  • f2  = 227 mm
  • c3 = 145 mm
  • f3 = 106 mm

Mechanik: sehr einfache frühe englische Stoßmechanik ohne Auslösung („english single action“); belederte Hämmerchen; Art der Dämpfung: Gliederdämpfung in Dämpferrechen, Dämpferglieder werden durch Schweineborsten abwärts gedrückt; rechtsstimmig; Wirbel in Viererreihen mit Ausnahme von F1;

Veränderungen: zwei Handzüge (ein Pedal): (1) Dämpferaufhebung; die Dämpferaufhebung ist zusätzlich durch ein Pedal zu betätigen[3], das evtl. nachträglich, aber nahe am Entstehungszeitpunkt des Instrumentes, hinzugefügt wurde[4]; (2) Laute

Bezug: durchgängig zweichörig

Zustand: bedingt spielbar

Kurzcharakteristik: Christoph[er] Ganer (Leipzig ca. 1760 bis London ca. 1811) gehörte mit Zumpe & Buntebart und Pohlmann (s.d.)zu den „Zwölf Aposteln“, die aus Sachsen und Thüringen nach England (London) auswanderten und dort die Klavierindustrie aufbauten. Instrument aus Zuckerkisten-Holz („duale“ Weiterverwendung der Bretter der mehr als sarggroßen Zuckerkisten, die nach dem Import aus Südamerika in Europa für Möbel u.a. weiterverwendet wurden).

Das Instrument steht baugeschichtlich unmittelbar eine Stufe nach demjenigen von Zumpe & Buntebart aus der Sammlung Dohr: Es ist ein Beleg dafür, wie durch kleine Modifikationen – hier die durch ein in den Instrumentenboden gebohrtes Loch mit entsprechender Hebelübertragung zum Pedal – ein Instrument den veränderten Erfordernissen beim Senza-Sordini-Spiel angepasst wurde. Es ist ein Beleg, wie ein „aus der Mode gekommenes“, aber Wert geschätztes Instrument den neuen Erfordernissen der Spielpraxis angepasst wurde.

Provenienz: Erwerb 200x im Rahmen eines Konvolutes aus der Sammlung von Prof. Dr. Rullfs, Heppenheim

Literatur:

  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 113-116.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 109.
  • Margeret Cranmer, Art. Ganer, Christopher, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 7, S. 145
  • Kenneth Mobbs: Art. Ganer, Christopher. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 145.
  • Christoph Dohr, Die Wiederentdeckung eines verdrängten Instruments. in: Europiano 4/2002, S. 20-23; Nachdruck als: ders., Das Tafelklavier. Die Wiederentdeckung eines verdrängten Instruments. in: Instrumentenbaureport 34 (01/2003), S. 8f.
  • Gunther Joppig, Zuckerkistenholz ials Malgrund und Material für den Möbel- und Klavierbau, in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 305-324, hier S. 324.
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

6. Tafelklavier anonym, England ca. 1800

keine Signatur[8]

  • Länge: 1685 mm
  • Breite: 552 mm
  • Korpushöhe: 230 mm
  • Gesamthöhe 880 [sic!][9] mm
Foto-Dokumentation Tafelklavier 1800 anonym
vier gedrechselte Füße, schlicht, mit Holzgewinde eingeschraubt

  • Untertasten 116 mm sichtbare Länge, Belag: Ebenholz
  • Obertasten 75 mm Länge, Belag: Elfenbein
  • Stichmaß 487 mm
  • Umfang: F1 – f3 = 5 Oktaven

Mensur

  • F1 = 1440 mm
  • C = 1201 mm
  • F = 1060 mm
  • c = 872 mm
  • f = 730 mm
  • c1 = 540 mm
  • f1 = 423 mm
  • c2 = 292 mm
  • f2 = 277 mm
  • c3 = 147 mm
  • f3 = 106 mm

Mechanik: Stoßmechanik; geteilte Dämpfung; Teilungspunkt h1

Veränderungen: ursprüngliche Handzüge demontiert; eine Klangbodenabdeckung, die in Teppichstangenlagern (diese noch vorhanden) befestigt war, fehlt; ein Schlitz in der rechten Wange des Klavieraturraumes lässt darauf schließen, dass es einen im 20. Jahrhundert hinzugefügten Mechanismus zum Öffnen und Schließen der Klangbodenabdeckung (also zum Schwellen) gegeben haben könnte.

Bezug (nicht original): zweichörig mit zu starker Mensurierung; eng umsponnen bis Cis, danach moderne Stahlsaiten

Wirbel in zwei Feldern: erstes Feld bis E; Wirbel in Viererreihen mit Ausnahme f3; moderne vernickelte Zitherwirbel

Zustand: sämtliche Wirbel im ersten Wirbelfeld ausgerissen; Korpus aufgrund jahrzehntelanger falscher Besaitung / Stimmtonhöhe stark verzogen; das Instrument war zum Zeitpunkt des Erwerbs bedingt spielbar; es befindet sich derzeit in einer spannungsfreien „Rekonvaleszenzphase“, wobei die ursprüngliche Idee, das Instrument rückzubauen, dem Plan gewichen ist, genau diese für eine „Spielbarmachung“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts typische instrumentenbauliche Verfahrensweise zu dokumentieren.

Im Gegensatz zum Inneren ist das Gehäuse äußerlich gut erhalten bzw. als ansehnliches Möbel aufgearbeitet (Mahagoni).

Kurzcharakteristik: Der Kölner Musikwissenschaftler und bedeutende Herausgeber von Klaviermusik  (vor allem für den Unterrichtsbereich) ließ sich dieses anonyme fünfoktavige Tafelklavier in englischer Bauweise für seine Zwecke nachträglich mit Pedal, stilistisch unpassender Lyra und modernen Klaviersaiten umrüsten. Zur Kompensation des überhöhten Saitenzuges hatte das Instrument zum einen unter dem Gehäuseboden eine Konstruktion aus mittels moderner Klavierwirbel spannbarer Drähte bekommen, die über stegartige Dinstanzhölzer geführt waren. Zur Vermeidung von Resonanzen war in diese Spanndrähte ein Schaumstoffstreifen eingeflochen. Zum anderen waren der hintere linke und der vordere rechte Fuß in Messingschuhe eingeschraubt, mit denen diese Füße auf dem Zimmerfußboden festgeschraubt werden konnten.

Im Status des Irmerschen Umbaus, der konträr zur Statik des Instrumentes stand, ist das Instrument ein Beleg für die Adaption historischer Tasteninstrumente in die musikalische Praxis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. An Positivem lässt sich zugunsten von von Irmer sagen, dass er immerhin für sich das Bewusstsein entwickelte, dass jene Musik, die er edierte, eher auf einem Instrument der Zeit als auf einem modernen Tasteninstrument des 20. Jahrhunderts adäquat gespielt werden konnte.

Provenienz: Erwerb 200x aus der Erbmasse von Prof. Otto Irmer, Köln.

Literatur:

  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

7. Tafelklavier Knowles & Allen, Aberdeen 1809

Signatur in Tusche auf Vorstecker: "Knowles & Allen / Grand & Square / Piano Forte Manufacturers / Union Street / Aberdeen", umgeben von floralen Linien; Signatur in Tusche auf Oberseite des Tastenhebels d3 = #67 (recte #57) = letzte Taste vor Abdeckung durch Resonanz-Boden: "AlKnowles"; Seriennummer (Stanzung rechts im Stimmstock, im Anschluss an die Diskant-Wirbel): "606"

Foto-Dokumentation Tafelklavier Knowles & Allen, Aberdeen 1809
  • Breite (inkl. Deckelüberstand): 1630 mm
  • Tiefe (inkl. Deckelüberstand):  610 mm
  • Korpushöhe ohne Schubladen und Unterklötze: 230 mm
  • Korpushöhe mit Schubladen und Unterklötzen: 310 mm
  • Gesamthöhe 860 mm (Beinlänge 550 mm inkl. Rolle)
  • Untertasten 124 mm sichtbare Länge, Belag Elfenbein, getreppte Tastenfront
  • Obertasten 78 mm Länge, Ebenholz
  • Stichmaß: 489 mm
  • Umfang: F1 – c4 = 5 1/2 Oktaven = 68 Tasten

Instrument steht auf sechs mit Holzgewinde eingeschraubten, gedrechselten Beinen (vier vorne, zwei hinten), jeweils mit kleiner Messingrolle; drei sehr schmuckvolle, dekorative Schubladen: je eine kleine links und rechts, eine große mittig; Fach vorne links; hinterlegte Laub hinten rechts im Instrument und links und rechts im Vorsatzbretter (diese identisch in der Ausführung mit einem Broadwood-Tafelklavier von 1809); zahlreicher zierender, applizierter Messing-Schmuck; links, vorne, rechts umlaufender massiver Messingstab (Durchmesser 6mm) in der Fuge zwischen Korpus und unterer Zierleiste (fehlt auf 30 cm Länge an linker Seite); Dustcover fehlt; originales Schloss, Schlüssel fehlt.

zwei Notenpulte: (a) bei geöffnetem Deckel ausklappbares Notenpult, an Rückseite des Vorsatzbrettes angeschraubt; (b) bei geschlossenem Deckel Notenleiste auf der Innenseite des vorderem linken Deckels angebracht, die aufgestellte Tastaturklappe funktioniert als zweites Auflager. Übliche "frühe" Deckelteilung mit separat verschließbaren vorderem rechten Deckelsegment oberhalb des Resonanzbodens. Kehlige Ausfräsung in der Hauptdeckelunterseite, um das Anschlagen der Dämpfer beim Spiel mit geschlossenem Deckel zu verhindern.

Mensur:

  • F1 = 1390 mm [sic]
  • C = 1205 mm
  • F = 1075 mm
  • c =  890 mm
  • f =  745 mm
  • c1 =  530 mm
  • f1 =  410 mm
  • c2 =  275 mm
  • f2 =  210 mm
  • c3 =  135 mm
  • f3 =  105 mm
  • c4 =  75 mm

Mechanik: einfache englische Stoßmechanik ("single action"); Tastenhebel ausgebleit

Veränderung: keine Schiebehebel; keine Kniehebel; ein Pedal (nicht original erhalten; Rekonstruktion August 2014 unter Verwendung eines Original-Pedals eines "gestorbenen" Tafelklaviers derselben Zeit durch Edwin Beunk, Enschede), am Unterklotz des zweiten Beines von links: Dämpferaufhebung

Bezug: zweichörig; F1 bis E Messing weit umsponnenen, F bis e Messing blank, f bis c4 Stahl; Stimmwirbel in Vierergruppen: im Bassbereich zunächst in Reihen, später in Gruppen zu 2x2 Wirbeln; Bezeichnung der Tonhöhen in Tusche auf dem Stimmstock.

Zustand: teilrestauriert, unreguliert, aber spielbar.

Datierung: Das Instrument selbst hat keine Datierung. Die Seriennummer 606 weist - nach Clinkscale, die die ihr bekannten beiden Tafelklaviere von Knowles & Allen: #520 auf "c. 1800" und #572 auf "c. 1805" datiert - auf eine Entstehungszeit 1809 hin. Die exakte Datierung ist aufgrund eines baugleichen Broadwood-Tafelklaviers (siehe nachfolgenden Text und Foto in der Tafelklavier-Galerie) möglich.

Knowles & Allen - Hersteller oder Händler? Schon Clinkscale (siehe Literatur) schreibt in ihrem Artikel "Knowles & Allen": "Piano makers or dealers in Aberdeen. The given names of neither of the partners is certain." und referiert desweiteren ihre Quellen: "Allen may have been either Robert or John Allen, one of whom was a craftsman employed by Broadwoods. A. Roy Knowles believes that Robert Allen workes for Broadwoods, while Spiller [siehe Literatur] feels that it was John." Sie kommt zu dem Schluss: "I suggest that the firm of Knowles and Allen may have been dealers, who purchased pianos from various English makers, principally Broadwoods." James Boeringer (siehe Literatur) fasst seine Recherchen wie folgt zusammen: "The name Allen is also involved in two partnerships, concerning which I have been unable to discover any further information: the firm of Knowles & Allen was established in 1803 and made organs, pianos, violins, and guitars [...]."

Die Tatsache, dass im Zuge der Recherchen zur Restaurierung durch die Voreigentümerin nun ein konstruktiv identisches Broadwood-Tafelklavier gefunden und diesem instrument an die Seite gestellt werden konnte, macht die bisherigen Vermutungen zur Gewissheit: Knowles & Allen erhielten entweder ein unsigniertes Broadwood Square Piano zum "Finishing", oder tilgten selbst die Tusche auf dem Vorsatzbrett. Die Tatsache, dass Knowles & Allen selbst Seriennummern vergab, zeugt von einem hohen Selbstbewusstsein.

Kurzcharakteristik: Ein gut erhaltenes und schönes Instrument aus der mittleren Phase der Fünfeinhalboktaver, zugleich der Kernzeit der kunstgeschichtlich so genannten "Regency"-Epoche; wahrscheinlich (vgl. Literatur) aus der Groß-Produktion der bedeutenden Londoner Klavierfabrik von Broadwood and Sons stammend und lediglich von Knowles & Allen, die in Aberdeen als Händler wirkten, "gelabelt" - im anderen Falle sehr eng an die Broadwoodsche Produktion angelehnt. Ein in den äußeren Abmessungen ähnliches und im Ambitus identisches Instrument (datiert "ca. 1805") befindet sich in der Finchcocks collection, Kent (Kat. Nr. 56).

Provenienz: 2010 von Voreigentümerin im englischen Handel (David Winston, Period Piano Company, GB-Kent) erworben; Spielbarmachung in Deutschland durch Voreigentümerin; Erwerb Herbst 2013 für die Sammlung Dohr; Rekonstruktion des Pedals August 2014 durch Edwin Beunk; Teilrestaurierung Sept./Okt. 2014 durch Christoph Kern.

Literatur:

  • Michael Spiller: The Regency Piano Trade in Aberdeen, in: Galpin Society Journal Vol. 32, Cambridge May 1979, S. 115-123.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 166 [nur Listung des Namens].
  • James Boehringer: Organa Britannica: Organs in Great Britain 1660-1860: Vol. 1 (Cranbury, NJ 1983), S. 87 f. (hier S. 88).
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, 2. Aufl. 1994, S. 169.
  • Martha Novak Clinkscale, Art. Upright Piano, in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 420-425, hier: S. 422 [nur Listung des Namens].
  • Jens-Uwe Witter: Das Klavierlexikon, 2, Aufl. Schillingsfürst 2000, S. 395 [nur Listung des Namens].
  • Michael Cole: Broadwood Square Pianos. Their Historical Context, and Technical Development, Cheltenham 2005.
  • Informationen und Fotodokumentation der Voreigentümerin.

8. Tafelklavier J. Broadwood and Sons # 21619, London 1817

Signatur auf Vorstecker: John Broadwood and Sons / Makers to His Majesty and the Princesses / Great Pulveney Street London Golden Square

Nummerierung auf Stimmstock rechts hsl.: 21619

  • Länge: 1690 mm
  • Breite: 655 mm
  • Korpushöhe: 255 mm
  • Gesamthöhe 860 mm

Instrument steht auf sechs mit Holzgewinde eingeschraubten Beinen (vier vorne, zwei hinten); Schublade links und rechts jeweils zwischen den Vorderbeinen; Fach vorne links; „Geheimfach“ hinten rechts; zahlreicher zierender, applizierter Messing-Schmuck

  • Untertasten: 132 mm sichtbare Länge, Belag: Elfenbein
  • Obertasten: 82 mm Länge, Belag: Ebenholz
  • Stichmaß: 489 mm
  • Umfang: F1 – c= 5 1/2 Oktaven, durchgängig zweichörig

Mensur

  • F1 = 1454 mm
  • C = 1279 mm
  • F = 1133 mm
  • c =  964 mm
  • f =  798 mm
  • c1 =  586 mm
  • f1 =  442 mm
  • c2 =   300 mm
  • f2 =  220 mm
  • c3 =  141 mm
  • f3 =   107 mm
  • c4 =    70 mm

Mechanik: englische Stoßmechanik mit Auslösung

Veränderung: ein Kniehebel (horizontal zu bedienen): Dämpferaufhebung

Bezug: zweichörig

Zustand: gut erhalten, bedingt spielbar

Kurzcharakteristik: Ein gut erhaltenes und schönes Instrument aus der Übergangsphase vom Fünfoktaver zum Sechsoktaver aus der industriellen Groß-Produktion der bedeutenden Londoner Klavierfabrik von Broadwood and Sons. Sechs Beine, Notenschubladen, gegenüber den fünfoktavigen Instrumenten deutliches Anwachsen in den Maßen, vor allem in der Bautiefe, und im Klangvolumen. Ein baugleiches Instrument befindet sich in der Colt Clavier Collection.[10] John Broadwood gehörte zu den Gründervätern des Klavierbaus in Großbritanninen. Er lernte sein Handwerk u.a. bei B. Shudi, Johannes Zumpe und Johannes Pohlmann.[11]

Provenienz: Erwerb 200x im Rahmen eines Konvolutes aus der Sammlung von Prof. Dr. Rullfs, Heppenheim

Literatur:

  • Art. Broadwood, in: Schilling (Hg.), Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Zweiter Band. Stuttgart: Franz Heinrich Köhler 1835, S. 27.
  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. 126 u.ö.
  • Blüthner/Gretschel, Der Pianofortebau, 4. Aufl. Leipzig 1921, S. 29f.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 50f.
  • David Wainwright, Broadwood by Appointment. A History. London: Quiller Press 1982, S. 89
  • Derek Adlam und Cyril Ehrlich: Art. Broadwood, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 3, S. 324f.
  • Günther Batel, Handbuch der Tasteninstrumente und ihrer Musik, München 1991, S. 78.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 30-56.
  • in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S.
  • Anthony Baines, Art. Tafelklavier, in: ders., Lexikon der Musikinstrumente, Stuttgart und Kassel: Metzler und Bärenreiter 1996, S. 316f.; Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 65-67; Michael Cole: Broadwood Square Pianos. Their Historical Context, and Technical Development, Cheltenham 2005; Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

9. Tafelklavier Walter & Sohn, Wien ca. 1820

Signatur auf Emaille-Täfelchen im Vorstecker: Walter und Sohn in Wien; keine weitere Signierung; keine Nummer; keine Datierung

  • Länge: 1580 mm
  • Breite:   660 mm
  • Korpushöhe: 250 mm
  • Gesamthöhe 780 mm
Foto-Dokumentation Tafelklavier 1820 Walter & Sohn
vier mit Holzgewinde eingeschraubte konische Beine mit quadratischem Querschnitt
  • Untertasten 132 mm sichtbare Länge, Belag: Bein
  • Obertasten: 90 mm Länge, Belag: Ebenholz
  • Stichmaß 478 mm
  • Umfang: F1 – f4 = 6 Oktaven

Mensur

  • F1 = 1315 mm
  • C = 1218 mm
  • F = 1110 mm
  • c = 943 mm
  • f = 770 mm
  • c1 = 545 mm
  • f1 =  420 mm
  • c2 =  278 mm
  • f2 =  210 mm
  • c3 = 130 mm
  • f3 = 100 mm
  • c4  = 70 mm
  • f4  =  47 mm

Mechanik: Wiener Prellzungenmechanik mit Wiener Kastendämpfung, belederte Hammerköpfe.

Veränderungen: drei Pedale (von links): Moderator, Dämpferaufhebung, Deckel-Schweller (?, demontiert)

Bezug: F1–C einchörig; CIS–f4 zweichörig; F1–cis Messing, blank; d–f4 Stahl, blank; originale Stimmwirbel, weitgehend originaler Bezug.

Zustand: vertikale Pedalanlage fehlt, horizontale Hebelunterkonstruktion unter dem Korpus vorhanden; Instrument recht wenig verzogen.

Kurzcharakteristik: Dieses Instrument stammt aus der Werkstatt der bedeutenden Wiener Instrumentenbauer-Familie Walter. Vater Gabriel Anton Walter (Neuhausen/Stuttgart 1752 bis Wien 1826) baute Flügel, die u.a. von Wolfgang Amadeus Mozart bevorzugt wurden. Auf einem zum vorliegenden weitgehend baugleichen, ebenfalls sechsoktavigen Tafelklavier von Walter & Sohn, das in Wien im Kunstgewerblichen Museum aufbewahrt ist, musizierte Franz Schubert. Die Firmierung als „Walter & Sohn“ bestand von 1817 bis 1824. Das äußerlich durch edle Schlichtheit bestechende Instrument verfügt über die für Wien typische und wahrscheinlich von Anton Walter dort eingeführte („deutsche“) Prellzungen-Mechanik mit Kastendämpfung.

Provenienz: Erwerb 200x im Rahmen eines Konvolutes aus der Sammlung von Prof. Dr. Rullfs, Heppenheim

Literatur:

  • Franz Josef Hirt, Meisterwerke des Klavierbaus, Olten 1955, S. 60f.
  • John Henry van der Meer, Art. Walter, Gabriel Anton, in: MGG 1. Aufl., Bd. 14 (1968), Sp.  189f.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 312.
  • Maribel Meisel und Philip R. Belt, Art. Walter, (Gabriel) Anton, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 20, S. 186f.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 311-316.
  • Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 310.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1820-1860. Oxford: Oxford University Press 1999, S. 391.
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr, in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

10.  Tafelklavier J. P. Moos, Nürnberg ca. 1825

Signatur auf intarsierter Raute, in der Mitte des Vorsteckers: "J.P.Moos / in. / Nürnberg.", keine Instrumenten-Seriennummer; links vorne in Klangboden eingeritzt: "[Name unleserlich] / Klaviermeister / Nürnberg / 1918"

Kurzcharakteristik: derzeit einziges bekanntes Instrument dieses Nürnburger Instrumentenbauers, Symbiose zwischen deutschem Erscheinungsbild (Korpus Kirsche furniert) und englischer Mechanik; reine Holzkonstruktion ohne Metallspreizen bzw. Gussrahmen; vier keulenförmige Beine; einfaches, klappbares Notenpult

Foto-Dokumentation Tafelklavier J. H. Pape Paris 1835
  • ein Pedal (Dämpfungsaufhebung / forte)
  • Umfang: F1 – f4 = 6 Oktaven

Provenienz: Erwerb 200x über ebay bei einem Antiquitäten-Händler im süddeutschen Raum.

Literatur:

  • Schreiben von Dr. Theodor Wohnhasse vom 17. Mai 1966 an Sammlung Neupert I, Bamberg [kennt Moos nicht].
  • Hubert Henkel: Lexikon deutscher Klavierbauer, Frankfurt/Main 2000, S. 421 [kann für das Jahr 1850 die Werkstatt von Johann Peter Moos in der Lorenzer Seite, Ludwigstraße 416, in Nürnberg nachweisen].

11.  Tafelklavier J. Broadwood & Sons, London ca. 1827

Neuerwerbung 2008 - noch ohne Beschreibung

Provenienz: Erwerb 200x im unrestaurierten, voll spielbaren Zustand im Münsterland (die Voreigentümerin hatte das Instrument im Rahmen eines Umzugs aus Schottland mitgebracht).

Literatur:

  • Michael Cole: Broadwood Square Pianos. Their Historical Context, and Technical Development, Cheltenham 2005.

12. Tafelklavier Jean Henri Pape, Paris 1835

Signatur vorne rechts unter den Basssaiten, auf Resonanzboden, neben eingezogener Klaviatur: H. Pape / Facteur de pianos du ROI / NO 19 Rue des Bons Enfans & Rue de Valins N… [Nummer nicht mehr erhalten] / à Paris NO 2961 [eingekreist] ans 1835

Voreigentümer: Sammler / Händler aus Orleans/Frankreich

Foto-Dokumentation Tafelklavier J. H. Pape Paris 1835
  • Länge: 1849 mm
  • Breite: 834 mm
  • Korpushöhe (mit/ohne Deckel): 264 mm / 253 mm
  • Gesamthöhe 850 mm

Unterkonstruktion: [Beschreibung fehlt noch]

  • Untertasten: 140 mm sichtbare Länge, Belag: Elfenbein
  • Obertasten: 91 mm Länge, Belag: Ebenholz
  • Stichmaß: 487 mm
  • Klaviatur (mit/ohne Rahmen): 1514 mm / 1475 mm
  • Umfang: C1 – f4 = sechseinhalb Oktaven

 Mensur

  • C1 = 1657 mm
  • F1 = 1564 mm
  • C = 1410 mm
  • F = 1228 mm
  • c = 1090 mm
  • f = 822 mm
  • c1= 545 mm
  • f1 = 414 mm
  • c2 = 280 mm
  • f2 = 211 mm
  • c3 = 137 mm
  • f3 = 110 mm
  • c4 = 73 mm
  • f4 = 53 mm

Mechanik: oberschlägige Mechanik nach Papeschem Patent.

Veränderungen:  Lyra mit zwei Pedalen: (1) una corda; (2) Dämpfungsaufhebung

Bezug: zweichörig

Zustand: original erhalten, ohne spätere Eingriffe, ungestimmt

Kurzcharakteristik: Ein sehr gut original und vollständig [inklusive der beiden Resonanzboden-Abdeckplatten] erhaltenes, datiert signiertes Tafelklavier, das zahlreichen Papesche Patente in sich vereint:

  1. oberschlägige („Zug“-)Mechanik (Patent von 1827);
  2. Stimmpatent: zwei Handhebel als una-corda- und due-corde-Dämpfer zur Erleichterung der Stimmung [Gebrauchsanweisung links vorne auf hinterer Resonanzbodenabdeckung aufgeklebt erhalten!];
  3. Hammerköpfe mit original Papescher Patent-Befilzung aus Haarfilz (Patent von 1826);
  4. neue, schräg verschränkte Anordnung der Hammerköpfe (Patent vom 12. März 1826);
  5. im Bass zunächst Unterdämpfung, die nach ca. anderhalb Oktaven auf Oberdämpfung wechselt;
  6. leicht zu Reparatur- und Inspektionszwecken herausziehbare, auf Rollen gleitende Klaviatur- und Mechanikeinheit.

Prachtvolles Gehäuse aus Palisander auf vier geschweiften, paarweise verbundenen geschnitzten Beinen; Abdeckung vorne rechts neben Klaviatur herausklappbar als weiteres Notenpult für zweiten Instrumentalisten;); Bass hinter-, Diskant seitenstimmig. Das Instrument wurde gebaut in der Zeit, als Theodor Stöcker [siehe 1868, Konzertflügel] seine Gesellenzeit bei Pape verbrachte. Ein jüngeres Instrument gleicher Bauart ist Bestandteil der Sammlung Neupert im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (MINe 211).

Provenienz: Erwerb 200x im unrestaurierten über ebay France bei Jean Mallory, Orleans.

Literatur:

  • Art. Pape, Heinrich, in: Mendel/Reissmann, Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 8 (1877), S. 12f. [Artikel rühmt ausdrücklich die Papeschen Tafelklaviere].
  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. 130.
  • Alfred Dolge, Pianos and their makers, 1911, Reprint New York 1972, S. 84, 98, 121, 259f. u.ö.
  • Notice sur les inventions et perfectionnements apportés par H. Pape dans la fabrication des pianos, Paris: Loquin 1939*.
  • Franz Josef Hirt, Meisterwerke des Klavierbaus, Olten 1955, S. 376f. u. S. 450.
  • Hanns Neupert, Art. Pape, Johann Heinrich, in: MGG 1. Auflage Bd. 10 (1962), Sp. 734f.
  • Margaret Cranmer, Art. Pape, Jean Henri, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 14, S. 170.
  • Catherine Michaud-Pradelles, Jean-Henri Pape 1879-1875, in: Le pianoforte en France et ses descendants jusqu’aux  années trente, Paris: Agence Culturelle 1995, S. 106-114.
  • Peggy Flanagan Baird: Art. Pape, Jean-Henri. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 259f. [mit Abbildung dieses Tafelklavier-Modells].
  • Catherine Michaud-Pradelles, Mémoire avec vue, in: Daniel Hangard (Hg.), Touches à touches. Pianos et brevets d’invention au XIXe siècle, Paris: INPI 1997, S. 3-9.
  • Patrick Sinigagliak, Facteur d’avenir, in: Daniel Hangard (Hg.), Touches à touches. Pianos et brevets d’invention au XIXe siècle, Paris: INPI 1997, S. 12-15.
  • Heiko Schwichtenberg, Der Klavierbauer Theodor Stöcker aus Berlin. Magisterarbeit TU Berlin masch. 1990, S. 13f.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1820-1860. Oxford : Oxford University Press 1999, S. xxx.
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr, in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.

13. Tafelklavier Jean Henri Pape, Paris 1835

Signatur vorne rechts unter den Basssaiten, auf Resonanzboden, neben eingezogener Klaviatur: H. Pape / Facteur de pianos du ROI / NO 19 Rue des Bons Enfans & Rue de Valins N… [Nummer nicht mehr erhalten] / à Paris NO 2xxx [eingekreist] ans 1835

Das Instrument ist baugleich mit dem zuvor beschriebenen, allerdings im schlechteren Zustand (Pedal defekt, Wasserschaden vorne rechts im Instrument)

Foto-Dokumentation Tafelklavier J. H. Pape Paris 1835
  • Länge: 1849 mm
  • Breite: 834 mm
  • Korpushöhe (mit/ohne Deckel): 264 mm / 253 mm
  • Gesamthöhe 850 mm

Provenienz: Schenkung Eheleute Jürgen und Gisela Klein, Rötgen-Mullartshütte, Juli 2012.


14. Tafelklavier anonym, deutsch ca. 1850

Ein Tafelklavier ohne Herstellerangabe in der von mir so benannten, selten anzutreffenden "Spinettbauweise": Im Gegensatz zur üblichen, von mir so benannten "Klavichord"-Bauweise, bei der sich die tiefste Saite vorne (Verlauf von ca. hinten links nach ca. vorne rechts) und die höchste Saite hinten [nahe der Korpusrückwand] im Instrument befindet, verhält es sich bei diesem Instrument umgekehrt: Die tiefste Bassaite ist hinten (Verlauf von ca. vorne links nach ca. hinten rechts). Die Hammerkopfreihe befindet sich daher - analog zur Springerreihe im Spinett - vorne im Instrument. [Beim Klavichord und beim herkömmlich gebauten Tafelklavier befindet sich die Anschlagslinie hinten im Instrument.]

Foto-Dokumentation Tafelklavier J. H. Pape Paris 1835
  • Länge: 1829 mm
  • Breite: 886 mm
  • Korpushöhe (mit/ohne Deckel): xxx mm / xxx mm
  • Gesamthöhe 845 mm

Umfang: C1 – f4 = sechseinhalb Oktaven
vorderstimmig, Wiener Mechanik
zwei gusseiserne Spreizen
doppelt nach vorne klappbares, sich in den Tastenraum faltendes Notenpult
ein Pedal: Dämpfungsaufhebung ("forte")
vier balusterförmige Einzelbeine

Provenienz: Erwerb 2009 aus Hamburger Privatbesitz/Nachlassverwaltung Dr. Margarete Schmolke.


15. Tafelklavier Dörner & Sohn, Stuttgart 1860 (?)

Beschreibung in Vorbereitung

Provenienz: Schenkung Familie Kirdorf, Mittelrhein, 2009.

  • Länge: xxxx mm
  • Breite:  xxx mm
  • Korpushöhe (ohne Deckel):  xxx mm
  • Gesamthöhe (inkl. Deckel): xxx mm

16. Tafelklavier Schiedmayer & Soehne, Stuttgart 1875

Signatur auf Vorstecker: Schiedmayer & Soehne, Stuttgart; Serien-Nummer vorne links: 9633 od. 9688 (schwer lesbar, da überklebt); Typ-Nummer groß Innenseite linke Wand, zudem u.a. auf Oberkante Vorstecker und auf Mechanik: E59; keine separate Mechanik-Nummer aufzufinden.

Foto-Dokumentation Tafelklavier Schiedmayer 1875
  • Länge: 2020 mm
  • Breite:  910 mm
  • Korpushöhe (ohne Deckel):  340 mm
  • Gesamthöhe (inkl. Deckel): 925 mm
  • Untertasten 142 mm sichtbare Länge, Belag Elfenbein (stark abgespielt)
  • Obertasten 87 mm Länge, Ebenholz
  • im äußersten Diskant und Bass jeweils etwas geringere sichtbare Länge durch leicht geschwungenen Vorstecker
  • Stichmaß: 488 mm
  • Umfang: A2 – a4 = 7 Oktaven

Mechanik: englische Stoßzungen-Mechanik mit einfacher Auslösung; Hammerköpfe befilzt, ab es zudem lederüberzogen.

Veränderungen:  Lyra mit einem Pedal: Dämpfungsaufhebung

kreuzsaitiger Bezug:

  • A2 bis FIS1 parallel- und leicht schrägsaitig
  • G1 bis a4 strahlenförmig und stark schrägsaitig
  • Stahl mit Messing umsponnen einchörig von A2 bis D1
  • Stahl mit Messing umsponnen zweichörig von D1 bis FIS1
  • Stahl zweichörig blank von G1 bis a4

gusseiserner Rahmen mit aufwändigem Zierrat (Traube und Weinlaub links oben; rechts mit umkränztem Doppel-Initial "SS", siehe Foto) in den statisch nicht beanspruchten Bereichen, mit zwei Spreizen: (1) vor der ersten Basssaite (2) zwischen cis3 und d3 im Diskant; Kapodaster im hohen Diskant (d3-a4); klein dimensionierte Dämpfung (A2 bis b2) mit zusätzlichen kreispunktförmigen Trabanten-Oberdämpfern im tiefen Bass (A2 bis FIS1); ab h2 ist die Diskant-Spreize der Dämpfung im Weg (dadurch ist das Instrument bereits relativ früh ungedämpft), im obersten Diskant schließlich Dämpfung unüblich.

Mensur: (in Klammern zum Vergleich die Werte des gleichalten, nicht-kreuzsaitig bezogenen Schiedmayerschen Instrumentes der Sammlung Dohr):

  • C1 = 1645 (1620) mm
  • F1 = 1550 (1540) mm
  • C = 1405(1395) mm
  • F = 1295 (1245) mm
  • c = 1085 (1110) mm
  • f = 875 (892) mm
  • c1= 615 (600) mm
  • f1 = 475 (450) mm
  • c2 = 320 (300) mm
  • f2 = 245 (235) mm
  • c3 = 165 (150) mm
  • f3 = 135 (130) mm
  • c4 = 90 (90) mm
  • f4 = 70 (70) mm

Zur Mensur: Der direkte Vergleich zweier zeitgleich von der Fa. Schiedmayer & Soehne angebotener Tafelklaviere ermöglicht die Auswirkungen des kreuzsaitigen Bezugs - zumindest für den Klavierbausektor "Tafelklavier" - genau zu dokumentieren: (1) Die etwas längeren Saiten im Tiefbass werden durch die größere Instrumentenbreite ermöglicht: Das Instrument wächst um 70 mm in die Breite; durch das Nicht-Ausnutzen der Diagonale ist ein Saitenlängenwachstum von lediglich 20 mm möglich. (2) Der Mensurverlauf nach dem Wechsel (zur Information: G = 1350 mm) zeigt eine deutlich andere Charakteristik, der jedoch nur zu einem kleinen Teil auf die Kreuzsaitigkeit zurückzuführen ist. Während die Mensur in der kleinen Oktave kürzer ist, weisen die ein- bis dreigestrichene Oktave durchweg größere Saitenlängen auf. Erst in der viergestrichenen Oktave sind die Mensuren beider Schiedmayerscher Tafelklaviere identisch. (3) Der Tiefbass erhält nun einen eigenen Klangsteg. Der Resonanzboden ist jedoch im Bereich des Klangstegs gänzlich durch die Gussplatte abgedeckt, der Instrumentenboden zudem geschlossen. Eine Klangabstrahlung ist evtl. durch den Resonanzbodenbereich, der sich hinten rechts im Instrument unterhalb der dort durch die filigranen Verzierungen stark durchbrochenen Gussplatte befindet, möglich.

Zustand: weitgehend original erhalten, wahrscheinlich originaler Saitenbezug mit alten Wirbeln, eingeschränkt spielbar, Mechanik komplett erhalten (mehrere ersetzte bzw. geleimte Hammerstiele), aber dereguliert; Wasserschaden rechts im Instrument; Furnier des Korpus (Palisander?) schwer in Mitleidenschaft gezogen (Kriegs- bzw. Besatzerschaden); Instrument ohne statische Probleme, stimmbar; drei Dämpfer im Tiefbass fehlen.

Kurzcharakteristik: ein original und vollständig erhaltenes, großes Tafelklavier (mit der Stellfläche eines Salonflügels) der renommierten Stuttgarter Marke Schiedmayer & Soehne aus dem goldenen Herbst des Tafelklaviers; der im Flügelbau konstruktiv sinnvolle kreuzsaitige Bezug setzte sich im deutschen Tafelklavierbau nicht durch; einfach gestaltetes, horizontal geteiltes, klappbares Notenpult; einfaches Furnier; vier achteckige, balusterförmige Beine mit Rollen.

Diskussion: "Der Meister Richard Lipp hatte unerklärlicherweise ein Piano mit durchkreutzten Saiten ausgestellt, für welche sogenannte Verbesserung wir übrigens Amerika keinen Dank sagen brauchen, weil sie durchaus keinen Wert hat, wie denn der eben genannte Meister durch sein ausgestelltes Piano mit sich kreuzenden Saiten für unsere (...) ausgesprochene Ansicht den Beweis selbst geliefert, indem ein anderes seiner Pianos mit gewöhnlicher Saitenlage zu billigerem Preise nicht nur dieselbe Tonstärke wie das mit gekreuzten Saiten hatte, sondern dasselbe in gleichmäßiger Tonschönheit sogar übertraf, dadurch also klar den unzweckmäßigen Ueberfluß der fraglichen Neuerung außer Zweifel setzte."[12] [mitgeteilt von Stefan Schafft; Antwort von Alexander Langer (Klagenfurt):] "Der hier zitierte Artikel bezieht sich ja ganz konkret auf Tafelklaviere. Durch die konstruktiven Gegebenheiten bei dieser Instrumentenform glaube ich nicht, dass durch eine kreuzsaitige Bauweise nennenswerte klangliche Verbesserungen zu erzielen sind. Es gibt aber immer wieder in der Literatur Hinweise, dass geradsaitige Flügel nicht schlechter waren als die (ersten?) kreuzsaitigen! z. B. (1) Ausstellungsbericht zur Welt-Ausstellung in Paris 1867: >Manche der Ideen, welche jetzt STEINWAY siegreich weiterführt, waren ursprünglich das Eigenthum CHICKERING'S, den man als eigentlichen Begründer der Clavierfabrikation in Nordamerika ansehen kann. Er hat zuerst in Nordamerika das (jetzt von ihm wieder verlassene) kreuzsaitige System eingeführt.< oder (2) >österreichische Clavierfabrikation [...] J. B. STREICHER hatte nur einen Flügel ausgestellt, aber es war der schönste, der vielleicht je aus den Händen dieses Altmeisters hervorgegangen. [...] Das STEINWAY'sche System der gekreuzten Saiten ist in diesem Flügel angewendet; dass es die Vortrefflichkeit des letzteren erkläre, können wir aber nicht behaupten, da wir in neuester Zeit geradsaitige Claviere von STREICHER gesehen, die seinem Ausstellungs-Instrumente an Ton kaum nachstanden.<"

Provenienz: Schenkung 200x im restaurierten, voll spielbaren Zustand über ebay Deutschland im Siegen-Wittgensteiner Raum.

Literatur: siehe diejenige zum Tafelklavier Schiedmayer & Söhne # 9731.


18. Tafelklavier Schiedmayer & Soehne, Stuttgart 1875

Signatur auf Vorstecker: Schiedmayer & Soehne, Stuttgart; Serien-Nummer vorne links: 9731; Typ-Nummer groß Innenseite linke Wand, zudem auf Oberkante Vorstecker und auf Mechanik: E85; Mechanik-Nummer auf Mechanik-Block und innen auf Instrumentenboden im Bereich des Einschubs: 43140.

Foto-Dokumentation Tafelklavier Schiedmayer 1875
  • Länge: 1957 mm
  • Breite:  900 mm
  • Korpushöhe (ohne Deckel):  330 mm
  • Gesamthöhe (inkl. Deckel): 925 mm
  • Untertasten 140 mm sichtbare Länge, Belag Elfenbein
  • Obertasten 87 mm Länge, Ebenholz
  • im äußersten Diskant und Bass jeweils etwas geringere sichtbare Länge durch leicht geschwungenen Vorstecker
  • Stichmaß: 488 mm
  • Umfang: A2 – a4 = 7 Oktaven

Mechanik: englische Stoßzungen-Mechanik mit einfacher Auslösung; Hammerköpfe befilzt, zum Teil zudem lederüberzogen.

Veränderungen:  Lyra mit einem Pedal: Dämpfungsaufhebung

Bezug:

  • Stahl mit Messing umsponnen einchörig von A2 bis CIS1
  • Messing zweichörig blank von D1 bis F1
  • Stahl zweichörig blank von FIS1 bis a4

strahlenförmig / schrägsaitig, nicht kreuzsaitig; gusseiserner Rahmen mit aufwändigem Zierrat (Traube und Weinlaub links oben, in stilisiert angedeuteten Violinschüssel mündend; rechts mit umkränztem Initial "S", siehe Foto) in den statisch nicht beanspruchten Bereichen, mit zwei Spreizen: (1.) vor der ersten Basssaite (2.) zwischen cis3 und d3 im Diskant; Kapodaster im hohen Diskant (d3-a4); klein dimensionierte Dämpfung (A2 bis h2) mit zusätzlichen kreispunktförmigen Trabanten-Oberdämpfern im tiefen Bass (A2 bis F1); ab c3 ist zunächst der Dämpfung die Diskant-Spreize im Weg (dadurch ist das Instrument bereits relativ früh ungedämpft), im obersten Diskant schließlich Dämpfung unüblich.

Mensur:

  • C1 = 1620 mm
  • F1 = 1540 mm
  • C = 1395 mm
  • F = 1245 mm
  • c = 1110 mm
  • f = 892 mm
  • c1= 600 mm
  • f1 = 450 mm
  • c2 = 300 mm
  • f2 = 235 mm
  • c3 = 150 mm
  • f3 = 130 mm
  • c4 = 90 mm
  • f4 = 70 mm

Zustand: weitgehend original erhalten, neuer, passender Saitenbezug mit neuen Wirbeln (Restaurierung ca. 1970?), voll spielbar, Mechanik sehr gut erhalten (mehrere ersetzte bzw. geleimte Hammerstiele), mehrere kleine Gehäusekratzer; Instrument ohne statische Probleme, voll stimmbar (derzeit a1 = 430 Hz.)

Kurzcharakteristik: ein sehr gut original und vollständig erhaltenes, großes Tafelklavier (mit der Stellfläche eines Salonflügels) der renommierten Stuttgarter Marke Schiedmayer & Soehne aus dem goldenen Herbst des Tafelklaviers: aus einer Zeit, in der das aufrechte Piano bereits seinen Siegeszug angetreten hatte und viele deutsche Hersteller die Tafelklavier-Produktion eingestellt hatten (einzig der Stuttgarter Raum bildete damals in Deutschland eine "Insel", auf der noch Tafelklaviere hergestellt wurden; in den USA wurden allerdings noch länger Tafelklaviere gebaut; die amerikanische Tafelklavier-Ära endete 1902 mit einem legendären Tafelklavier-Scheiterhaufen beim Kongress der amerikanischen Klavierbauer); horizontal geteiltes, klappbares Notenpult in aufwändiger Sägearbeit; prächtiges Nussbaum-Wurzelholz-Furnier; vier achteckige, balusterförmige Beine mit Rollen.

Firmengeschichte: Johann David Schiedmayer (1753-1805), Sohn von Balthasar Schiedmayer (1711-1781), war wie Vater und zwei Brüder in Erlangen tätig, ab 1797 in Nürnberg. Er war einer der bekanntesten Klavierbauer seiner Zeit. --- Dessen Sohn Johann Lorenz Schiedmayer (1786-1860) gründete 1809 zusammen mit Carl Dieudonné in Stuttgart die Firma Dieudonné & Schiedmayer. Das Unternehmen wurde bald über die Grenzen der Region bekannt. Nach dem Tod Dieudonnés firmierte die Werkstatt unter Pianofortefabrik von Schiedmayer, ab 1845 nach dem Eintritt von J. L. Schiedmayers älteren Söhne Adolf und Hermann Schiedmayer unter Schiedmayer & Söhne, Pianofortefabrik. Die Klavierfabrik war in der Neckarstraße in Stuttgart beheimatet. --- 1890 wurde die erste Schiedmayer-Celesta bei Schiedmayer & Söhne in Stuttgart gebaut. In den 1970er und 1980er Jahren wurden Instrumente unter der Marke Schiedmayer von Kawai gefertigt. 1980 verkaufte Georg Schiedmayer die Klavierfirma J&P Schiedmayer an das Unternehmen Rud. Ibach Sohn, das den Betrieb Anfang 2008 einstellte. --- Die Celestabau-Tradition führte er mit der Schiedmayer & Soehne GmbH weiter, 1992 gefolgt von seiner Witwe Eliane Schiedmayer. Die Schiedmayer Celesta GmbH mit sieben Mitarbeitern ist seit 2001 in Wendlingen am Neckar nahe Stuttgart ansässig. Schiedmayer-Celesten und -Tastaturglockenspiele werden von Sinfonieorchestern und Opernhäusern weltweit eingesetzt und waren im 20. Jahrhundert lange Zeit praktisch konkurrenzlos, bis Yamaha 1994 in den Celestabau einstieg.

Provenienz: Erwerb 200x im restaurierten, voll spielbaren Zustand über ebay Deutschland im Stuttgarter Raum.

Literatur:

  • Alexander Eisenmann: Schiedmayer & Söhne, Hof-Pianofortefabrik Stuttgart. Vorgeschichte, Gründung und fernere Entwicklung der Firma 1809–1909. Schreiber, Stuttgart 1909.
  • Margarete Rupprecht: Die Klavierbauerfamilie Schiedmayer. Ein Beitrag zur Geschichte des Klavier-Baues. Phil. Diss. Erlangen 1954.
  • Margarete Rupprecht: Schiedmayer (Familie). in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 1. Auflage, Bd .11. Bärenreiter, Kassel 1963, Sp. 1702–1704.
  • MArtho Novak Clinkscale: Art. Schiedmayer. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 342.
  • Hubert Henkel: Lexikon deutscher Klavierbauer, Frankfurt/Main 2000, S. 547-549
  • Jan Großbach: Atlas der Pianonummern. 10., aktualisierte und erweiterte Aufl. Frankfurt/Main 2005, S. 292f.
  • Hubert Henkel und Sven Dierke: Art. Schiedmayer, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Personenteil, Band 14. Bärenreiter u.a., Kassel u.a. 2005, Sp. 1329-1331
  • Boje E. Hans Schmuhl (Hg.): Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers (Michaelsteiner Konferenzberichte Bd. 68). Augsburg u. Michaelstein 2006.


[1] “Si deve suonare delicatissimamente e senza sordini“

[2] Datierung nach: Margeret Cranmer, Art. Ganer, Christopher, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 7, S. 145; Datierung erfolgt aufgrund der Eingruppierung der Signierungen der Cranmer bekannten Instrumente von Christopher Ganer.

[3] Vgl. hierzu: Oscar Paul, Geschichte des Claviers, Leipzig 1868, S. 118: „Die Gebrüder Erard aus Strassburg, welche seit 1776 in Paris kleine Fortepianos bauten, führten 1784 das Pedal ein und verbannten die Registerzüge.“

[4] Cranmer, a.a.O., kennt kein Pedal bei einem Ganerschen Tafelklavier.

[5] Die Instrumentenbeschreibung greift z.T. auf ein Gutachten von Wolf Dieter Neupert, Bamberg, vom 16. Februar 2000 zurück.

[6] Vgl. Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 96-101.

[7] Ebd.

[8] Als besondere Bizarrerie ist zu vermelden, dass das Tafelklavier in der Mitte des Vorsteckers ein von ihrer Machart dem 20. Jahrhundert zuzuordnendes Messingtäfelchen mit der (Jahres-)Zahl „1726“ besaß. Eine Erörterung dieser in jeder Hinsicht absurden Zahl verbietet sich hier aus Gründen der Seriösität. Es muss – zur Ehrrettung von Irmers – angenommen werden, dass die Jahreszahl als heftiger kölscher Scherz Gäste aufs Glatteis führen sollte.

[9] Die im Vergleich zu den übrigen gleichalten Tafelklavieren der Sammlung Dohr „herausragende“ Gesamthöhe lässt vermuten, dass es sich nicht um originale Beine handelt.

[10] Vgl. aber auch das „Square Pianoforte“ von Andrew Rocheid and Son, beschrieben in: Sidney Newman und Peter Williams, The Russel Collection and other Early Keyboard Instruments in Saint Cecilia’s Hall Edinburgh. Edinburgh University Press 1968, S. 54f.

[11] vgl. Konstantin Restle (Hg.), Faszination Klavier. 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland. Mit Beiträgen von Attila Csampai, Norbert Ely, Susanne Keuchel, Gerhard Opitz, Hermann Rauhe, Konstantin Restle, Peter Rummenhöller. München: Prestel 2000, S. 104.

[12] zitiert aus: C. A. Andrè, Der Klavierbau, Offenbach am Main, 1855, zur Industrie-Ausstellung zu München

Linktipp: DohrCompactDiscs
mit Instrumenten der Sammlung Dohr

aktualisiert Sonntag, 14. September 2014 updated
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