Oliver Drechsel konzertiert in Haus Eller


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Die Kielinstrumente der Sammlung Dohr, Köln

© 1998-2014 by Christoph Dohr

  1. 1767 Spinett Johann Heinrich Silbermann [Kopie J. C. Neupert, Bamberg 1998]
  2. 1927 Konzertcembalo Pleyel (Paris)
  3. 1931 Konzertcembalo Maendler-Schramm #251 (München)
  4. 1932 Tischspinett Maendler-Schramm #309 (München)
  5. 1932 Tischspinett Maendler-Schramm #318 (München)
  6. 1935 Kleincembalo Hans Hoesch (Hagen)
  7. 1936 Spinett Modell "Silbermann" J. C. Neupert #16227 (Bamberg/Nürnberg)
  8. 1940 Konzertcembalo zweimanualig Ammer (Eisenberg/Thür.)
  9. 1952 Cembalo Modell "Ruckers" Ammer (Eisenberg/Thür.)
  10. 1956 Cembalo zweimanualig Modell "Cristofori" J. C. Neupert #18786 (Bamberg/Nürnberg)
  11. 1957 Cembalo zweimanualig Modell "14" Sperrhake #57.1618 (Passau)
  12. 1961 Klein-Cembalo Klaus Senftleben (Buxtehude)
  13. 1962 „Cembalino“ J. C. Neupert #20537 (Bamberg)
  14. 1965 (ca.) Spinett [Olof] Lindholm (Borna/Sachsen)
  15. 1967 Kleincembalo C56 Hutzelmann (Eisenberg/Thür.) #1720
  16. 1968 Kleincembalo C56 Hutzelmann (Eisenberg/Thür.) #1733
  17. 1977 Hammerspinet Steen Nielsen (Kopenhagen/Dänemark)

Beschreibung der Instrumente


[1767 Spinett von Johann Heinrich Silbermann]
[Kopie J. C. Neupert 1998, #31076]

ausführliche Beschreibung: siehe Sonderseite Kopien/1767


1927 Clavecin "Grand Modèle de Concert". Konzertcembalo Pleyel (Paris)

Abbildung oben: Pleyel: registre de fabrication - Années 1924 à 1930 - Pianos : n° de série 175 851 à 190 050 - N° inv. E.2009.5.22, page154 (extrait)

Identifikation: Vorsatz: Pleyel / Facteur à Paris / Fondé en 1807, Schrift auf Dockenleiste: Le Jeu grave <dit par les Anciens "de 16 Pieds"> fut introduit dans les Clavecins Pleyel à partir de l'année 1912, sur la demande & les suggestions de // Wanda Landowska. Nummer auf Unterboden vorne rechts: 183.548 (d.i. fortlaufende Nummer im Auslieferungsbuch Pleyel = Verkaufsdatum ["Date de Vente"] 6. Oktober 1927), und 22 (d.i. die fortlaufende Separat-Zählung der Pleyel-Cembali). Die Nummer 22 findet sich noch einmal auf dem Stimmstock, dort aber auch weitere Nummern: 68F380 (d.i. Fertigungsnummer, ergibt "Date d'arrivée de l'usine" = 29. September 1927) unsicher zu lesen, diese Nummer ebenfalls undeutlich auf Vorsatzbrett ohne Buchstabe) sowie 185.548 (ebenfalls unsicher zu lesen, siehe Foto). Die Lesweisen von Fertigungsnummer und Auslieferungsnummer werden durch das originale Auslieferungsbuch (s.o.) der Fa. Pleyel bestätigt.

Pleyel-Cembalo Modell "Wanda Landowska"
Pleyel-Cembalo Modell "Wanda Landowska"
Die Fotos zeigen das Instrument im "Bergezustand"; auf der Dockenleiste die oben wiedergegebene Schrift.
Pleyel-Cembalo Modell "Wanda Landowska" Pleyel-Cembalo Modell "Wanda Landowska"
Pleyel-Cembalo Modell "Wanda Landowska" Pleyel-Cembalo Modell "Wanda Landowska"

Korpus farblich gefasst: türkisfarben, golden abgesetzt (nach Aussage aller Befragten ist die farbliche Fassung original; dies bestätigt auch das Auslieferungsbuch der Fa. Pleyel, s.o.; nach Konsultation des Fabrikationsbuches war diese Ausstattung nicht einmalig "en blanc non plaqués"; es scheint jedoch eine Sonderausstattung gegeben zu haben, die das Instrument deutlich teurer werden ließ als die übrigen dieser Fertigungsgruppe; sowohl das Fabrikations- wie das Auslieferungsbuch belegen, dass Hans Eberhard Hoesch direkt bei Pleyel bestellte und nicht über einen Händler).

  • Länge: 255 cm
  • Breite: 110 cm
  • 5 kannelierte Beine: 2 vorne, 2 hinten, 1 am Ende der geraden Diskantwand
  • Untertasten unteres Manual (I): 125 mm sichtbare Länge
  • Untertasten oberes Manual (II): 115 mm sichtbare Länge
  • Stichmaß: 500 mm [= moderne Klaviermensur]
  • Umfang: F1 – f3 = fünf Oktaven
  • 5 klingende Register: 81' (I), 16' (I), 4' (I), 82' (II), 82'-nasal (II) + Laute (auf 81'); umsponnene Basssaiten, Lederkiele
  • Dämpfer zum Teil als Fähnchendämpfer am Springer, für den 16' als Oberdämpfer mittels Einzelhebegliedern. Beim Niederdrücken einer Taste des Untermanuals wird jedes Mal auch der jeweilige Dämpfer der 16'-Saite freigegeben und kann mitschwingen. Die Springer ohne Fähnchen-Dämpfer haben ein diesem ähnlichen befilzten Halte-Finger, der das Hinunterfallen der Springer im Augenblick des Herausziehens der Klaviatur verhindert. Die seitliche Führung der Springer wird durch Messing-Federn unterstützt.
  • Register- und Koppelschaltung durch 7 Pedale (von links) 16' (I), 4' (I), 8'(I), Laute, Koppel II/I, 8' nasal (II), 8' (II); bestimmte Pedale schalten durch Tritt, manche durch Lösen "ein", so z.B. Pedale 6 und 7 quasi "alternierend": beide Pedale getreten = nasal, beide Pedale gelöst = ordinario.
  • Bezüge auf drei Ebenen und über drei Klangstege geführt: zuunterst der 4'-Bezug, mittig die beiden 8'-Bezüge auf gemeinsamem Steg, oben der 16'-Bezug. Dadurch große Höhe des Gussrahmens, dadurch wiederum besonders schwerer Gussrahmen und hohes Instrumenten-Gesamtgewicht. Zum Vergleich: Das Konzertcembalo von Maendler-Schramm führt die ebenfalls vier Bezüge auf lediglich zwei Ebenen.
  • Besondere Wirbel: Alle Wirbel sind als Doppelwirbel ausgelegt. Beide Wirbel befinden sich in einer metallenen Wippe - es gibt also im engeren Sinne keinen "Stimmstock". Dem Aufziehen der Saite dient eine federbelastete Klinke (erster Wirbel, vom Steg aus gesehen); der zweite Wirbel ist der Feinstimmer, der die Neigung der Wippe bestimmt und dadurch den Saitenzug verringert oder vergrößert.

Zur Baugeschichte der Pleyel-Cembali im Allgemeinen: Auf der Pariser Weltausstellung 1889 war die Firma Pleyel einer von drei Ausstellern von neu gebauten Cembali. Während ein Mitbewerber, die Fa. Louis Tomassini, sich stark am historischen, um das Jahr 1800 vom Pianoforte-Bau verdrängten Cembalo-Bau orientierte und diesen zu kopieren suchte, stellten die Firmen Pleyel und Erard je eine Kombination der tradierten Kiel-Mechanik mit den Innovationen des Klavier- bzw. Konzertflügelbaus des 19. Jahrhunderts aus. Dieses "unhistorische" Baukonzept sollte bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus das maßgebliche werden, bis sich - mit deutlich verminderten Stückzahlen - das Nachbauen historischer Originale zum Standard entwickelte.

Die Pariser Weltausstellung 1889 setzte einen ersten Akzent, bereitete den Boden, hatte aber noch keine besondere Breitenwirkung bzgl. der Rezeption des "vergessenen" Cembalos. Diese Breitenwirkung setzte eine Generation später ein: In Zusammenwirken mit der medienaktiven Konzertpianistin bzw. (ab 1903) Cembalistin Wanda Landowska (1879-1959), durch deren Auftritte und Schallplatten-Einspielungen die Renaissance des Cembalos (und des Cembalo-Baus) zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Schwung kam, erhielt das von ihr 1912 "designte" Pleyel-Cembalo eine besondere Bedeutung für das internationale Musikleben.

Von großer Nachhaltigkeit war hierbei die (Wieder-)Einführung des aus dem deutschen Cembalobau der Barockzeit stammenden 16'-Registers in den "neuen" Cembalobau im Jahre 1912; dies geschah auf ausdrücklichen Wunsch von Wanda Landowska (siehe Inschrift) in diesem entscheidenden Augenblick der Cembalo-Renaissance. Als Vorbild für diese Disposition diente Wanda Landowska ein historisches Original-Instrument des Hamburger Cembalobauers Hieronymus Albrecht Hass (1689-1752) im Museum Brüssel. Pleyel übernahm auch das Längenmaß des Hassschen Instrumentes. Das von der Firma Pleyel entwickelte Cembalo-Modell "Landowska" wurde dabei zum vielfach kopierten, dabei in seiner Qualität aber nur selten erreichten Prototypen für die Cembalo-Konstruktionen der gesamten Branche - und ist mittlerweile selbst "historisches" Instrument und Sammlerobjekt.Das Landowska-Pleyel-Cembalo war Vorbild für mehr als eine Generation von Cembalo-Bauern; Cembali mit gusseisernem Rahmen wurden nachweislich noch bis in die 1970er Jahre gefertigt (siehe z.B. die Hutzelmann-Cembali in der Sammlung Dohr; das letzte Landowska-Pleyel-Cembalo wohl ebenfalls Anfang der 1970er Jahre); Zwitterkonstruktionen ersetzten bald den in der Herstellung aufwändigen Gussrahmen durch eine schwere Holzrastenbauweise.

Pleyel baute ausschließlich große Konzertcembali, insgesamt im Laufe von vielleicht 70 Jahren knapp 70 Instrumente. Für diese Annahme sprechen die bekannt gewordenen Nummern erhaltener Pleyel-Cembali. Das Archiv der Fa. Pleyel/Paris ist wohl im Krieg vernichtet worden [Information von Wolf-Dieter Neupert, Bamberg]; der Instrumentenkundler Dr. Martin Elste (Berlin) spricht im Herbst 2009 in einem Interview von 170 Instrumenten, doch scheint diese Zahl viel zu hoch gegriffen zu sein. Es gab zwei Typen: ein Modell mit sechs Pedalen - ohne Nasal-Register - und ein Modell mit sieben Pedalen.

Kurzcharakteristik des Instrumentes der Sammlung Dohr: Das Pleyel-Cembalo #22 markiert auf besondere Art den Beginn der historisierenden Aufführungspraxis in Deutschland, da es vom Hagener Großindustriellen und Mäzen Hans Eberhard Hoesch im Jahre 1927 für seine damalige Ehefrau Manna, eine passionierte Cembalistin (öffentliche Auftritte sind nach online-Recherche u.a. in Coesfeld für die Jahre 1958 und 1963 nachweisbar; die dortigen Programme dürften aber an einigen weiteren Orten gespielt worden sein), erworben wurde. Es ist keine Kopie eines historischen Instruments, sondern eine Pleyelsche Eigenkonstruktion, die auf der Basis der Erkenntnisse des modernen Klavierbaus die Disposition des Hass-Cembalos im Brüsseler Museum adaptierte.

Das hier beschriebene Instrument ist ein "Landowska"-Konzertcembalo mit der sog. "Bach-Disposition", erweitert um ein zusätzliches 8'-Nasalregister im II. Manual. Im Vergleich zu den übrigen großen Rasten-Cembali der Sammlung Dohr fällt beim Pleyel-Cembalo die starke Nähe zum historischen Klangbild - trotz der oben beschriebenen deutlich von der historischen abweichenden Bauweise - auf. Das Spielgefühl ist jedoch - bedingt durch Lederkiele und der vom Konzertflügelbau übernommenen Mensur ("Stichmaß") - eher dem eines modernen Konzertflügel ähnlich.

Das Instrument weist eine archaisierende "Fassung" (helles türkis, mit echtem Blattgold abgesetzt) des Gehäuseäußeren, der Beine und der Lyra auf, die derzeit für kein anderes erhaltenes Pleyel-Cembalo Modell "Landowska" nachweisbar ist (alle anderen bekannten Pleyel-Cembali sind in poliertem Mahagoni gehalten). Das Instrument besitzt auch an der Korpus-Innenwand eine Überfurnierung mit einer helleren Holzart. Hoesch zahlte in Dollar, obwohl das Pleyelsche Auslieferungsbuch für deutsche Kunden in dieser Zeit durchaus auch Mark-Beträge enthält (alle Fremdwährungen jeweils mit Umrechnung in Französische Frank). Das für Hoesch bestimmte Instrument war mit $ 2.050,-- (= FF 52.210,-- "prix net") mit Abstand das teuerste Exemplar des fünfregistrigen Konzertcembalomodells, das zu dieser Zeit die Pleyelsche Fertigung verließ.

zur Datierung: (a) Die Auslieferungsbücher der Firma Pleyel stehen online auf http://archivesmusee.citedelamusique.fr/pleyel/archives.html. Diese Auslieferungsbücher erklären die beiden "Serien-Nummern" durch ihre Legenden: Die Zahl 183548 ist die fortlaufende Nummer im Auslieferungsbuch ["Numéro de Sortie"]; die Zahl 68F380 ist die Fertigungsnummer ["Numéro de fabrication"], wobei in älteren Auslieferungsbüchern (z.B. für die Jahre um 1911) das "F" noch geschrieben wurde und später, z.B. beim Eintrag 1927 (Pleyel: registre de fabrication - Années 1924 à 1930 - Pianos : n° de série 175 851 à 190 050 - N° inv. E.2009.5.22, page154), ausgelassen und durch ein Spatium substituiert wird. Für einen bestimmten Zeitraum weisen Pleyel-Cembali neben diesen beiden Nummern noch eine eigene, fortlaufende Zählung auf. Diese scheint jedoch irgendwann aufgegeben worden zu sein. Trotz aller Recherchen ist derzeit noch ungewiss, ob die selbstständige Zählung der Pleyel-Cembali mit dem ersten jemals bei Pleyel gebauten Cembalo (also 1889) oder erst mit dem Modell "Wanda Landowska" startet. Hier könnte eine konsequente Auswertung aller Produktions- und Fertigungsbücher von Pleyel (s.u.) helfen.

Produktionsbuch Pleyel, Cembalo-Produktionsgruppe 1926, Teil 1 von 3

(b) Die Produktionsbücher der Firma Pleyel stehen ebenfalls online auf http://archivesmusee.citedelamusique.fr/pleyel/archives.html. Das Produktionsbuch Pleyel : registre de fabrication - Années 1926 à 1937 - Pianos : n° de série F67701 à F80060- N° inv. E.2009.5.6, Elément 15 zeigt, dass Pleyel die Cembali in Kleinserien herstellte; so wurde 1926 eine Serie von zwölf Cembali mit den Produktionsnummern F68377 bis F68388 aufgelegt, die in den verschiedensten Korpusausführungen innerhalb eines Zeitraumes von knapp zwei Jahren verkauft wurden (davon immerhin drei Instrumente nach Deutschland). Zu diesem Zeitpunkt listen die Fabrikationsbücher noch recht detailliert, welche (Vor-)Arbeiter in den verschiedenen Gewerken am jeweiligen Instrument arbeiteten. Ein anderes Beispiel: Am 13. März 1930 wurde eine Gruppe von zehn Cembali (in diesem Falle in sehr ähnlicher Korpusausführung) aufgelegt, die in 1931 verkauft wurden. Zu dieser Zeit wurden die Fabrikationsbücher leider nicht sehr sorgfältig geführt - vielleicht aufgrund des Kostendruckes in der Weltwirtschaftskrise: Es fehlen fast sämtliche Einträge!

Produktionsbuch Pleyel, Cembalo-Produktionsgruppe 1926, Teil 3 von 3

(c) Das zweimanualige Cembalo von Pleyel, Wolff, Lyon & Cie., Paris 1905 (Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung PK, Katalog-Nr. 5572) soll das 10. oder 11. überhaupt von Pleyel gebaute Cembalo gewesen sein. Wanda Landowska stellte das nach ihren Vorstellungen gebaute Pleyel-Cembalo erstmals auf dem Bachfest Breslau 1912 der Öffentlichkeit vor. Ein zeitweise zur Sammlung Neupert II gehöriges Pleyel-Cembalo weist folgende Nummern auf: 81946/197.231/61 und datiert in das Jahr 1939. Das "Dürener Pleyel-Cembalo" der Familie Eberius weist folgende Nummern auf: 79258/191.388/unbek. und datiert in das Jahr 1931. Dem Anschein nach gibt es drei Nummernkreise: Der sechsstellige Nummernkreis gliedert die Cembali in die Gesamtproduktion von Pleyel ein. Die letzte, kleine Nummer stellt eine fortlaufende Zählung der von Pleyel gebauten Cembali dar.

Exkurs zur Registrierung: Die um das im Ober-Manual befindliche 8'-Nasal-Register erweiterte sog. "Bach-Disposition" ermöglicht eine große Anzahl von Registriermöglichkeiten, die sich erst recht erweitern, wenn man das Terrain des "Konventionellen" verlässt und beginnt, dieses Cembalo nicht nur als "Adaption" der historischen Vorlage (Cembalo von Hieronymus Hass), sondern als modernes Musikinstrument des 20. Jahrhunderts zu begreifen willens ist. Hier einige erprobte Beispiele (je entsprechende Literaturstücke vorausgesetzt - nicht alles "passt "und "geht" immer; die Klangcharakteristiken sind z.T. typisch für das Pleyel-Konzertcembalo und nicht auf andere Cembali gleicher Disposition übertragbar):

I 16'+8'+4', II 8'+8'n, II/I = "Tutti" (5 Register) I 4' solo - 8va bassa gespielt = weiterer 8'-Klang II 8'+8'n = Klangeffekt von 8'+4'
I 16'+8'+4'; II 8' = "normales volles Werk", ggf. mit Manual II als konventionellem, leisem Echo I 4', II 8', II/I = obertönigere, schlankere Kombination I 4', II 8'n, II/I = ähnlich wie zuvor, jedoch nicht "ein Ton", sondern stets "gestimmte Oktave"
I 16'+4', II 8', II/I = ähnlich, aber anders I 8', II 8'+8'n, II/I = massiver, aggressiver 8'-Klang I 4', II 8'n, II/I = apart, synthetisch
I 16', II 8'+8'n, II/I = zugleich "voll" und "gestört fragil" I 8'+4', II 8' = klassische Abstufung - Echoeffekt I 4', II 8'+8'n, II/I = wie zuvor, stärker
I 16' solo - 8va alta gespielt = weiterer 8'-Klang, lautenähnlich I 8'+4', II 8'+8'n = "a due claviere - Farbverschiedenheit" I 16' + 4' = Spaltklang
I 16', II 8'L, II/I = Theorbenklang, aufgehellt I 8', II 8' "a due clav. - kleine Lösung" I 16' solo = Theorbenklang, enorme Tragkraft, Sonorität, Basswirkung

Voreigentümer: Das Instrument wurde wohl für die Cembalistin Manna Hoesch, eine der (fünf?) Ehefrauen des Hagener Papierfabrikant, Instrumentensammlers, Musik-Pioniers und Mäzens Hans Eberhard Hoesch (1891-1972), im Jahre 1927erworben. "Hoesch gehörte bereits in den 1920er Jahren zu den ersten, die historische Instrumente und alte Partituren sammelten und wurde damit zum vielleicht wichtigsten Wegbereiter der Historischen Aufführungspraxis. Hoesch gründete überdies ebenfalls in den 1920er Jahren mit der Kabeler Kammermusik das erste Originalklang-Ensemble überhaupt im deutschsprachigen Raum." (Westfalenpost, s.u.) Hoesch initiierte u.a. 1930 die "Kabeler Kammermusik", in der wenig später Gustav Scheck und August Wenzinger federführend wurden, bevor diese - wohl auch auf politischen Druck - eingestellt wurde.

Reproduktion einer Postkarte vom Ende der 1920er-Jahre oder Beginn der 1930er-Jahre. Sie zeigt den Saal bzw. die Bühne der "Kabeler Konzerte". Links das Pleyel-Cembalo #22 Modell Wanda Landowska.

Anfang der 1950er-Jahre kaufte Dr. Helmut Stoltenberg aus Leverkusen das Instrument auf Vermittlung des Instrumentenkundlers Dr. Walther Thöne von Manna Hoesch, die mittlerweile in Düren lebte, an. Seine Tochter Renate Stoltenberg, eine Schwägerin des Kölner Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Klaus-Wolfgang Niemöller, verkaufte das Instrument in leidlich spielbarem Zustand ca. Anfang der 1970er an den Bedburger Gymnasialmusiklehrer Dr. Klaus Weiler, der es an das Silverberg-Gymnasium bzw. die Stadt Bedburg weiterveräußerte. Das Instrument stand dann viele Jahre wenig beachtet und allmählich verfallend zunächst im alten, später im neuen pädagogischen Zentrum des Gymnasiums. Eine Restaurierung ca. 1986/1987 (Kosten: DM 4.000,--) durch die Klavierbauwerkstatt Georg Wendel, Köln-Weiden, hatte nicht zur Spielbarkeit des Instruments geführt, sondern mündete in einen Eklat besonderer Art: Ein eigens nach der Restaurierung für Freitag, den 29. Mai 1987 angesetztes Konzert musste wegen der zu Beginn desselben ad hoc festgestellten Unspielbarkeit des Pleyel-Cembalos auf einem Klavier durchgeführt werden (Mitteilung der Schulsekretärin, Mai 2008); das Instrument stand danach zwei Jahrzehnte unbeachtet im Stuhllager und konnte 2007/2008 durch Vermittlung einer Musiklehrerin des Gymnasiums von der Stadt Bedburg für das Pianomuseum erworben werden. Das Instrument war äußerlich in leidlichem (jahrelange Lagerung im Stuhllager der Schulaula als Quasi-Fremdkörper) und im Inneren im Beinahe-Originalzustand. Eine Restaurierung (neue Lederbekielung, Intonation, Regulierung der Mechanik, Aufarbeitung der Oberfläche) und damit die Wieder-Spielbarmachung dieses besonderen Instrumentes geschah in den Monaten März bis September 2009 durch die Firma J. C. Neupert Bamberg.

Das Grand Modèle de Concert von Pleyel. Foto: Orto, Paris, um 1930

Literatur:

  • Georg Kinsky: Cembalo-Rekonstruktionen. in: Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer, Erster Band, Cöln 1910, S. 110 8"Die Clavecins von Pleyel, Wolff & Cie in Paris sind durch Konzerte der ausgezeichneten Pianistin Wanda Landowska auch in Deutschland bekannt geworden. Sie sind mit zwei Manualen, dreifachem Saitenbezug [zwei Chöre im 8'- und ein Chor im 4'-Ton] und sechs Pedalen ausgestattet."]
  • J. A. Richard: The Pleyel Harpsichord, in: The English Harpsichord Magazine Vol. 2 N. 5 (1979).
  • Jürgen Schof: Aus dem Haus Pleyel ins pädagogische Zentrum. Das Bedburger Gymnasium besitzt ein einzigartiges Instrument, in: Kölner Stadtanzeiger vom 15. Mai 1987 [enthält kaum brauchbare, nämlich überwiegend falsche Angaben].
  • Charles Timbrell: Art. Pleyel, Ignace-Joseph (et Cie). in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 296 f. [insbes. S. 297: Gibt 1912 als Entstehungsjahr für das "Modell Wanda Landowska" an].
  • Willem de Vries: Fallstudie Wanda Landowska. in: Sonderstab Musik, Köln 1998, S. 309-328, insbes. S. 311 [Liste der geplünderten Instrumente; Landowska besaß die Pleyel-Cembali #48 und #51].
  • Jan Großbach: Atlas der Pianonummern. Frankfurt: 10. Aufl. 2005, S. 262f.
  • Barbara Willer (?): Harnoncourt, Hoesch und Hagen. in: Westfalenpost vom 21. Januar 2008, Kulturseite.
  • tel. Gespräche mit den Voreigentümern, mit Prof. Dr. Dieter Gutknecht (der Zugang zur Hoesch-Villa hatte), mit Wolf Dieter Neupert, mit diversen Archivaren, mit Dr. Barbara Willer Ende November 2008; 13. November 2009 bis 28. Februar 2010 Sonderausstellung SIM/PK Berlin "Die Dame mit dem Cembalo. Wanda Landowska und die Alte Musik" aus Anlass des 50. Todestages und des 100. Jahrestages des Erscheinens ihrer Schrift "Musique ancienne"; Deutsches Rundfunk-Archiv (Hg.): Barocke Kostbarkeiten. Erstveröffentlichungen von Rundfunk-Aufnahmen 1936-1943: http://www.dra.de/publikationen/cds/musik/cd-mu04.html
Das Pleyel-Cembalo Modell Wandy Landowska der Sammlung Dohr in der Ausstellung des Bachhauses Eisenach 2011.
Das Pleyel-Cembalo Modell Wandy Landowska der Sammlung Dohr in der Ausstellung des Bachhauses Eisenach 2011.

Das Pleyel-Cembalo # 22 Modell Wandy Landowska der Sammlung Dohr in der Sonder-Ausstellung des Bachhauses Eisenach im Jahre 2011.


1931 Konzertcembalo Maendler-Schramm (München)

Zur Firmengeschichte: siehe unter Clavichorde/1932

Die Fotos zeigen das Instrument vor der Restaurierung, im Augenblick des Erwerbs (Januar 2003).

Name in Versalien auf Vorsatzbrett: "Maendler-Schramm, München."; Seriennummer vorne rechts an Korpusinnenwand: 251

  • Korpus in Klavierbauer-Konstruktion nach Vorbild des Pleyel-Cembalo-Modells "Landowska":
    • Länge: 2450 mm
    • Breite: 1130 mm
    • Korpushöhe (inkl. Deckel): 327 mm
    • Gesamthöhe 1015 mm
    • zwei benachbart montierte Deckelstützen (flach/hoch)
  • zwei Manuale in Klavierbau-Mensur, Registerschaltung in Anlehnung an den Orgelbau
    • unteres Manual: 16', 4', 8'(1)
    • oberes Manual: 8'(2) mit Nasalcharakter, Laute auf 8'(2)
    • Koppel II/I
    • Umfang: F1 – f3 = fünf Oktaven
    • Untertasten: 136 mm sichtbare Länge, Belag: Bakelit
    • Obertasten: 78 mm Länge, Belag: Elfenbein auf Ebenholz
    • Stichmaß: 498 mm
    • sechs Pedale (von links): 16', 4', 8'(1), Koppel, Laute 8'(2), 8'(2)
    • Pedal-Schaltrichtung ("ein" = ...): oben, oben, oben, unten, unten, oben
    • drei runde, konische Beine mit Messing-Rollen.

Beschreibung: Das zweimanualige Konzertcembalo in Rastenbauweise besitzt die zu seiner Zeit beliebte sog. „Bach-Disposition“ 16’, 8’, 4’, 8’ mit einem Lautenzug und einer Manualkoppel, sämtliche über Pedale schaltbar; es besitzt in der Nachahmung der ihm vorausgehenden Pleyel-Cembali einen dem Hammerflügelbau entlehnten gusseisernen Rahmen ohne Spreizen, eine Gliederdämpfung und umsponnene Saiten (gesamtes 16’- sowie Bass beider 8’-Register). Restaurierung (2006) durch die Werkstatt für historische Tasteninstrumente J. C. Neupert in Bamberg.

Dämpfung: Die Saiten für die beiden 8'-Register liegen auf der unteren Ebene, die Besaitung des 16'- Registers (links) und des 4'-Registers auf der oberen Ebene. Die beiden 8'-Register haben die historische Fähnchen-Dämpfung am Springer. Die beiden anderen Register haben Glieder-Oberdämpfung, diese wiederum doppelt ausgeführt (zwei Dämpfer pro Saitenpaar). Damit das Spielgewicht sich zwischen den 8'-Registern und den beiden weiteren Registern nicht deutlich unterscheidet, heben alle Springer die Glieder-Oberdämpfer ab. Das bedeutet, dass bei Anschlag einer Taste stets auch die entsprechenden Saiten der [nicht angeschlagenen] 16'- und 4'- Register mitschwingen. Besonderheit: Bei Springern mit historischer Fähncheneinzeldämpfung an jedem Springer bewirkt dieser Dämpfer, dass der Springer bei der Entnahme der Klaviatur in Position hängenbleibt. Die 16'- und 4'-Springer des Cembalos Maendler-Schramm haben allerdings keine Fähnendämpfer und würden nach Entnahme der Klaviatur ins Instrument fallen. Um dies zu verhindern, hat Schramm jedem einzelnen Springer dieser beiden Register befilzte Hölzchen angeklebt, die im Ruhezustand auf dem Springerrechen aufsitzen.

Cembali der Marke "Maendler-Schramm" wurden mit leichten Modifikationen von etwa 1907 bzw. 1912 (zwei Prototypen, die sich lt. Focht [siehe Literatur] lange Zeit nicht verkaufen ließen), dann verstärkt von den frühen 1920er-Jahren fast bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (Totalschaden im Bombenkrieg), dann schließlich nochmals in kleinerem Umfang in der unmittelbaren Nachkriegszeit (vielleicht bis ca. 1956) gebaut; sie stellen keine Kopien von historischen, barocken Instrumenten dar, sondern verkörpern eine die Erfahrungen des Klavierbaus einbeziehende Adaption des "Cembalo-Typs"; konkret kopieren diese Cembali das von der Pianistin und Cembalistin Wanda Landowsky in Zusammenarbeit mit Pleyel/Paris entworfene Instrument: Wunsch von Interpreten wie Instrumentenbauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die "Modernisierung" des "alten“ Cembalos. Eine besondere Form von "Nostalgie" spielte ebenfalls eine Rolle.

Insbesondere die Cembali von Maendler-Schramm schienen Ende der 1920er-Jahre und zu Anfang der 1930er-Jahre einen alle anderen deutschen Hersteller überragenden Ruf zu haben. Karl Maendler wurde sogar außergewöhnlich schnell in die Neuauflagen der führenden Musiklexika (Riemann [Zitat s.u.], Frank/Altmann) aufgenommen. Carl Orff schreibt in seinem "Schulwerk" im Jahre 1976 (zitiert nach Focht S. 174, siehe Literatur: "Ich wandte mich [1928] mit meinem Anliegen an meinen Freund Karl Maendler, den einfallsreichen Wiederbeleber des Cembalobaues und genialen Neukonstrukteur großer Konzertcembali, die damaliger Aufführungspraxis in großer Besetzung und großen Sälen entsprachen. Neben Pleyel und Erard ist sein Name aus der Geschichte des Cembalobaues nicht wegzudenken."

Das Fundament gebende 16-Fuß-Register, ein Gussrahmen, Lederbekielung, große Klaviermanualmensuren, große Wirbel, umsponnene Basssaiten, die flügelmäßige, nach unten offene Rastenbauweise, eine dem englischen Tafelklavierbau entlehnte Gliederdämpfung für die oben liegenden 8’- und 16’-Register und eine dem Orgelbau entlehnte Pedalschaltung für die Register sind einige besondere Merkmale dieses wuchtigen, in Eiche gearbeiteten Instrumentes. „Modern“ wirkt(e) etwa die Kombination [neudeutsch: „Material-Mix“] von schwarzem Plastik (Bakelit?) auf den Untertasten mit Elfenbein als Obertastenbelag.

Ein Patent (DRP Nr. 39 39 67) besaß Karl Maendler für ein kompliziertes System von drei Federn an jedem Holzspringer, die den Ton besonders wandlungs- und modulationsfähig machen sollten. Ein weiteres Patent (DRP Nr. 39 49 89) besaß er für die „Schränkung“ des 4’-Bezugs auf dem Resonanzboden, wodurch er den Anhang vom Resonanzboden weg an die Korpus-Wand verlegen konnte.

"Maendler, Karl, Klavierbauer und Inhaber des Pianohauses M. J. Schramm in München, * 22. März 1872 in München. Seit 1907 baut er Cembali und Clavichords; er ist Erfinder des sog. Bachklavieres, d. h. eines Cembalos mit durch Anschlag modulationsfähigem Ton, das 1923 zum ersten Male öffentlich vorgeführt wurde. Die verschiedenen Anschlagsstärken werden in der Weise erzielt, daß bei schwachem Anschlag der Reißer die Saite nur mit der Spitze faßt, während bei stärkerem Anschlag die Docke entsprechend der Anschlagskraft näher an die Saite geworfen wird, wodurch die vom Reißer mehr oder weniger zum Anriß untergriffen wird. In der Disposition hält sich auch das Bachklavier an die gebräuchlichsten alten Typen mit 4 Saiten für jede Taste, und zwar ein 4', zwei 8', ein 16'; zwei Manuale durch Koppel verbindbar, Lautenzug, Pianozug für das Obermanual und abhebbare Dämpfung (modern). Die Register werden durch acht Pedalzüge ausgelöst." (Eintrag im Riemann-Lexikon 11. Auflage Bd. 2, Berlin: Hesse 1929)

Wegen der zahlreichen instrumentenbaulichen Besonderheiten haben mehrere bedeutende Musikinstrumentenmuseen trotz der „relativen Jugend“ dieser Instrumente Cembali von Maendler-Schramm in ihren Beständen. Das Instrument der Sammlung Dohr gehört dabei mit 245 cm Länge zum Typ des großen Konzert-Cembalos, das die sogenannte „Bach-Disposition“ aufweist. Ein fast identisches Instrument (Unterschied: achteckige Beine) mit #274, datiert März 1932, befindet sich in der Instrumentensammlung des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz Berlin.

Nach der Auswertung von Prospekten der Fa. Maendler-Schramm durch Focht (siehe Literatur) bot Maendler mindestens dreizehn verschiedene Cembalo-Modelle an (als Modell-Bezeichnung diente dabei - einzige Ausnahme bildete das hier beschriebene >Bach-Klavier< - stets die Länge des Instrumentes), ca. sechs Modelle ohne Pedalschaltung [150, 170, 175, 200, 218, 220 cm], ca. drei Modelle mit Pedalschaltung für den Hausgebrauch [175, 190, 200 cm], zudem ca. vier Konzertcembali [240/241, 246, 254, 263 cm]. Fochts Angaben sind leider sehr pauschal und dadurch ungenau, differenziert er doch nicht nach Angebots- bzw. Entstehungsjahr. So ist bekannt, dass Maendler-Schramm ca. 1934 den gusseisernen Rahmen

Voreigentümer: Erwerb über Ebay aus Privatbesitz, Sinzig/Rhein. Eine begonnene Umbekielung auf Delrin wurde im Rahmen der Restaurierung durch J. C. Bamberg im Auftrag der Sammlung Dohr rückgängig gemacht.

Informationen zu Maendler: siehe unter Clavichorde/1932

Literatur:

  • H. Nüssle, Karl Maendlers Bach-Klavier, in: Die Musik 15, 1923, S. 794 f.;
  • Eintrag "Maendler, Karl", in: Alfred Einstein (Bearb.): Hugo Riemanns Musik-Lexikon, 11. Auflage, Bd. 2, Berlin: Hesse 1929.
  • [ganzseitige Anzeige mit 4 Abbildungen in:] Fritz Müller: Das stilechte Spiel auf dem Cembalo und auf andere Kielinstrumenten. Celle: Hermann Moeck Verlag 1933.
  • Eintrag "Maendler, Karl", in: Frank/Altmann (Hg.), Kurzgefasstes Tonkünstler-Lexikon für Musiker und Freunde der Musik,14. Auflage 1936, Bd. 1, S. xx.
  • [Anzeige in:] Hesses Musikkalender 61. Jahrgang 1939, 2. Band, S. 170;
  • Neue Bachgesellschaft (Hg.), Verzeichnis der Sammlung alter Musikinstrumente im Bachhause zu Eisenach, 3. erw. Aufl. Leipzig 1939, S. 37 (Nr. 70; von der Beschreibung her baugleich mit dem Instrument im Deutschen Museum München);
  • Joseph Wörsching, Die historischen Saitenklaviere und der moderne Clavichord- und Cembalo-Bau, Mainz 1946;
  • Hanns Neupert, Art. „Maendler, Karl“, in: MGG 1. Auflage Bd. 8 (1960), Sp. 1458;
  • K. Sasse, Katalog zu den Sammlungen des Händel-Hauses in Halle: Musikinstrumentensammlung: besaitete Tasteninstrumente, Halle 1966;
  • W. J. Zuckermann, The Modern Harpsichord, London 1969;
  • Hubert Henkel: Das moderne Cembalo - Tendenzen und Probleme. in: Eitelfried Thom und Renate Bormann (Hg.): Cembalo, Clavichord, Orgel. Konferenzbericht Blankenburg/Harz 1977. (= Studien zur Aufführungspraxis und Interpretation von Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts. Heft 6, Teil 1. ), S. 32-38;
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 189;
  • Margret Cranmer: Art. “Maendler-Schramm“, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 11, S. 485;
  • John Henry van der Meer, Ein Überblick über den deutschen Cembalobau, in: Hermann Moeck (Hg.), Fünf Jahrhunderte deutscher Musikinstrumentenbau, Celle 1987, S. 235-262, hier S. 248;
  • Martin Elste, Nostalgische Musikmaschinen, in: Staatliches Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (Hg.): Kielklaviere, Berlin 1991, S. 239-277, hier S. 263 u. 266f.;
  • Horst Rase, Renaissance des Cembalos. Beschreibung der Instrumente, in: Staatliches Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (Hg.): Kielklaviere, Berlin 1991, S. 278-334, hier S. 325-329;
  • Hubert Henkel, Besaitete Tasteninstrumente (Kat. Slg. d. Deutschen Museums München), Frankfurt 1994, S. 95-97 (älteres Modell, aber identische Patente);
  • Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 193 u. S. 266;
  • Hubert Henkel, Art. „Schramm, Max Joseph“, in: ders., Lexikon deutscher Klavierbauer, 1. Aufl. Frankfurt/Main 2000, S. 577f.;
  • Ralf Ketterer: Der Instrumentenbauer Karl Maendler und die Weiterentwicklung des „Bachklaviers“. in: G. Ulrich Großmann, Germanisches Nationalmuseum (Hg.): Monatsanzeiger Nr. 263 (Februar 2003), S. 6f.
  • Art. "Maendler, Karl", in: MGG 2. Auflage, Personenteil, Bd. xx (Kassel: Bärenreiter 2003), Sp. xx.
  • Peter Watchorn: Isolde Ahlgrimm, Vienna and the Early Music Revival Ashgate 2007 (drei Abschnitte über Ahlgrimms Spiel auf Maendler-Schramm-Cembali).
  • Josef Focht: Die Firma Maendler-Schramm und die Renaissance des Cembalos in München. in: Christian Ahrens und Gregor Klinke (Hg.): Cembalo, Clavecin, Harpsichord. Regionale Traditionen des Cembalobaus. Kongressbericht Herne 2010, München: Katzbichler 2011, S. 156-184.

Linktipp: http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Maendler (Artikel über Karl Maendler); Artikel "Maendler", in: Bayerisches Musiker-Lexikon Online, hrsg. von Josef Focht, http://www.bmlo.lmu.de/m0034.


1932 Tischspinett Maendler-Schramm #309 (München)

Identifikation: Name in Versalien auf Vorsatzbrett intarsiert: "Maendler-Schramm, München"; Seriennummer vorne rechts aufgemalt, dabei die originalen Schlagziffern imitierend: 309. Schlagstempel auf erstem Tastenhebel (und zwar beidseitig; erste Zeile außen schwach lesbar, innen gar nicht sichtbar): "Erste Reussische Klaviaturfabrik / Raaz & Gloger / Langenberg-Thür."; Schlagstempel-Nummer auf Innenseite der Taste: 63160. römische "II" in Blei auf erster Taste, ebenso "II" auf dem Klaviaturrahmen. Unter rechter Klaviaturbacke im Korpus in Blei "2 R".

Instrumentenbeschreibung: siehe 1932 Tischspinett Maendler-Schramm #318 (München); Unterschied: Korpus außen dunkelbraun gebeizt (wohl original); Vorderdeckel nicht wie bei Instrument #318 rastbar. Besonderheiten: Tastenhebel hinten mit Schlagziffern durchgenummert; ab Taste 22 werden diese Schlagziffern weiter vorne durch Bleistifteintragung gedoppelt, da die Schlagziffern mehr und mehr durch lederne Garnierung auf den Tastenhebeln verdeckt werden.

Mensur:

  • F = 650 mm
  • c = 695 mm
  • f = 700 mm
  • c1= 600 mm
  • f1 = 525 mm
  • c2 = 395 mm
  • f2 = 320 mm
  • c3 = 195 mm
  • f3 = 130 mm

Zustand: Lautenzug fehlt; Deckelstütze fehlt; Instrument (und damit auch die Klaviatur) sehr stark in Saitenzugrichtung bananenförmig verzogen: Korpus vor allem links vorne "aus dem Leim"; zahlreiche (z.T. unfachmännisch) ausgespänte Resonanzbodenrisse; falscher bzw. falsch ergänzter Bezug (teilweise Blank- bzw. Stahlsaiten im Bass; evtl. falscher Stahl-Blank-Bezug im Diskant). Deckelarretierung links defekt; Saitenanhangleiste bis hinter das Vorsatzbrett ausgetauscht, daher Original-Schlag-Seriennummer bei Reparatur durch Tusche imitiert; aufgrund des mit wenigen Eingriffen in die weitgehend original erhaltende Substanz 2006 restaurierten Tischspinetts #318 derzeit nicht restaurierungswürdig.

Kommentar: Nachdem einige Zeit davon ausgegangen wurde, dass es sich bei 1932 Tischspinett Maendler-Schramm #318 (München) um einen Prototypen oder ein Unikat handelt, widerlegt dieses Instrument nun beide Theorien: Es ist zum einen - dies belegt die Seriennummer - kurze Zeit vor dem bisher bekannten Tischspinett von Maendler-Schramm entstanden; zum anderen hat Maendler-Schramm mindestens eine Kleinserie dieses Instrumentes aufgelegt; dies belegt auch die externe Fertigung der Klaviaturen für dieses Modell durch einen Zulieferbetrieb. Der Zustand der Klaviatur, vielleicht auch der Erhaltungszustand des Instrumentes insgesamt belegen jedoch, dass der Instrumententyp bei #309 noch nicht ausgereift war; vielleicht deutet die mehrfach zu findende Zahl/Ziffer "II" bzw. "2" darauf hin, dass es sich um das zweite Exemplar dieses Modells handelt.

Provenienz: Erwerb für die Sammlung Dohr im März 2014 bei Rainer Krause, Berlin (www.antique-guitars.de); dieser wiederum Erwerb aus dem Kunst-/Antiquitätenhandel am Ammersee/Bay.


1932 Tischspinett Maendler-Schramm #318 (München)

Notabene: Der nachfolgende Instrumentenbeschreibungs-Text zu Instrument #318 wurde nach dem Fund von Instrument #309 im März 2014 grundlegend überarbeitet.

Tischspinett Maendler-Schramm, Vorsatzbrett mit Herstellerangabe Tischspinett Maendler-Schramm, spielbereit
Tischspinett Maendler-Schramm, ohne Deckel Tischspinett Maendler-Schramm, Aufricht/Grundriss
Tischspinett Maendler-Schramm, Drehknopf für Lautenregister Tischspinett Maendler-Schramm, vorne: Laute

Identifikation: Name in Versalien auf Vorsatzbrett intarsiert: "Maendler-Schramm München"; Seriennummer vorne rechts eingeschlagen: 318; Schlagstempel auf erstem Tastenhebel (und zwar beidseitig): "Erste Reussische Klaviaturfabrik / Raaz & Gloger / Langenberg-Thür."; Schlagstempel-Nummer auf Innenseite der Taste: 63281.

Instrumentenbeschreibung: Hausmusikinstrument mit minimalen Ausmaßen [das Modell ist mit x,x kg ausgesprochen leicht und durchaus mit einer Hand unter dem Arm zu tragen] und mehreren konstruktiven Besonderheiten; Tischinstrument ohne Beine und ohne Untergestell; von der Denkweise her Rastenkonstruktion [allerdings ohne "Raste" i.e.S.] mit im Bereich des Resonanzbodens offenem Unterboden. Klaviaturrahmen von unten in den Korpus eingeschraubt und ohne Beseitigung des "Vorsteckers" herausnehmbar.

Der Mittelteil des (inkl. anhängender, senkrechter Tastenklappe viergliedrigen) sich vorne und hinten schmetterlingsflügelartig öffnenden Instrumentendeckels ist starr und fungiert zugleich als Dockenleiste. Durch diesen konstruktiven Kniff besitzt das Instrument eine sehr geringe Bauhöhe. Der vordere Teil des Deckels ist im geöffneten Zustand zugleich Notenpult - dies jedoch nur in dem Fall, dass der hintere Teil des Deckels aufgestellt ist. Die Notenauflageleiste ist mittig unter das die Dockenleiste bildende Deckelsegment geschraubt. Deckel nicht abschließbar oder für Transportzwecke arretierbar; vordere Tastenklappe jedoch rastbar (li. u. re.). Das Instrument besitzt einen fünfeckigen Grundriss; das Maß der parallel zur Instrumentenvorderkante verlaufenden Rückwand beträgt 210 mm, das der schrägen Rückwand 660 mm. Den Korpusmaßen des Instrumentes entsprechend, ist auch die Klaviatur auffallend klein dimensioniert.

Weitere Auffälligkeit ist der stark wandernde Saitenanreißpunkt, hervorgerufen vor allem durch die Mensurverkürzung der untersten 15 Saiten, die so extrem ist, dass die tiefsten Saiten kürzer sind als diejenigen eine Oktave höher. Die Mensur hat einen deutlich vom normalen abweichenden Verlauf, nicht nur in der Tiefe, sondern auch im mittleren Bereich (Tabelle siehe Instrument #309). Pauschal betrachtet, bewegen sich die unteren 18 Saiten längenmäßig annähernd im gleichen Bereich und unterscheiden sich lediglich durch Dicke und Spannung.

Disposition: ein Register (8'); Holzspringer mit schwerer unterer Messing-Pilote (unten in Pfannenlager auf Tastenhebel geführt, oben in gestanzten, geschraubten Einzelmessing-Rechen), Lederkiele; doppelte Filzdämpfer an in der Höhe justierbarem Messingträger; Lauten"zug" mittels Drehknopf (rechts in Vorsatzbrett) vertikal zu bewegen; vorder- und linksstimmig; s-förmiger Klangsteg, parallel zu diesem s-förmiger Lautenzug (Wirkung also nicht nahe dem Anzupfpunkt, wie sonst üblich, sondern am Klangsteg!). Basswandleiste im Bereich des Resonanzbodens beim Klangsteg ausgespart. Bezug im Bass- und Mittelbereich parallel, im (hohen) Diskant leicht strahlenförmig. Das Instrument weist die spinett-typische ganztönig alternierende Anordnung von Springer- und Saitenpaaren auf. Tiefste Basssaite hinten im Instrument, somit typische "Spinett-Bauweise" ("geschwenktes Cembalo"; im Gegensatz zur Virginal, Clavichord- und überwiegenden Tafelklavierbauweise [Sonderfälle siehe dort!], bei der die tiefste Saite vorne im Instrument liegt).

  • Breite: 823 mm (inkl. Deckel)
  • Tiefe: 553 mm (rechts; inkl. Deckel); 283 mm (links; inkl. Deckel)
  • Korpushöhe (inkl. Deckel): 145 mm
  • Gesamthöhe 850 mm
  • Untertasten: 92 mm sichtbare Länge, Belag: Obstholz
  • Obertasten: 50 mm Länge, Belag: schwarz gebeiztes Obstholz
  • Stichmaß: 462 mm
  • Umfang: F – f3 = vier Oktaven

Restaurierung 2006 durch J. C. Neupert, Bamberg

Provenienz: aus dem norddeutschen Kunst-/Antiquitätenhandel; Erwerb für die Sammlung Dohr: 2005.

Literatur und zum Erbauer: siehe Konzertcembalo Maendler-Schramm, München 1931.

Zur Datierung: (1) Das Instrument wurde von einem Antiquitätenhändler, der das Instrument aufgrund seiner Optik auf "um 1920" datierte, an die Sammlung Dohr verkauft. (2) Zu Maendler-Schramm gab es bisher keine publizierte Nummernliste (vgl. Jan Großbach, Altlas der Pianonummern, 10. Aufl. 2005, S. 217 u. S. 303). Das Instrument #274 lässt sich auf Februar 1932 datieren (siehe nachfolgenden Langtext zum Konzertcembalo Maendler-Schramm). (3) Es gibt jedoch eine Nummernliste zum Hersteller der Klaviatur. Jan Großbach (a.a.O., S. 464) gibt für 1910 #25000, dann erst wieder für 1924 #238462 an. Bei einer sich rechnerisch ergebenden Durchschnittsproduktion von ca. 15.000 Klaviaturen ergibt sich als Herstellungsjahr für die #63281 das Jahr 1913. Großbach kann allerdings erst für 1917 erstmals "Raaz & Gloger" als Firmierung der "Ersten Reussischen Klaviaturfabrik" angeben. Es ist nunmehr eher davon auszugehen, dass die Angaben bei Großbach nicht zuverlässig sind, als dass Maendler die Nummern 309 und 318 nicht in der Chronologie seiner Produktion belegte. So ist aufgrund der "Verteilung" nicht davon auszugehen, dass es Nummernblöcke für bestimmte Modelle bei Maendler-Schramm gab. (5) Lothar Bemmann (www.clavichord.info) lässt am 16. Mai 2008 der Sammlung Dohr folgende zwischenzeitlich (vor allem seit März 2014) immer wieder überarbeitete, aber durchaus noch erweiterbare (Ergänzungen werden gerne entgegengenommen!) Liste zukommen, die von einer fortlaufenden und damit chronologischen Datierung ausgeht :

Maendler-Schramm: Seriennummern bekannter Instrumente

Jahr Ser.  Tast. Nr.    Tastatur Hersteller     Instrument
1925 138 154340 . Cembalo (M_DM)
19xx 201 1?81020   Wilh. Schäuffele / 181020 /Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5 Schramm-Clavichord (USA [Boston?], privat)
1925 . . . Verkauf 2013 bei www.harpsichord.com
1930 239   . . Clavichord (Lee Graham, U.S.A.)
1930 241   183548 Wilh. Schäuffele / 183548 /Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5 Clavichord (Salzburg, privat)
1931   . . . Cembalo (ESA ex)
1931 251 . . Cembalo (Slg. Dohr)
1931 ? 195264 Wilh.Schäuffele / 195264 / Stuttgart Fangelsbachstr. 5 Cembalo (Slg. Beurmann)
1932 274 . . Cembalo (B)
1932 280 198190 Wilh. Schäuffele / 198190 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5 Clavichord (Frankfurt/Main, privat)
1932 281 198192 Wilh. Schäuffele / 198192 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5 Clavichord (Slg. Dohr)
1932 309 63160 Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür. Tischspinett (Slg. Dohr)
1932  318 63281 Erste Reussische Klaviaturfabrik, Raaz & Gloger, Langenberg-Thür. Tischspinett (Slg. Dohr)
1935 337  . . Clavichord (M_SM)
1936 367  . . Cembalo (ROM)
1939  501 . . Cembalo (HAL)
1939 506  213186 Wilh. Schäuffele / 213186 / Stuttgart S, Fangelsbachstr. 5 Clavichord (B_priv)
1940 508  . . Clavichord (BRNO)
1941  562  . . Cembalo (Herbert Collum)
1941  . . Pedal-Cembalo (H. Collum)
1951  563 . . [Datierung wohl falsch] Cembalo (N_GNM)

Stand: 22.03.2014    fett = gesicherte Jahre


1935 Kleincembalo Hans Hoesch (Hagen) o. Nr.


Hans Hoesch: Kleincembalo 1935: Klaviaturraum von oben
Kleincembalo 1935: Signatur auf Resonanzbodenunterseite
Hans Hoesch: Kleincembalo 1935. Instrument von unten bei abgeschraubtem Unterboden. Fotos (2): Benedikt Dohr
  • Signatur hsl. auf Resonanzbodenunterseite: "Hans Hoesch / Okt. 1935"; keine weiteren Hinweise auf Erbauer, keine Nummer im Instrument.
  • Breite: 695 mm
  • Länge: 1230 mm
  • Korpushöhe: 205 mm (inkl. Deckel)
  • Gesamthöhe inkl. Untergestell: 855 mm
  • eigenständiges Untergestell [evtl. von Zulieferer?] mit der Nummer "26", bestehend aus Unterrahmen, drei je in sich V-förmig "gespaltenen" Beinen und Oberrahmen, zerlegbar, auf das das Cembalo aufgelegt und festgekeilt wird; die jeweilige Selbstständigkeit von Untergestell und Cembalo ist als Reminiszenz an die Entstehungszeit des Originalinstrumentes zu verstehen; innerhalb des "V"s stilisierter Schmetterling als "Brücke".
  • Umfang: C,D,E,F–c3 = 4 Oktaven bei Berücksichtigung/Stimmung einer "Kurzen Oktave" (s.u.)
  • Untertastenbelag (auffallend dick) Elfenbein, geteilter Belag; kunsthandwerklich auffällig aufwändig gestaltete Vordertastenplättchen; Obertasten Ebenholz
  • klappbares, zweigeteiltes Notenpult, das sich mit zwei Stützen an der Dockenleiste abstützt (ähnliche Lösung wie beim zeitgleich im Handel befindlichen Neupert-Spinett Modell "Silbermann")
  • Instrumenten-Deckel zweigeteilt, am Korpus mit außen liegenden Überwurfscharnieren befestigt, mit anhängender Tastenvorderklappe, mit losem Stab aufstellbar
  • Disposition: 8', 2', Laute auf 8' (Fußangaben links auf hölzernen Registerrechen)
  • Registerrechen für 8' vorne, zupft nach links; dahinter Registerrechen für 2', zupft nach rechts.
  • Bezug: ausschließlich nicht umsponnene Messingsaiten (d.h. Verzicht auf umsponnene Saiten im Bass); vereinzelt Stahlsaiten, diese zudem unfachmännisch aufgezogen.
  • ausgebleite Holzspringer mit Holzzungen und Lederbekielung; in Holz gefasste, regulierbare Fähnchen-Dämpfung (Filz) am Springer (auffällig: Diskant des 2' ohne Dämpfung - ähnelt damit dem Usus im Klavierbau!); Holzrechen für die Registerzüge; eine zweite Führung für die Springer befindet sich auf der Klaviatur-Schublade [mit Ziffern "5" und "V"], so dass diese nur nach Entnahme aller Springer aus dem Instrument zu entfernen ist.
  • Schaltung mit Handschiebern (kein Pedal) an den Korpusinnenwänden im Klaviaturraum: links für 8', rechts für 2'.
  • keine Rastenbauweise; gerippter Resonanzboden
  • geschlossener Unterboden (Unterbodenplatte geschraubt); Schallöffnung (ohne Rosette) im Resonanzboden
  • nach Klavierbauerart am Resonanzboden angeschraubte Klangstege.

Kurzbeschreibung: vielleicht ein Unikat, vermutlich Kopiatur eines historischen Originals der Sammlung Hoesch (lt. Telefonat mit Dieter Gutknecht am 28.02.2011; beim Tafelklavier in Lißbach handelt es sich um eine Kopie eines Instrumentes von Anton Walter von ca. 1790); sehr kleines, zugleich wohlproportioniertes einmanualiges Cembalo in "Mischbauweise", die historische Elemente (z.B. geschlossener Unterboden) mit moderner Klavierbauerkunst paart. (Sehr saubere instrumentenbauhandwerkliche Arbeit mit zusätzlichem kunsthandwerklichem Anspruch [Untergestell]; einzige Auffälligkeit: In den Stimmstock wurden die Wirbellöcher zunächst wohl falsch gebohrt [Aufriss für Wirbelreihen für zwei Register, davon ca. 12 Löcher in unregelmäßiger Folge gebohrt], dann wurde der Stimmstock gewendet und ein zweites, endgültiges Mal eingebaut.) Auch stilistisch paaren sich Elemente des Frühbarocks (Tastenfronten) mit solchen des frühen 20. Jahrhunderts (geschnitzte Schmetterlinge in den Beinen des Untergestells).

Das Instrument ist in seiner Bauart "historischer" als die Kielinstrumente der in jener Zeit in stetig steigenden Stückzahlen produzierenden Großhersteller J. C. Neupert [Bamberg/Nürnberg], Maendler-Schramm [München] und wohl auch Ammer [Eisenberg]. Der Cembalist Fritz Neumeyer, ebenfalls im Umfeld von Hans Hoesch ["Kabeler Konzerte", "Scheck/Wenzinger-Kreis"] tätig, versuchte damals Einfluss zu nehmen etwa auf die Fertigung bei J. C. Neupert, um dem historischen Cembalo-Klangbild näher zu kommen.

Kleincembalo Hans Hoesch 1935; Foto: Christoph Dohr

Kleincembalo Hans Hoesch 1935; Foto: Christoph Dohr


Kleincembalo Hans Hoesch 1935; Foto: Christoph Dohr


Bild links: Aufsicht bei abgenommener Dockenleiste; vorne [= unten im Bild] Wirbel für 8'-Bezug, dann 2'-Steg, dahinter Lautenzug mit Schieber links an Korpus-Innenwand [Dämpfer für erste Saite fehlt]; geschraubte Anschlagsbegrenzung; dahinter Wirbel für 2'-Bezug, dann 2'-Steg, dann Registerrechen für 8' (Schaltung links; Schalttiefe durch Pilotenschraube regulierbar) und 2' (Schaltung rechts im Diskant, hier nicht sichtbar); Bild rechts oben: Springerreihen bei abgenommener Dockenleiste im Diskant: ganz links Steg und Laute für 8'; dann Wirbel und Steg für 2'; dann Springer für 8' mit holzgefassten regulierbaren Dämpferfähnchen, dahinter Springer für 2' ohne Dämpfer; Bild rechts unten: Gestaltung der drei Beine.

Zu bemerken ist, dass der Begriff der "Kopie" im Bereich des Neubaus historischer Musikinstrumente bis heute einem kontinuierlichen Wandel unterliegt. Fest steht lediglich, dass der Begriff "Kopie" in Gegensatz zur "Eigenentwicklung", die in der Regel zusätzlich patentgeschützt ist, steht ["herausragendes" Beispiel in der Sammlung Dohr: zweimanualiges Cembalo Modell "Cristofori" J. C. Neupert #18786 (Bamberg/Nürnberg 1956)]. War es in der Anfangszeit selbstverständlich und offensichtlich, dass eine "Kopie" wohl dosiert historische Originalvorlage mit moderner Klavierbauerkunst mischte, so ist dieser "Mischvorgang" heute zwar immer noch tägliche Praxis, seine Erwähnung aber nicht mehr opportun.

Werkstatt: Hans Hoesch betrieb in Ergänzung seiner Sammlertätigkeit in den 1930er-Jahren eigene Instrumentenbauwerkstätten, die neben Restaurierungen von Original-Instrumenten seiner Sammlung Kopien ausgewählter historischer Originale für den eigenen Bedarf und einen engeren Freundeskreis fertigten; die Abteilung Tasteninstrumente mit fünf angestellten Handwerkern wurde von Friedrich Ernst [1897-1976] geleitet. Friedrich Ernst, gelernter Klavierbauer, war im Anschluss an seine Tätigkeit in der Werkstatt von Hoesch in den Musikinstrumenten-Museen in Leipzig [1937-1948] und Berlin [1948-1962] als Restaurator tätig und gilt bis heute als Kapazität, die Handwerk und Wissenschaftlichkeit zusammenzuführen wusste. Hoesch war dabei nicht selbst als Handwerker tätig, ließ es sich wohl aber nicht nehmen, Instrumente aus seiner Werkstatt persönlich zu signieren - wenn auch an fast unzugänglicher Stelle. Die Fertigungsqualität belegt jedenfalls das Wirken eines versierten, erfahrenen Klavierbauers.

Provenienz: Erstbesitz Frau Käthi H. Köppern geb. Simons (26.03.1864-xx.xx.1941), Bonn-Friesdorf; nach ihrem Tod weiter im Familienbesitz; Februar 2011 Schenkung an die Sammlung Dohr / Pianomuseum "Haus Eller".

Schema Tastenbelegung "Kurze Oktave"
  • Schema der Tastenbelegung einer "Kurzen Oktave",
  • Die "Kurze Oktave" war im Tasteninstrumentenbau des 16. und 17. Jahrhunderts in ganz Europa die Regel; in Italien und Österreich hielt sie sich bis ins 18., im Orgelbau sogar ins 19. Jahrhundert.
  • Es handelt sich um eine besondere Anordnung der Tasten der tiefsten Oktave, in der man die vier Halbtöne Cis, Dis, Fis und Gis wegließ, weil sie in der damaligen Musik kaum verwendet wurden. Deshalb sparte man sich die Herstellung.
  • vgl. in der Sammlung Dohr das Tafelklavier Zumpe & Buntebart (Tafelklaviere/1771), bei dem noch 1771 Fis1 ausgelassen wurde.

Literatur/Quellen: Dieter Gutknecht: Musikwissenschaft und Aufführungspraxis, in: Hartmut Krones (Hg.): Alte Musik und Musikpaedagogik. Wien: Boehlau 1997, S. 199-222, bes. S. 218; Dieter Gutknecht: Studien zur Geschichte der Aufführungspraxis Alter Musik. Ein Überblick vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. 2. Aufl. Köln: Concerto-Verlag 1997, S. 137 f.; "Auch innerhalb Deutschlands wurde das Musizieren auf alten Instrumenten [...] von etlichen passionierten Sammlern, oft musikbegeisterten Industriellen, amateurhaft gepflegt: Georg Heyer in Köln, Paul de Wit in Leipzig, Hans Hoesch in Hagen, Wilhelm Rück und seine Söhne Hans und Ulrich in Nürnberg, um nur die wichtigsten in Deutschland zu nennen. Diese Sammler hatten ihre hochgeschätzten Reparateure, Hermann Seyffarth, Arthur Voss, Otto Marx [1871-1964] und später Friedrich Ernst, die zu den Gründervätern des modernen Restaurierwesens in diesem Metier wurden." Zitat aus: Klaus Martius: "Seid aus eurer Leidenschaft und nehmt euch nicht zu viel aus alten Epochen, denen ihr nicht gewachsen seid!" Peter Harlan als Restaurator alter Musikinstrumente. in: Concerto. Das Magazin für Alte Musik, Heft Nr. 221, August/September 2008, S. 23-28; Annette Otterstedt: Friedrich Ernst und seine Kartei. Ein Pionier der Restaurierung von Musikinstrumenten. in: VDR - Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut Heft 1+2/2007.

Telefonat mit Jan Großbach (Frankfurt am Main) am 27. Februar 2011: Er kennt das Tafelklavier [s.o.] aus der Werkstatt von Hans Hoesch aus den 1930er-Jahren, das sich heute im Musikinstrumenten-Museum Lissbach befindet. E-Mail von Kurt Racky, Vorsitzender des Fördervereins dieses Museums: Bei Hans Hoesch handelt es sich um den Seniorchef des Hoesch-Konzerns, Hans Eberhard Hoesch. Telefonat mit Sammler und Instrumentenbauer Kurt Reichmann am 27. Februar 2011: bestätigt diesen Zusammenhang. Telefonat mit Prof. Dr. Dieter Gutknecht, Köln, 28. Februar 2011: bezeichnet die mit fünf Klavierbauern besetzte Werkstatt von Hoesch als in den 1930er-Jahren "florierend"; Korrespondenz mit den Vorbesitzern.


1936 Spinett Modell "Silbermann" J. C. Neupert (Bamberg/Nürnberg) #16227

  • in Vorstecker eingelassene Messingschrift: "Neupert / Bamberg Nürnberg"
  • "braun gebeizt" (lt. Auslieferungsbuch J. C. Neupert); Eiche; Scharniere nicht als Klavierbänder, sondern als gesägte Beschläge; Überwurfdeckelschließe; Notenpult klappbar, stützt sich oben links an der Innenseite des Instrumentendeckels und rechts mittels einer Stütze an der Dockenleiste ab.
  • Länge linke Seitenwand: 105 mm; Länge rechte Seitenwand: 710 mm; Länge Rückwand: 1250 mm; Länge Vorderwand 1110 mm, Klaviatur (Breite 775 mm) daraus um 140 mm hervorspringend.
  • Korpushöhe: 200 mm; Gesamthöhe: 830 cm (drei Beine im Chippendale-Stil, abschraubbar, Stahlgewinde, Zapfen am Unterboden)
  • Tiefe (orthogonal zu Rückwand gemessen): 625 mm
  • Umfang: C–f3 = 4 1/2 Oktaven
  • Untertastenbelag Ebenholz, Obertasten weiß (Kunststoff)
  • Disposition: 8', geteilte Laute (h/c1), von oben wirkend
  • ausgebleite Holzspringer mit Lederbekielung (lt. Auslieferungsbuch J. C. Neupert "imprägnierte Springer"); Dämpfung (Filz im justierbaren Messinghalter) am Springer
  • Schaltung: Lautenzüge mit Handschiebern links und rechts im Vorstecker
  • historisch angenäherte Bauweise, ohne Gußrahmen
  • geschlossener Unterboden ohne "Schallöffnungen"
  • Rosette im Resonanzboden, rechts hinten, nahe der Rückwand

Vorgeschichte: Von J. C. Neupert als Neuinstrument verkauft am 15. Dezember 1936 an die Instrumentenhandlung der Pianofortefabrik Pfeiffer/Stuttgart für RM 395,75 (zum Vergleich: Der Listenpreis beträgt im Jahre 2009 Euro 7.100,--); bekannte Voreigentümer: Verband Evangelischer Kirchenchöre in Württemberg, Stuttgart; Schenkung 2009 von Dr. Helmut Völkl, Stuttgart.

Kommentar: Das Neupert-Spinett-Modell "Silbermann" (interne Bezeichnung S0 [null]; nicht zu verwechseln mit dem Neupert-Spinett-Modell "Silbermann Standard"/ interne Bezeichnung HS "S" [Heinrich Silbermann Standard], das eine Kopie eines historischen Spinetts von Heinrich Silbermann darstellt) gehört zum "Urgestein" der von der Firma J. C. Neupert eigenständig entwickelten historischen besaiteten Tasteninstrumenten und wird seit ca. 1920 bis in die Gegenwart (2009) mit kontinuierlich leichten Modifikationen, aber im Prinzip unverändert gebaut . Bis 31.12.1973 wurden allein 2345 Exemplare hergestellt und verkauft [Auskunft W.D. Neupert vom 31.07.2009]. Das Modell "Silbermann" hat damit erheblichen Anteil an der Verbreitung von Kielinstrumenten im 20. Jahrhundert. Zu den Vorzügen des Modells "Silbermann" zählen seine kleinen Abmessungen und sein geringes Gewicht, die es mit etwas Geschick und Kraft für eine einzige Person - und dann auf der Rückbank eines PKWs - transportabel machen.

Beim Exemplar der Sammlung Dohr handelt es sich um die "Sparversion" ("S0 eckige Form"), die seit 1934 für einige Zeit hergestellt und vertrieben wurde; es verfügt nicht über eine geschwungene rechte Seitenwand, sondern über eine kurze linke und eine längere gerade rechte Seitenwand, die sich beide rechtwinklig an die Frontseite anschließen. Diese Bauweise hat gegenüber der geschwungenen Seitenwandversion akustische Nachteile.

Provenienz: Von J. C. Neupert als Neuinstrument verkauft am 15. Dezember 1936 an die Instrumentenhandlung der Pianofortefabrik Pfeiffer/Stuttgart für RM 395,75 (zum Vergleich: Der Listenpreis beträgt im Jahre 2009 Euro 7.100,--); bekannte Voreigentümer: Verband Evangelischer Kirchenchöre in Württemberg, Stuttgart; Schenkung 2009 von Dr. Helmut Völkl, Stuttgart an die Sammlung Dohr.

Literatur: siehe die Angaben zu den jüngeren Neupert-Instrumenten weiter unten.


1940  zweimanualiges Konzertcembalo Gebr. Ammer (Eisenberg) # 261

  • in Vorstecker eingelassene Messingschrift: "Gebr. Ammer Eisenberg"
  • Breite: 1xx cm
  • Gesamthöhe: xx cm (Beine abschraubbar)
  • Länge: 2xx cm
  • Umfang: F1–f3 = 5 Oktaven
  • Untertastenbelag schwarz, Obertasten weiß
  • Disposition: Manual I: 16', 8', Laute auf I-8'; Manual II: 8', 4' Laute auf II-8'; Koppel II an I
  • ausgebleite Holzspringer mit Lederbekielung; Dämpfung (Filz mit Messinghalter) am Springer
  • Schaltung: Registerschaltung mit 5 Pedalen (von links): 16', 8', Koppel, 8', 4'; Lautenzüge mit Handschiebern links im Vorstecker (Laute für i-8': unterer Schieber)
  • historisch angenäherte Bauweise, ohne Gußrahmen
  • geschlossener Unterboden ohne "Schallöffnungen"
  • Rosette im Resonanzboden, vorne links, nahe der linken Korpuswand

Voreigentümer: Schenkung der Eheleute Dr. Detlev Gojowy, Unkel/Rhein im Frühjahr 2008 an die Sammlung Dohr.

Literatur: siehe die Angaben zum jüngeren einmanualigen Ammer-Cembalo weiter unten.


1952  einmanualiges Cembalo (Modell "Ruckers") Ammer (Eisenberg) # 743

  • Namensschild auf Vorstecker: "Ammer"
  • Breite: 104 cm
  • Gesamthöhe: 93 cm (Beine abschraubbar)
  • Länge: 216 cm
  • Umfang: F1–f3 = 5 Oktaven
  • Untertastenbelag Bakelit schwarz, Obertasten Zelluloid weiß
  • Disposition: 8', 4', Laute auf 8'
  • Holzspringer mit Lederbekielung; Dämpfung (Filz mit Messinghalter) am Springer
  • Schaltung mit Handschiebern (kein Pedal)
  • Rastenbauweise,
  • geschlossener Unterboden mit drei handtellergroßen "Schallöffnungen"

Ein wenig Licht in die Geschichte[n] der vier "Ammer"-Firmen:

(1) Josef Ammer wurde am 27. Mai 1887 in München geboren. Er lernte Tischler und war mindestens seit 1913 als selbstständiger Meister in Eisenberg tätig. Die von Josef Ammer 1920 in Eisenberg gegründete Pianofabrik stellte erstmals zur Leipziger Herbstmesse 1923 Pianos aus. Josef Ammer baute keine historischen Tasteninstrumente. Seine Klavierbetrieb ging zu Beginn der 1930er ein; er baute fortan nur noch Möbel. Josef Ammer starb in den 1960er Jahren.

(2) Die Großneffen von Josef Ammer, Alois und Michael Ammer, gründeten 1929 unter der Firmierung "Gebr. Ammer" eine Spezialwerkstatt zum Bau von historischen Tasteninstrumenten in Eisenberg/Thüringen. Sie waren nie im Betrieb ihres Großonkels tätig, sondern hatten dort in ihrer Anfangszeit lediglich einen Raum gemietet. Die beiden Brüder starben innerhalb einer Woche im Januar 1946; nach dem Tode führten zunächst die beiden Witwen den Betrieb fort; 1951 Firmierung zur Ammer KG.

Im Januar 1957 übernahm Renate Ammer (*April 1937, Tochter von Michael Ammer) nach einer dreijährigen Lehre zur Cembalo-Baumeisterin die Geschäftsführung der Ammer KG. Ammer-Cembali wurden - wie in jener Zeit branchenüblich - in industrieller Bauweise (Rastenrahmen, starker Saitenbezug etc.) und gemäß der Nachfrage in zum Vergleich mit heutigen Fertigungszahlen hohen Stückzahlen gefertigt. Bis zur Einleitung der Enteignung bwz. Zwangs-Verstaatlichung (1972) wurden 2540 Spinette, Cembali und Klavichorde (jedoch keine Hammerflügel) von Ammer gebaut; die Verstaatlichung wurde durch Löschung der KG und die Eingliederung des Betriebs in das DDR-eigene "VEB-Möbelkombinat Eisenberg" im Jahre 1973 abgeschlossen. Alle Akten mussten im Betrieb verbleiben, so dass die Firmengeschichte heute lediglich aus Erinnerungen von Renate Ammer rekonstruiert werden kann. Das Recht an der Marke "Ammer" wurde fortan vom Staat wahrgenommen: In der Phase des verstaatlichten Betriebs wurden der Name "Ammer" und die fortlaufende Nummerierung beibehalten; es wurden mit verminderter Produktivität und Qualität ca. 1200 weitere Instrumente fertiggestellt. Die Produktion endete 1992 mit Instrument Nr. 3728.

(3) Cembalobauer Jürgen Philler heiratete im Jahre 1971 Renate Ammer und nahm ihren Familiennamen als den seinigen zwecks Fortführung der Ammer-Traditionslinie an. Renate und Jürgen Ammer unternahmen 1974 in Leipzig-Wiederitzsch einen Neuanfang als kleiner Handwerksbetrieb, der historische Tasteninstrumente in enger Anlehnung an erhaltene Originalinstrumente baute (Betrieb wurde 1988 aufgelöst; 1988 Flucht von Renate Ammer nach Westdeutschland; Ausweisung von Jürgen Ammer aus der DDR). Renate Ammer wurde danach nicht mehr als Instrumentenbauerin tätig und lebt heute (2008) in Hamburg.

(4) Jürgen behielt nach der Scheidung 1984 von Renate Ammer nach DDR-Recht den Nachnamen "Ammer" bei. Jürgen Ammer begründete ca. 1989 (1990?) einen neuen Handwerksbetrieb zunächst in Kassel. Es schloss sich eine Zeit in Trendelburg an (Firmierung: JUERGEN AMMER. Historische Tasteninstrumente • Domane 2 • D-34388 Trendelburg), während der er die Meisterprüfung zum Klavier- und Cembalobauer ablegte; seit 2001 ist der Handwerksbetrieb im hessischen Schauenburg (Firmierung: JUERGEN AMMER. Historische Tasteninstrumente • Langenbergstraße 9 • D-34270 Schauenburg-Breitenbach; nahe Kassel) angesiedelt und baut sowie restauriert historische Tasteninstrumente. Die Fertigungsrate liegt bei ca. zwei bis drei Neuinstrumenten pro Jahr.

Ein französischer Informant:

>>J'ai réussi à joindre Herr Jürgen Ammer en personne, qui a pris le temps de répondre à toutes mes questions. [...]

Ammer est un atelier de facture anciennement basé à Eisenberg en Türinge, qui a fabriqué beaucoup d'instruments de série, non seulement clavecins, épinettes et clavicordes, mais également des pianos. L'atelier Ammer, qui fut parmi les "redécouvreurs" du clavecin au début du XXè siècle, a également été dans le "lot germanique" des bidouilleurs essayant de moderniser les instruments anciens avec des gadgets issus de la facture du piano, notamment les cadres en métal, les cordes ultra-tendues, les pédaliers, etc, ce qui lui a valu de fournir quasiment tous les orchestre nationaux des pays de l'Est après guerre. En parallèle de ces "recherches" visant à améliorer les vieux instruments, Ammer a également lancé une gamme de copies d'instruments historiques, en s'autorisant toutefois certaines petites modifications. [...]

Pour la petite histoire, les ateliers Ammer sont restés dans la famille depuis leur création en 1929, d'abord avec Gebr Ammer, puis Mickael & Alois Ammer à partir de 1946;  à partir de 1972 la crise de la facture finit par pousser l'atelier vers les fusions par lesquelles tous les facteurs ont dû passer ... jusqu'à l'arrêt de la production en 1992. C'est Jürgen Ammer qui conservera l'héritage culturel familial en créant son propre atelier, uniquement tourné vers des instruments plutôt haut-de-gamme de facture traditionelle. << (Quelle: www.clavecin-en-france.org, Diskussionsbeitrag vom 23.07.2006)

Kurzcharakterisik: Dieses einmanualige Cembalo Modell „Ruckers“ (Seriennummer 743, vorne rechts auf Stimmstock) der Sammlung Dohr wurde in der Fa. Ammer in Eisenberg/Thüringen bis zum Anfang der 1960er Jahre in Serie gebaut (Auskunft Jürgen Ammer). Tastenbeläge aus Kunststoff waren in der DDR aufgrund des Mangels an Edelhölzern bei historischen Tasteninstrumenten auch noch weit nach 1950 üblich (Auskunft Renate Ammer). Datierung auf "kurz nach 1950" nach Rossbach, Pianonummern sowie aufgrund der Einordnung von Renate Ammer. Auffrischung des Korpus, Neubekielung (Leder), Regulierung und Neuintonation durch J. C. Neupert, Bamberg 2010.

Provenienz: Erwerb 2009 für die Sammlung Dohr über ebay aus Privatbesitz, Quedlinburg

Literatur:

  • Christian Ahrens u.a. (Hg.): 170 Jahre Klavierbau in Eisenberg/Thüringen. Frankfurt/Main 1993, S: 80ff.
  • Hubert Henkel, Art. Ammer, Josef, in: ders., Lexikon deutscher Klavierbauer, 1. Aufl. Frankfurt/Main 2000, S. 19 [vermengt irrig die beiden Firmen Josef Ammer und Gebr. Ammer zu einer].
  • Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 10. Aufl. Frankfurt/Main 2005, S. 35 [listet korrekt vier verschiedene "Ammer"-Firmen auf; gibt ein wohl falsches Produktionsende für Josef Ammer an]
  • weitere Quellen: www.clavecin-en-france.org [Diskussionsbeitrag vom 23.07.2006; enthält zahlreiche Fehler; Stand vom 23.01.2008]; die Liste von Großbach unvollständig online unter http://www.bodenseestimme.de/kdr/liste/a.htm usw. [Link geprüft 26.01.2008]; tel. Auskunft von Jürgen Ammer, Schauenburg, 22.01.2008; pers. Gespräch mit Wolf Dieter Neupert, Bamberg, 26.01.2008; tel. Gespräch mit Renate Ammer, Hamburg, 26.01.2008.

1956   Cembalo zweimanualig (Modell "Cristofori") J. C. Neupert #18786 (Bamberg)

Cembalo zweimanualig Modell "Cristofori" J.C. Neupert Bamberg / Nürnberg #18786 (1956)
  • Ambitus [Klaviatur-Umfang]: C-f3 = 4 1/2 Oktaven [notabene: J. C. Neupert warb in seinen Broschüren bis in die Anfänge des 21. Jahrhunderts mit der Angabe des "Tonumfanges". Aufgrund des 16'- und des 4'-Registers ergibt sich bei diesem Modell ein "Tonumfang" von C1-f4 = 6 1/2 Oktaven, der jedoch spielpraktisch nicht von Relevanz ist]
  • Ausführung in Sapeli-Mahagoni [diese Ausführung zählte lt. Modellliste von 1956 neben Nußbaum und Rüster zu den "normalen" Ausführungen ohne Preis-Aufschlag]
  • Länge: 183 cm; Breite 95 cm; Gewicht: 124 kg
  • zwei Manuale, fünf Pedale, vier Handzüge, "O.K.-Springer" mit "Silberton"-Bekielung
  • Register Untermanual: 8'1, 16', 16'-Laute (Neupert: "Theorbe")
  • Register Obermanual: 8'2, 4', 8'2-Laute
  • Untertastenbelag schwarz, Obertasten weiß (beides Kunststoff)
  • Pedale (von links): 8'1, 16', Koppel II/I, 4', 8'2; Alle Pedale wirken positiv, d.h. sie schalten durch Treten das betreffende Register ein. In der oberen Stellung (ungetreten) sind die Register ausgeschaltet. In der unteren Stellung lassen sich die Pedale durch eine kleine Verschiebung nach außen rasten.
  • Handzüge (links im Vorsatzbrett): 8'2-piano, 8'2-Laute; (rechts im Vorsatzbrett): 16'-Laute; 8'1-piano. Die Lauten- und piano-Züge wirken durch Herausziehen; die Wirkung der piano-Züge kann durch einen mit Riffelschraube verstellbaren Schlitten nachgestellt werden.
  • Holzrastenbauweise mit offenem Unterboden, ohne Gußrahmen
  • drei sich konisch verjüngende Beine mit quadratischem Grundriss und Messing-Flügelrollen.
  • Jedes Register hat seine eigene, durch Stellmuttern und Kontermuttern in der Höhe einzeln justierbare Dockenleiste aus unterseitig mit Filz garniertem Messing. Diese vier - zudem verschieden hoch montierten - Dockenleisten verhelfen dem Instrument zu einer pittoresken Optik. Ebenfalls ins Auge sticht die farbliche Fassung der Knöpfe der piano-Züge und der bewusst den Zeitstil aufgreifende Schriftzug "Neupert", der nicht wie üblich mittig, sondern wie an einem PKW-Heck [bzw. an der damaligen PKW-Armaturentafel] rechts seitlich am Vorsatzbrett appliziert ist. Das Instrument hebt sich damit bereits auf den ersten Blick von historischen Cembali ab und möchte bewusst "modern" sein.

    Wie das Spinett Modell "Silbermann" von J. C. Neupert, von dem sich ebenfalls ein Exemplar in der Sammlung Dohr befindet, wird auch dieses von J. C. Neupert entworfene Modell [Rastenbauweise] mit geringen Modifikationen seit rund 75 Jahren angeboten. Das Modell besitzt heute keine piano-Züge mehr und wird zwar noch wahlweise mit Holz- oder Plastik-, nicht jedoch mit O.K.-Springern angeboten.

    Der Listenpreis 1956 betrug DM 7.350,-- (inkl. 14% MWSt.), 2010 € 28.130,-- (inkl. 19% MWSt.)

    Die Instrumenten-Nomenklaturen sind reine "Modell-Bezeichnungen" und korrelieren nicht mit historischen Instrumenten, erst recht nicht mit solchen aus den Werkstätten von Silbermann oder Bartolomeo Cristofori.

J.C. Neupert: Zeichnung des "O.K. Springers" mit "Silbertonkiel"
J. C. Neupert: Werbemappe (vor 1956)

Kurzbeschreibung: zweimanualiges Hausmusikinstrument, das bei einer geringen Länge von lediglich 183 cm zwei Manuale und vier Register (darunter einen 16' im unteren Manual) sowie weitere Spielhilfen bzw. Hilfsregister anbietet.

Kommentar: Im Rahmen einer Cembalo-Bau-Geschichte des 20. Jahrhunderts sammelwürdig wird dieses Cembalo als Beispiel für die von J. C. Neupert so benannten "O.K.-Springer mit Silberton-Kielen". Besonders der Fa. Neupert werden heute diese und andere "Verrücktheiten", die nicht mit historischer Fertigung zu tun haben, vorgeworfen. Dies geschieht jedoch aus heutiger Warte und tut den damaligen Instrumentenbauern Unrecht, war es doch gerade bei der Renaissance der historischen Tasteninstrumente im 20. Jahrhundert so, dass die Forderung von möglichst leicht spielbaren, stimmstabilen und wartungsarmen Instrumenten von den Instrumentalisten kam. So übertreffen sich in einer achtseitigen Werbebroschüre verschiedenste Musiker/innen wie Günther Ramin, Li Stadelmann, Fritz Neumeyer, Irmgard Lechner u.a.m. im Lob der Neupertschen technischen Innovationen. Fazit: Der Neupertsche Cembaloklang entspricht dem Klangideal der Zeit, und es wird begrüßt, dass "Erfindungen" die "Störungsfaktoren" ausgeschaltet haben. Neupert schuf in den Augen der Zeitgenossen das "unbedingt funktionierende Cembalo mit einer vollkommenen Spielmechanik ohne Einbuße seines Cembalo-Klanges".

Der OK-Springer hat optisch nur wenig mit seinem historischen Vorbild gemein. Die Unterschiede fallen direkt ins Auge: [1]  Fertigung aus Leichtmetall - vollständiger Verzicht auf hölzerne Bauteile; [2] auffallend langgezogene, runde Form, wobei die Rundung aus Gründen der Festigkeit gegenüber Verdrehen stellenweise abgeplattet ist; [3] zwei federunterstützte Handregulierungsschrauben an beiden Springerenden, die obere zur Regulierung der Untergrifftiefe des Kieles, die untere als Pilote zur Höhenregulierung des Kiels. Unabhängig von "Empfindlichkeiten" gegenüber der Nicht-Historizität einer derartigen erfindungsreichen, patentierten Neuformung eines zentralen Bauteils im Instrument ist aus der Sicht des Praktikers (und nüchtern betrachtet) vor allem die obere Handregulierungsschraube zu begrüßen: Das Instrument wird ohne mühsames Herausnehmen des Springers regulierbar.

Das Modell "Cristofori" kombiniert Zeitgeschmack mit Verkäuflichkeit aufgrund der Konfektionierung der Instrumentenlänge auf unter 2 m, was besonders im Bass zu einer deutlich verkürzten Mensur zulasten des Klanges geht. Gegenüber dem großen Neupertschen Konzertcembalo "Bach" (mit dem das "Cristofori" Manual-, Pedal- und Anzahl der Züge gemein hat!) wurde zudem die Breite verringert, indem der Ambitus auf 4 1/2 Oktaven beschnitten ist.

Das Modell "Cristofori" entstammt der Phase, in der sich der Bau historischer Tasteninstrumente am weitesten von der heute als allein statthaft empfundenen (modifizierten) Kopiatur historischer Originale entfernt hatte.

Das 4'-Register befindet sich nicht im Untermanual, sondern nun im Obermanual - eine deutliche Veränderung gegenüber der sog. historisch belegten "Bach-Disposition", die drei Register im Unter- und ein Register im Obermanual aufweist. Der 4' kann jedoch über die Manualkoppel in das Untermanual geholt werden und damit auf einem "Umweg" den vollen 16'-8'-4'-Klang ermöglichen.

Provenienz: Das Instrument wurde im Frühjahr 1956 von Studienrätin H. Simons (Flensburg) bei J. C. Neupert bestellt. Die Fertigungsdauer betrug drei Monate; Auslieferung war im Juli 1956 (Rechnung vom 03. Juli 1956 über 7.150 Mark inkl. Skonto; lt. erhaltener Korrespondenz bereitete das Instrument von Anfang an Probleme (Nebengeräusche, klemmende Springer etc.), die jahrelang unbehoben blieben. Das Instrument wurde ca. 1981 zum letzten Male durch die Fa. Rumler Bonn umfassend gewartet. Die Erben der Erwerberin übereigneten das Instrument dereguliert und mit einigen wenigen fehlenden Teilen im Frühjahr 2011 der Sammlung Dohr / Pianomuseum Haus Eller.

Literatur: siehe die Angaben zu den jüngeren Neupert-Instrumenten weiter unten; zudem beim Instrument befindlich: Schriftwechsel aus den Jahre 1956/59 mit J. C. Neupert bzgl. Kauf und Mängeln; 1981/83 bzgl. Generalüberholung und Leihvertrag des Instrumentes; Broschüre Hans Neupert: Die Behandlung moderner Cembali, Spinette und Klavichorde. Sonderdruck Bärenreiter-Verlag Kassel o.J. mit eingeklebter masch. Durchschlagskopie mit Spezifikationen zum Modell "Cristofori"; Faltblatt Technische Einzelheiten und kurze Anweisung zur Behandlung von Neupert-Cembali mit Pedalen, O.K.-Springern und Silberton-Kiel, o.J.; Werbemappe Neupert Klavichorde Spinette Cembali sind führend in der ganzen Welt! mit acht Einlageblättern [unvollständig] mit einliegender Kleinbroschur Die Vollendung: O.K.-Springer mit Neupert Silberton-Kiel, 8 S., Bamberg u. Nürnberg o.J.


1957 Cembalo zweimanualig Modell "14" Sperrhake #57.1618 (Passau)

Cembalo zweimanualig Modell "14". Werbepostkarte ca. 1957 von Kurt Sperrhake, Passau
  • Ambitus [Klaviatur-Umfang]: C-f3 = 4 1/2 Oktaven [notabene: Auch Kurt Sperrhake warb in seinen Werbeblättern mit der Angabe des "Tonumfanges". Aufgrund der 8'- und des 4'-Registers ergibt sich bei diesem Modell ein "Tonumfang" von C-f4 = 5 1/2 Oktaven, der jedoch spielpraktisch nicht von Relevanz ist]
  • Ausführung in ruhigem Nussbaumfournier ohne dominierende Jahresringe und Zeichnungen [lt. Kundenwunsch]; diese Ausführung war lt. Preisliste vom 1.10.1955 die günstigste und kostete 2.950 DM]
  • Länge: 161 cm; Breite 90 cm; Gewicht: 90 kg
  • zwei Manuale, keine Pedale, vier Handschieber, ein Handzug, ein Kniehebel
  • gebleite Holz-Springer mit Kunststoff-Zungen und Leder-Bekielung
  • Register Untermanual: 8'1, 8'1'-Laute
  • Register Obermanual: 8'2, 4', 8'2-Laute, 8'2-Piano (die Disponierung des 4'-Registers im Ober- statt im Untermanual geschah auf Wunsch des Kunden).
  • Untertastenbelag Holz schwarz gebeizt, Obertasten weiß Kunststoff poliert
  • Handschieber (links im Vorsatzbrett): 8'1, 8'1-Laute, darunter Handzug für Manualkoppel II/I; (rechts im Vorsatzbrett): 8'2, 8'2-Laute. Für den Piano-Effekt des 8'2 gibt es eine Raste im Schubweg; Kniehebel für 4'
  • Holzrastenbauweise mit offenem Unterboden, ohne Gußrahmen
  • drei sich konisch verjüngende Beine mit quadratischem Grundriss, keine Rollen.
    • Bezüge auf drei Ebenen (von oben): 8'1, 8'2, 4'; drei Stimmstockstege, (auffallend lange) Wirbel für 8'2, 4' liegen hinter Stimmstocksteg für 8'1, dadurch verschiebt sich die Anrisslinie beim 8'2 deutlich und ist ein Nasal-Register-Effekt für den 8'2 möglich.
    • auffallend hoher Klangsteg für 8' mit "Tunnelung"
    • geteilte Deckelstütze.
    Cembalo zweimanualig Modell "14". Werbepostkarte ca. 1957 von Kurt Sperrhake, Passau. Notenpult und Dockenleiste sind entfernt

    Provenienz: Prof. Dr. Ulrich Hamann, Berlin und Bochum; Schenkung an das Pianomuseum "Haus Eller" im Herbst 2011 durch Familie Michael Hamann, Bamberg.

    Das Modell "14" wurde von Kurt Sperrhake sowohl mit Fuß- (4 Pedale) wie mit Handschaltung angeboten.

    Literatur: John Henry van der Meer, Ein Überblick über den deutschen Cembalobau, in: Hermann Moeck (Hg.), Fünf Jahrhunderte deutscher Musikinstrumentenbau, Celle 1987, S. 235-262; Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 280 (zum System der Seriennummernvergabe bei Sperrhake); Korrespondenz zur Bestellung und Wartung des Instrumentes (Hamann-Merzdorf, Hamann-Steinway Berlin, Hamann-Sperrhake); Werbematerial, Fotos und Preislisten Kurt Sperrhake, 1955ff.


    1961   „Klein-Cembalo“ (Modell S1) Klaus Senftleben (Buxtehude)

    Einmanualiges Hausmusikinstrument (Kielinstrument-Zwitter) nach einer Konstruktions-Idee von Klaus Senftleben; auf Vorstecker: "Senftleben / Buxtehude". Seriennummer links hinten im Instrument, auf Stimmstock: 61 12 88 (Ziffern 1+2: Entstehungsjahr; Ziffern 3+4: Monat; Ziffern 5+6: lfd. Nummer; tel. Auskunft von Knut Michael Senftleben am 25. Juni 2007).

    • Die Korpusform [rechteckiger Grundriss] ist derjenigen eines miniaturisierten Virginals entlehnt;
    • lange Tastenhebel - die Springerreihe durchsticht nahe der Instrumentenrückwand den Resonanzboden;
    • akustisch im Vergleich zum Spinett "umgekehrter" Aufbau: Basssaiten liegen vorne;
    • hinterstimmig: Wirbel entlang der Instrumentenrückwand angeordnet;
    • Manual zentral vorgebaut nach Art der Cembalo-Bauweise;
    • Das Manual ragt aus Korpus hervor nach Art z.B. der Silbermannschen Spinette.
    • Breite: 1.000 mm (inkl. Deckel)
    • Tiefe: 570 mm
    • Korpushöhe (inkl. Deckel): 190 mm
    • Gesamthöhe 840 mm
    • Untertasten: 120 mm sichtbare Länge, Belag: dunkel gebeiztes Obstholz
    • Obertasten: 67 mm Länge, Belag: helles Obstholz
    • Stichmaß: 460 mm
    • Umfang: C – f3 = viereinhalb Oktaven
    • Materialmixspringer: Mittelteil und Zunge aus Holz, Flanken aus Kunststoff, Dämpferfilzhalter aus Blech; Lederplektren

    Restaurierung 2006 durch J. C. Neupert, Bamberg

    1 Register (8') + Lautenzug (fehlte bei Erwerb; im Rahmen der Restaurierung ergänzt; Teilung bei d1/es1 [auffallend unkonventioneller bzw. "unmusikalischer" Teilungspunkt]), vier konisch verlaufende Beine mit quadratischem Querschnitt; zweigeteilter Deckel: Tastenklappe und Korpusdeckel; Notenpult dient zugleich als Deckelaufsteller; original eng umsponnene Bassaiten.

    Klaus Senftleben, geb. 01. April 1931, gest. 01. April 1986, ging bei Ammer in die Lehre; er bezeichnete das Instrument als „Klein-Cembalo“ (Modell S1); aufgrund dieser Instrumentenbezeichnung wurde in den 1950er-Jahren ein Prozess durch J. C. Neupert (Bamberg) gegen Klaus Senftleben angestrengt. Das „Klein-Cembalo“ gehört zu den ersten Instrumentenmodellen, die in der 1955 errichteten Werkstatt von Senftleben entstanden.

    Die Firma Senfleben baute insgesamt ca. 900 Instrumente, wurde 1988 aufgelöst und erfuhr Mitte der 1990er Jahre die Zwangsversteigerung (tel. Information des Sohnes Knut Michael Senftleben im Dezember 2001; Knut S. hatte im väterlichen Betrieb die Lehre zum Klavier- und Cembalobaumeister absolviert; er war 1980 aus dem väterlichen Betrieb ausgeschieden und machte sich 1983 selbständig; vgl. www.klavier-cembalo.com).

    Provenienz: Erwerb 2005 über ebay Deutschland.

    Literatur: John Henry van der Meer, Ein Überblick über den deutschen Cembalobau, in: Hermann Moeck (Hg.), Fünf Jahrhunderte deutscher Musikinstrumentenbau, Celle 1987, S. 235-262, hier S. 249; Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 273.


    1962  „Cembalino“ J. C. Neupert Nr. 20537 (Bamberg)

    [Bild folgt] [Bild folgt] Cembalino im restaurierten Zustand: links: spielfertig geöffnet; rechts: im geschlossenen Zustand; danach drei Fotos mit Details der Mechanik, insbesondere der Dämpfung.
    [Bild folgt] [Bild folgt]
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    Einmanualiges Hausmusikinstrument nach einer Konstruktions-Idee von Hanns Neupert ("aufrechtstehendes Kleincembalo mit Kielmechanik"; dt. Patent); es kombiniert die historische Bauweise des Clavicitheriums (auch: Klavicitherium) mit der Bauart eines geschrumpften Kleinst-Pianinos in Rastenbauweise - das alles gekleidet in die Formensprache des 1950er-Jahre-Mobiliars; im geschlossenen Zustand Dimensionen und Aussehen eines Schuhschrankes und nicht als Musikinstrument zu identifizieren (u.a. keinerlei Schriftzug bei eingeklappter Tastatureinheit sichtbar); zudem frappante "Modernizität" durch die beinahe quadratische Front. Vier, lediglich 20 mm hohe Füße bringen den Korpus zum "Schweben".

    Klaviatur ein-/ausklappbar; an der Klaviatur mittels Klavierband anhängend ist das Vorsatzbrett, das sich beim Klappvorgang mitbewegt. "Neupert"-Schriftzug rechts oben auf Vorsatzbrett im 1950er-Jahre-Music-Box-Stil; je drei Schallschlitze links und rechts im Vorsatzbreitt, ebenfalls an das Design von Music Boxes erinnernd. Die Tastenhebel legen sich beim Aufgeklappen unter löffelförmig ausgebildete Hebel, die den Tastendruck auf die Mechanik übertragen.

    Oberhalb des Vorsatzbrettes sind vier Schieber zur Betätigung der Register angebracht (zwei Gruppen zu je zwei Schieber, links und rechts nahe der Korpuswand; die Pfeile zeigen an, in welcher Richtung eingeschaltet wird [auf den Messingschildchen fehlen die Fuß-Zeichen]):

    1. B4' -->
    2. <-- 8'
    3. 8'L -->
    4. D4' -->

    Bei geschlossenem Deckel ist das Cembalino nur bedingt spielbar, da lediglich Notenhefte bis zu einer Höhe von 21 cm aufgestellt werden können. Der Deckel ist mittels einer links montierten Stütze nach Art der Pianino-Deckel aufstellbar (Deckel klappt vorne nach oben, hinten mit Klavierband befestigt).

    • Breite: 94,5 cm
    • Höhe (geschlossen): 93 cm, zzgl. ca. 2 cm Fußhöhe
    • Höhe (spielbereit/aufgestellter Deckel, inkl. Füße): 110 cm
    • Tiefe (geschlossen): 25,5 cm
    • Tiefe (bei ausgeklappter Klaviatur = spielbereit): 44 cm
    • Umfang: C – f3 = viereinhalb Oktaven
    • Disposition: 8’ + geteilter 4’ (Teilung bei h/c1); 8'-Lautenzug
    • Silberton-Kiele
    • Korpus Nussbaum satiniert, Front Esche.

    "Regulierung der Tonstärke: // Am Mechanikbalken laufen 2 Schubleisten, die durch Betätigung der Registerhebel für 8' und 4' seitlich bewegt werden. Die zum Spieler vordere Leiste gehört zum 8', die hintere Leiste zum 4'. Diese Schubleisten tragen obenauf Ösenschrauben, an denen die einzelnen Zungenträger entlang gleiten. // Die Ösenschrauben dienen der Stärkeregulierung der einzelnen Töne. Die Regulierung erfolgt bei eingeschaltetem Register durch geringe Drehung der Ösenschrauben mittels eines beigegebenen Spezialwerkzeuges. Es handelt sich dabei wegen der Hebelwirkung nur um ganz geringe Drehung.

    An den Enden der Schubleisten sind im Baß und Diskant je 2 Stellpiloten eingeschraubt. Die Stellpiloten dienen bei 8' und 4'/Diskant der gesamten Stärkeregulierung des betreffenden Registers. // Für den 8' bewirkt Eindrehen (im Uhrzeigersinn) der im Baß vorne auf den Spieler zu befindlichen Stellpilote größere Tonstärke des ganzen Registers. // Für den 4'/Diskanthälfte bewirkt Eindrehen (im Uhrzeigersinn) der im Diskant hinten (vom Spieler weg) befindlichen Stellpilote größere Tonstärke der ganzen Diskanthälfte des Registers.

    Zusammenspiel und Dämpfung: // Für die Regulierung des gleichzeitigen Angriffs von 8' und 4' besitzen die 4'-Zungenträger (ober Glieder) auf der Stirnseite eine Regulierungsmadenschraube. Rechtsdrehung dieser Madenschraube bewirkt einen früheren, Linksdrehung einen späteren Einsatz des betreffenden Tones im 4'. // Bei der Einstellung des Angriffs ist immer darauf zu achten, daß der Kiel nach dem Loslassen der Taste wieder an der Saite unterschlüpfen kann.

    Bei größeren Veränderungen ist eventuell eine Nachstellung der Dämpfung durch vorsichtiges Biegen des Messingwinkels an der Spitze des Zungenträgers notwendig. Zu diesem Zweck können die Zungenträger nach Entfernung der oberen Sicherungspuppe nach oben abgenommen werden. Beim Wiederaufsetzen ist auf Vollzähligkeit der zwischengelegten Ösen, Ringe und richtigen Federeinsatz zu achten.

    (Nur für Techniker:) // Wenn die Mechanik im ganzen "press" steht, sind die Angriffslöffel der Mechanik am hinteren Ende der Klaviatur entsprechend nach oben zu kröpfen, aber ohne "Schnabelluft". -

    Die Stimmung des Instruments erfolgt wie die eines Klaviers vom Normalton des 8' aus. Der 4' kann in Oktaven dazu [g]estimmt werden. Die Wirbelreihe für den 8' ist am Stimmstock die untere, die für den 4' die obere. Zwecks guter Stimmhaltung ist darauf zu achten, daß die Wirbel beim Stimmen nur gedreht, nicht gedrückt werden. Verwendung darf nur der genau passende mitgelieferte Spezialstimmhammer finden. -

    Saitenersatz und etwa notwendige weitere Beratung durch die Fabrik [sic!] in Bamberg, Am Knöcklein 9-13."

    (zit. nach Behandlungsanweisung ... masch, S. 1f.)

    J. C. Neupert baute von diesem Typ in der Zeit zwischen 1957 und 1977 insgesamt 73 Exemplare (tel. Information von Wolf Dieter Neupert 26. Juni 2007). Das Instrument der Sammlung Dohr wurde am 29. Januar 1962 an Klavierhaus Faust, Wuppertal (Mitteilung WDN 18.08.2003) ausgeliefert und schließlich für die Sammlung Dohr bei einem Berliner Trödler erworben; Restaurierung 2005 durch J. C. Neupert, Bamberg.

    Anmerkungen: (A) Die Konstruktion des Instrumentes der Sammlung Dohr ist gegenüber obiger "Behandlungsanweisung" modifiziert: Die Schubleisten des 4'-Registers besitzen für die Einzelregulierung Ösenschrauben, diejenige des 8'-Registers jedoch Winkelhaken. Es scheinen zudem Cembalino-Instrumente gebaut worden zu sein, bei denen der Lautenzug wechselweise auf den 8' oder auf den 4' wirkte. Weiterhin gibt es Cembalini, bei denen die Aufhängung/Regulierung der Dämpfungs-Zylinder nicht durch Drahtschlaufen, sondern durch hölzerne Träger geschieht. (B) Durch die Kippung des Zupfmechanismus von der Vertikalen in die Horizontale muss die Schwerkraft durch einen Federmechanismus ersetzt werden. Die Regulierung kann dabei zum anspruchsvollen Geduldsspiel werden, da pro Taste je ein in der Aufsicht kreisrunder Dämpfer sich von hinten genau mittig so hinter die jeweilige 8'- und die 4'-Saite zu legen hat, dass beide Saiten gleichzeitig ausreichend stark gedämpft werden. Kurz bevor die Dämpfungswirkung einsetzt, haben beide Kiele zudem noch "unterzuschlüpfen". (C) Das Cembalino hat keine "Springer" bzw. keine "Docken". Die Kiele sitzen in Zungen, die J. C. Neupert hier als Neologismus "Zungenträger" nennt - terminologisch durchaus nicht korrekt, denn im Normalfall sind die Springer/Docken die Träger der Zungen. Beide "Zungenträger" befinden sich auf einer senkrechten Achse, die durch Tastenanschlag einen Zupfvorgang vom Spieler weg - in Richtung Resonanzboden (also in der Gegenrichtung einer "normalen" Cembalomechanik) - auslöst. In Analogie zum Hammerflügelbau ist damit das Cembalino "oberschlägig". Bestückung dieser senkrechten Achse (von unten:) 8'-"Springer", 4'-"Springer" mit Regulierungsmadenschraube, Dämpferhalter mit oben aufgeschraubter regulierbarer Drahtschlaufe, an deren hinterem Ende sich der Dämpfer befindet.

    Provenienz: Erwerb 2004 für die Sammlung Dohr bei einem Antiqutätenhändler in Berlin.

    Literatur:

    • Eberhard Poppek: Cembalo. Ausführliche Anleitung zum Selbstbau eines klavierähnlichen Musikinstrumentes aus dem 18. Jahrhundert. Mit 8 Abbildungen und 3 Bauplänen (Wie baue ich mir selbst? Band 271). Leipzig: Herm. Beyer-Verlag o.J. (1936) [Es handelt sich um die Bauanleitung für ein dem Neupertschen Cembalino sehr ähnliches Instrument, allerdings ca. 33% größer und ohne einklappbare Klaviatur!].
    • Hanns Neupert: Das Clavicyterium einst und heute. in: Musica 1958, S. 333ff.
    • J.C. Neupert (Hg.): Behandlungsanweisung für Neupert-Cembalino. 2 Bll. hektographiert (ca. 1960).
    • Hanns Neupert: Die Behandlung moderner Cembali, Spinette und Klavichorde. Ausgabe 1960/61. Sonderdruck Bamberg: Neupert 1960 [darin S. 27-32: Die Behandlung des Neupert-Cembalinos].
    • J.C. Neupert: Behandlungsanweisung für Neupert-Cembalino. 2 S. masch. [beschreibt ein Instrument mit einem auf beide Register wechselweise wirkenden Lautenzug].
    • Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 9. Aufl. Frankfurt/Main 1999, S. 214f.

    1967 (ca.) Kleincembalo Kurt Hutzelmann (Eisenberg/Thüringen) #1720

    Kleincembalo Kurt Hutzelmann Kleincembalo Kurt Hutzelmann Kleincembalo Kurt Hutzelmann
    Kleincembalo Kurt Hutzelmann Kleincembalo Kurt Hutzelmann Kleincembalo Kurt Hutzelmann

    Die Pianofabrik Kurt Hutzelmann (geb. 7. Oktober 1889, gest. xx.xx.1971) wurde am 17. August 1919 in der Ludwig-Jahn-Straße in Eisenberg/Thüringen gegründet. In den ersten Jahren wurden ausschließlich Pianinos, seit ca. 1927 aber auch Klein-Cembali gebaut. 1954 erfolgte die Löschung im Handelsregister und die Fortführung der Fertigung als Handwerksbetrieb. Die Produktion von Cembali wird ca. 1969 eingestellt. Die Firma existiert noch heute (2011) in dritter Generation als Klavierhandels- und -servicebetrieb mit Filialen in Jena und Weimar.

    Kurt Hutzelmann galt in seiner Familie als Tüftler, weniger kommerziell als stets an Neuerungen interessiert (Stempel: "Alle meine seit 1921 angemeldeten Erfindungen an meinen Pianos-Flügel u. Cembalos haben folgende Urkunden-Nummer, unter Klasse 51b, teils als DRGM, DRP, BRP, DDRP: [774 331] [1146 546] [1258 956] [1362 486] [1 371 184] [934 985] [36 939].) Sein besonderes Interesse galt historischen Tasteninstrumenten, deren Konstruktion und Restaurierung.

    Kurt Hutzelmann entwarf insgesamt fünf Modelle "moderner" historischer Tasteninstrumente, die Serienreife erlangten. Er verfolgte damit einen ganz anderen Weg als etwa die ebenfalls in Eisenberg ansässige Firma Ammer. Das aus heutiger Sicht kurioseste Instrument aus Hutzelmannscher Fertigung war das "Klaviezi", eine einpedalige Klavierzither (125 cm lang, 100 cm breit, Gussrahmen, ca. 72 kg Gewicht). Als "Cembalo des 20. Jahrhunderts" und "ganz neue Entwicklung" konzipierte und produzierte Hutzelmann die beiden Modelle "C54" und "C66", letzteres auch als "Modell Bach" angeboten. Ferner bot er zwei einchörig besaitete Klavichorde (A1 – f3 bzw. F1 – f3) an. Diese Instrumente wurden vollständig in seinem Betrieb gefertigt (also ohne Verwendung von zugelieferten Halbfertigprodukten wie im Bereich der Pianoforte-Fertigung üblich).

    Die Sammlung Dohr verfügt derzeit über zwei Exemplare Modell "C54" (Cembalo mit 54 Tasten = 4 1/2 Oktaven Umfang), Seriennummer 1720 (ca. 1967, 2008 erworben aus Kölner Privatbesitz) und Seriennummer 1733 (ca. 1968; 2007 erworben über Händler J. C. Neupert) aus der Fertigung von Kurt Hutzelmann. Zur Datierung und zur Seriennummernvergabe (Information von Th. Hanf, s.u.): Die Vorkriegsproduktion endete im kleinen fünfstelligen Bereich. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde mit "1" angefangen. Hutzelmann baute auch (Klein-)Klaviere, die das Gros der gebauten Instrumente darstellten. Die Cembali wurden bei der Vergabe der Seriennummer fortlaufend in die Gesamtzählung aufgenommen. Das letzte gebaute Cembalo trägt die Nummer 1740 und entstand ca. 1969.

    Die beiden Cembalo-Modelle in Miniatur-Flügelform der Sammlung Dohr wurden von Firmengründer Kurt Hutzelmann (gest. 1971) entwickelt, um Kielinstrumente mit (dank Gussrahmen) geringem Stimmbedarf für Konzertreisen zur Verfügung zu haben. Das einmanualige Kleincembalo C54 verdient aus u.a. folgenden Gründen besondere instrumentenbaugeschichtliche Beachtung:

    1. Es stellt einen besonderen, kuriosen Versuch dar, Elemente des Klavierbaus mit der Klangerzeugung eines Cembalos zu kreuzen.
    2. Die Proportionen sind dahingehend verändert, dass die einschwingende gebogene rechte Korpuswand mit der Basswand zusammenschmilzt. Die Korpusmaße nehmen keinerlei Rücksicht auf akustische Notwendigkeiten und die Mensur. Der Mensurverlauf kann als "einzigartig" hingestellt werden.
    3. Hutzelmann verzichtet auf die Möglichkeit, ein zweites Register (gerade bei der Kürze des Instrumentes bietet sich ein 4'-Register auf demselben Klangsteg förmlich an; 4'-Register neigen aber selbst bei Gussrahmen-Cembali leicht zur Verstimmung) einzubauen, obwohl von der Konstruktion her ausreichend Platz vorhanden wäre. [Nach Auskunft von Thomas Hanf, s.u., gab es auch ein größeres Modell mit 10 Tasten mehr und zweichörigem Bezug.]
    4. Es entsteht ein sehr karg disponiertes geradsaitig bezogenes Cembalo, das auf die Vorzüge des schrägsaitigen Bezugs eines Spinetts (Platz sparend bei zugleich besserem Mensurverlauf) verzichtet.
    5. Stattdessen sind besondere Klangeffekte möglich durch einen mittels (linkem) Pedal möglichen punktuellen Einsatz des Lautenzugs und vor allem durch das kielinstrument-atypische (rechte) "Forte"-Pedal. [Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die meisten Digital-Pianos ab dem Ende des 20. Jahrhunderts einen Klangeffekt namens "Cembalo" bzw. "Harpsichord" aufweisen, der ebenfalls über das "Dämpfungsaufhebungs"-Pedal nolens volens Hutzelmann-artige Klangeffekte ermöglicht.]
    6. Nach Information von Thomas Hanf (s.u.) wurden die Cembali von Kurt Hutzelmann original mit Gänsekielen bekielt - unter anderem auch aus Materialmangel. In der der Serienfertigung vorangegangenen Phase entstanden auch Instrumente mit Messingkielen und mit Federn als Mechantik-Bauteilen.

    Leider haben weder Hutzelmann-Cembali eine weite Verbreitung noch das Baukonzept Nachahmer gefunden, so dass die möglichen besonderen Klangeffekte (harfenartige Klangeffekte durch das Ineinanderklingen der Töne bei gedrücktem "Forte-"Pedal) keinen Niederschlag in Kompositionen für dieses Instrument gefunden haben.

    • Namensschild auf Vorstecker: "K.Hutzelmann / Eisenberg Th."
    • Länge: 127 cm (Herstellerangabe: 130 cm)
    • Breite: 98 cm (Herstellerangabe: 102 cm)
    • Korpus außen aus heller Eiche (Rüster), innen Ahorn; drei spitz zulaufende Beine mit quadratischem Grundriss
    • ein Manual, Klaviertasten-Mensur und -Optik; Untertasten weiß, Plastik; Obertasten schwarz, Plastik; Untertastenvorderkante stark gerundet (lediglich bei #1720)
    • gusseisener Rahmen
    • Hebel-Oberdämpfung (Dämpfer keilförmig)
    • Umfang: C – f3 = viereinhalb Oktaven
    • nur 1 klingendes Register [!]: 8'; geradsaitiger Bezug.
    • 2 Pedale (von links) in stilisierter schlanker Lyra: "Piano" = nicht rastbarer Lautenzug [!], "Forte" = Dämpfungsaufhebung [!]
    • Gewicht ca. 103 kg (nach Herstellerangabe)

    Provenienzen: [1] Erwerb aus Privatbesitz, Köln-Poll. [2] Erwerb aus der Sammlung Neupert II, Bamberg.

    Quellen u. Literatur: Hutzelmann & Co: Werbefaltblatt "Klaviezi", ca. 1920/30er-Jahre; Hutzelmann & Co: Werbeblatt zum Modell "Bach", ca. 1930er-Jahre; Hutzelmann & Co: Int. Verkaufskatalog "Nr. 5" Pianinos engl./frz./span., undatiert; Kretschmar: Kurt Hutzelmann, ein Eisenberger Instrumentenbauer, in: Zwischen Saale und Elster. Monatsschrift für Kultur und Heimat für den Kreis Eisenberg, Jg. 2 (12/1957), S. 343-346; Werbefaltblatt "40 Jahre Hutzelmann" 1919-1959 (1959) mit gedrucktem und bestempeltem Einkleber von 1961; Hubert Henkel, Art. „Hutzelmann, Kurt“, in: ders., Lexikon deutscher Klavierbauer, 1. Aufl. Frankfurt/Main 2000, S. 274; Jan Großbach, Atlas der Pianonummern, 10. Aufl. Frankfurt/Main 2005, S. 171.

    ergänzende Informationen: mehrere Telefonate mit dem Enkel des Erbauers, Klavierbaumeister Thomas Hanf (Eisenberg/Thür.). Besuch in Eisenberg bei Fa. K.Hutzelmann am 09.09.2011. Das Hutzelmann-Cembalo #1733 der Sammlung Dohr wurde im Frühjahr 2009 durch die Firma J. C. Neupert, Bamberg generalüberholt und ist wieder voll spielbar.


    1968 (ca.) Kleincembalo Kurt Hutzelmann (Eisenberg/Thüringen) #1733

    siehe 1667 Kleincembalo C56 Hutzelmann (Eisenberg/Thür.)


    1977 Hammerspinet Steen Nielsen #325 (Kopenhagen/Dänemark)

    Kurzcharakteristik: Dieses Instrument ist eine einzigartige Mischung von Hammerflügel und Cembalo/Spinett. Es kann durch einen "Registerzug" einen einem Cembalo ähnlichen Klang erzeugen. Da das Instrument mit Hämmern und nicht mit Kielen als Klangerregern arbeitet, findet sich die Beschreibung nun auf der Seite der Hammerflügel der Sammlung Dohr.


    [1998 Spinett J. C. Neupert Bamberg "Silbermann Standard"]
    [Kopie eines Instrumentes von Johann Heinrich Silbermann, 1767]

    ausführliche Beschreibung: siehe Sonderseite Kopien/1767

    DohrCompactDiscs
    mit Instrumenten der Sammlung Dohr

    aktualisiert Montag, 1. September 2014 updated
    © 1998-2014 by Christoph Dohr Köln